SPIEGEL-Umfrage zu Thüringen Linke, CDU und AfD liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen

Einen Monat vor der Thüringen-Wahl zeichnet sich einer SPIEGEL-Umfrage zufolge ein Dreikampf um die Spitzenposition ab. Das regierende rot-rot-grüne Bündnis hätte keine Mehrheit mehr.
Lutherdenkmal in Eisenach zwischen Wahlkampfplakaten: Rot-rot-grünes Bündnis in Bedrängnis

Lutherdenkmal in Eisenach zwischen Wahlkampfplakaten: Rot-rot-grünes Bündnis in Bedrängnis

Foto: Olaf Döring/ imago images

Es läuft derzeit auf ein enges Rennen zwischen Linken, CDU und AfD hinaus. Vier Wochen vor der Landtagswahl in Thüringen am 27. Oktober liegen die drei Parteien nahezu gleichauf. Dies ergibt sich aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL.

Demnach liegt die Linke von Ministerpräsident Bodo Ramelow derzeit bei rund 25 Prozent, die CDU folgt mit etwa 24 Prozent und die AfD erreicht rund 22 Prozent. Der Stichprobenfehler liegt bei 2,7 Prozent.

Ramelow regiert im fünften Jahr mit einem rot-rot-grünen Bündnis in Erfurt. Doch der SPIEGEL-Umfrage zufolge hat seine Koalition gegenwärtig keine Mehrheit mehr: die Partner erreichen nur knapp 43 Prozent.

Weil Linke und AfD stark sind, ist eine äußerst komplizierte Koalitionsbildung zu erwarten. So hätte etwa die in Sachsen und Brandenburg angestrebte Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen in Thüringen derzeit keine Mehrheit. Und Thüringens CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring hat sowohl eine Koalition mit der Linken als auch der AfD ausgeschlossen.

Die Grünen erreichen in der Umfrage rund neun Prozent, die SPD acht. Die FDP kämpft mit der Fünfprozentmarke. Befragt wurden 3035 Menschen im Zeitraum zwischen dem 2. und 26. September.

Den Rechtspopulisten hat offenbar die neuerliche Debatte um ihren Spitzenkandidaten Björn Höcke vom völkisch nationalistischen "Flügel"-Netzwerk der Partei nicht geschadet. Höcke hatte ein Interview mit dem ZDF wiederholen wollen, weil er nach Angaben seines Sprechers nicht auf die Fragen vorbereitet gewesen sei. Der ZDF-Journalist wies diese Forderung als völlig unüblich zurück, woraufhin Höcke und sein Sprecher das Gespräch nach kurzer Diskussion abbrachen (mehr dazu lesen Sie hier, warum Höcke in seiner Partei an Bedeutung verliert, lesen Sie hier ).

Thüringens CDU will nach fünf Jahren auf der Oppositionsbank in die Regierung zurück. Ziel bei der Landtagswahl sei es, stärkste Partei zu werden und wieder Verantwortung zu übernehmen, sagte CDU-Chef Mike Mohring vor wenigen Tagen. "Die Frage ist, wird Thüringen künftig von den Rändern regiert oder aus der Mitte", so Mohring mit Verweis auf Linke und AfD.

Laut den Umfrageergebnissen in Thüringen verstärkt sich auch dort - wie schon zuvor in den Landtagswahlkämpfen in Sachsen und Brandenburg - die Polarisierung zwischen den Regierungsparteien und der AfD. In Sachsen fiel die seit 1990 regierende CDU auf einen neuen Tiefstand (32 Prozent), die AfD kam auf 27,5 Prozent - ihr bestes Landtagswahlergebnis überhaupt.

In Brandenburg holten die Sozialdemokraten 26,2 Prozent der Stimmen. Die AfD kam mit 23,5 Prozent knapp dahinter auf Platz zwei (2014: 12,2). Die in Brandenburg traditionell schwache CDU fiel mit 15,6 Prozent (2014: 23,0) auf ihr schlechtestes Landesergebnis und rangiert nun - wie schon bei der Europawahl im Mai - hinter der AfD auf Platz drei.

vks
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