Thüringens CDU-Spitzenkandidat Mohring kritisiert fehlende Unterstützung durch Bundespartei

Ende Oktober wählt Thüringen einen neuen Landtag - die Union will stärkste Kraft werden. Doch Spitzenkandidat Mike Mohring sieht sich durch die CDU-Querelen in Berlin geschwächt.

Mike Mohring, CDU-Spitzenkandidat in Thüringen: "Ich hoffe sehr, dass aus Berlin mehr Rückenwind kommt"
Martin Schutt/ DPA

Mike Mohring, CDU-Spitzenkandidat in Thüringen: "Ich hoffe sehr, dass aus Berlin mehr Rückenwind kommt"


Thüringens CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring hat rund sechs Wochen vor der Landtagswahl deutliche Kritik in Richtung der Bundespartei geäußert: "Ich hoffe sehr, dass aus Berlin mehr Rückenwind kommt für die Thüringer Landtagswahlen im Oktober als zuletzt", sagte Mohring den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Vor den Wahlen in Sachsen und Brandenburg sei "nicht alles hilfreich aus Berlin" gewesen.

Als Beispiel nannte Mohring die von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ausgelöste Debatte über einen Parteiausschluss des früheren Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen.

Maaßen gehört der WerteUnion an, einer erzkonservativen Splittergruppe im Umfeld von CDU und CSU. Mit seinen Aussagen provoziert er immer wieder. Zuletzt war ein mögliches Parteiausschlussverfahren Thema.

Maaßen tritt in Wahlkampf auf

Personaldebatten seien fast immer schädlich, zumal "wenn sie eigentlich völlig gegenstandslos sind", sagte nun Mohring. Eine Kritik, die er bereits früher geäußert hatte.

Aber auch Maaßens Reaktion, aus dem sächsischen Wahlkampf auszusteigen, sei nicht hilfreich gewesen. Der Thüringer CDU-Landeschef erwartet, "dass sich solche Debatten in den nächsten acht Wochen nicht wiederholen".

Mohring bestätigte, dass Maaßen auch im Thüringer Wahlkampf auftreten solle. Dies sei bei Hunderten Wahlkampfveranstaltungen aber nichts Außergewöhnliches. Eine Volkspartei lebe davon, dass es verschiedene Meinungen gebe.

Für das starke Abschneiden der AfD bei den Wahlen in Sachsen und Brandenburg machte der CDU-Spitzenkandidat die Große Koalition in Berlin mitverantwortlich. "In der Großen Koalition gehen gute Sachentscheidungen unter, weil sie den Eindruck erweckt, es gehe immer nur um Personal und Posten", sagte Mohring. "Das lehnen die Leute im Osten noch stärker ab als im Rest der Bundesrepublik und wählen dann die Rote Karte."

In Thüringen wird am 27. Oktober ein neues Parlament gewählt. Die jüngste Umfrage vom August sah die Linkspartei von Ministerpräsident Bodo Ramelow vor der CDU und der AfD. Ob Ramelow sein rot-rot-grünes Regierungsbündnis nach der Wahl fortführen kann, ist offen.



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mho/AFP

insgesamt 34 Beiträge
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hausfeen 03.09.2019
1. Selbsterniedrigung ist gerade jetzt die falsche ...
.... Wahllkampfstrategie. Ich halte es mit Lobo, die CDU sollte hart auf der SPD und den Linken herumhacken. OK, und umgekehrt. Dann lernen die Menschen wieder, was demokratischer Disput ist. Die AfD würde ich nicht mal erwähnen. Meine Meinung.
Zuspitze 03.09.2019
2. Mike Mohring
in meinen Augen ein aufrechter (und damit kein rechter) Deutscher und Demokrat. Für einen Wessi mehr als wählbar. Ich würde mir wünschen, dass wir mehr Politiker wie ihn hätten. Im Osten wie im Westen. Glaubwürdigkeit ist bei ihm Programm. Ich hoffe sehr, dass es in Thüringen viele genau so sehen.
lozenz 03.09.2019
3. Wir sehen
nun, wie die Wahlsieger Zwangsbündnisse mit Kleinstparteien anstreben und sich von diesen die Themen diktieren lassen. In Sachsen will eine 8,6 % Partei das Land umkrempeln, um überhaupt einer Koalition zuzustimmen. Das erinnert an die GroKo Verhandlungen zur letzten Bundestagswahl, mit bekanntem Ergebnis. Auch dort haben es die Grünen mit ihren Forderungen übertrieben. Das Ergebnis im Bund ist nun, dass sich die CDU von der SPD am Nasenring durch die Manege ziehen lassen muss und noch so kruden Forderungen nachgibt, um die Zwangs-GroKo nicht zu Fall zu bringen. Die Bürger in Sachsen und Brandenburg haben sich unzweifelhaft für eine konservativere Politik entschieden, nicht für das weiter so, schon gar nicht für die Themen der SPD und nur bedingt für die Grünen, die mit 10 % nun wirklich nicht das Maß der Dinge sind. Wie wird der Bürger reagieren, wenn er schon wieder aus reinem Machterhalt etwas vorgesetzt bekommt, dass er gerade abgelehnt hat? Bis zur Wahl in Thüringen ist noch ein wenig Zeit, zumindest genug, um das Treiben und die Machtspielchen genüsslich beobachten zu können und in die eigene Wahlentscheidung einfließen lassen zu können. Die rote Dominanz dürfte sich in Thüringen erledigt haben. Wer wird dort nach der Wahl das Sagen haben? Dies entscheidet nicht nur der Wähler, sondern auch die jetzt getroffenen Entscheidungen und die Berücksichtigung des Wählerwillens, sonst könnte es zur richtigen Wutwahl werden. Die Entscheidung, nun das Thema Migration komplett aus den Medien zu nehmen, wird daran nicht ändern, denn der Wähler hat diesen ungeschickten Schachzug längst erkannt und andere Möglichkeiten, sich zu informieren. Wenn eine Regierung nur noch mit Beschränkungen der Meinungsfreiheit die eigenen Fehler und Fehlentscheidungen zu überdecken versucht, ist es mit der Demokratie vorbei. Dann wehrt sich der Bürger mit der Wahl der Extremen, wie man sehen kann. Wenn diese Regierung nicht bereit ist, das Hauptthema auf die Tagesordnung zu setzen und eine Diskussion darüber zulässt, wird der Wähler das regeln. In zwei Jahren sind Bundestagswahlen. Wenn bis dahin keine einvernehmliche Lösung zu erkennen ist, könnte es böse werden. Dann werden die Wahlergebnisse jetzt nur nicht als Warnung an die Regierung stehen, denn dann gehen wir in schmissige Zeiten.
streckengeher 03.09.2019
4. Mit Mohring kann man 2019 nur verlieren
Mohring ist ein blasse Figur. Seine Erfolgsaussichten sind gering. Ramelow macht den Job als MP einfach zu gut. Linke hin oder her. Wie die Umfragen zeigen, würde, wenn die Thüringer ihren MP direkt wählen könnten, mit überwältigender Mehrheit Ramelow rauskommen. Wer sich da zu sehr hinter Mohring stellt, kann nur gemeinsam mit ihm verlieren. Wahrscheinlich hat das auch die Bundes-CDU erkannt und hält sich deswegen zurück.
dendro 03.09.2019
5. Baut da schon einer vor?
Haut man nicht immer erst nach der Wahl auf der Bundespartei rum? Und noch einmal, Herr Mohring: Mit Maaßen und AfD-Sprech gewinnt man keine Wahlen, die Leute, die sich davon angesprochen fühlen, wählen das Original. Zeigen Sie bitteschön deutliche Kante gegen rechts. Dann wird auch was mit den Stimmen.
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