Datenanalyse zur Thüringen-Wahl AfD und Linke mobilisieren Nichtwähler

Die Wahlbeteiligung in Thüringen ist so hoch wie lange nicht mehr - davon profitiert vor allem die AfD. Auch die Linke überzeugt Zehntausende Nichtwähler, während die CDU nach rechts und links verliert. Die Analyse.
Wahllokal in Erfurt: Die großen Gewinner sind Linke und AfD

Wahllokal in Erfurt: Die großen Gewinner sind Linke und AfD

Foto: Robert Michael/dpa

Für Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Die Linke war es ein erfolgreicher Abend. Hochrechnungen zufolge kommt die Partei auf 31,0 Prozent - ein Rekordergebnis. Erstmals ist sie stärkste Kraft in einem Bundesland.

Ramelow sprach von einem klaren Regierungsauftrag für seine Partei, den er "auch annehmen" werde. Allein: Die Regierungsbildung dürfte nach jetzigem Stand kompliziert werden.

Wer gewann Stimmen von der Konkurrenz, wer überzeugte Nichtwähler? Der Überblick.

Die Linke konnte 47.000 frühere Nichtwähler mobilisieren. Zudem jagte sie der CDU 19.000 Wählerstimmen ab. Das geht aus einer Analyse der vorläufigen Wählerwanderung von Infratest dimap für die ARD hervor (Stand: 20.30 Uhr am Wahltag). Auch ihren Koalitionspartnern nahm die Partei Stimmen weg: 17.000 der SPD und 8000 den Grünen.

Die Wahlbeteiligung war so hoch wie seit 25 Jahren nicht mehr. Rund 65 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab - gut zwölf Prozentpunkte mehr als vor fünf Jahren.

Noch mehr als die Linke profitierte davon die AfD: Sie mobilisierte rund 77.000 Nichtwähler und nahm zudem allen anderen bisher im Landtag vertretenen Partei Stimmen weg: die meisten davon der CDU (36.000) und der Linken (17.000). Zudem wählten 7000 Bürger, die zuvor für die SPD gestimmten hatten, sowie 1000 einstige Grünen-Wähler die AfD. Auch 15.000 frühere Wähler anderer Parteien stimmten für die Rechtspopulisten.

Die CDU verlor nicht nur an die AfD Stimmen, sondern auch an die Linkspartei (20.000) und an die Grünen (5000). Die Christdemokraten mobilisierten 31.000 Nichtwähler. Die SPD überzeugte 13.000 bisherige Nichtwähler. Die Sozialdemokraten verloren allerdings auch an Linke, CDU und AfD. Die Grünen jagten der CDU die meisten Stimmen ab (5000). Sie mobilisierten auch 3000 Nichtwähler. Neben der Linken und der AfD verlor die Partei auch an bisher nicht im Landtag vertretene Parteien: 2000 Stimmen.

Die Analyse der vorläufigen Wählerwanderung von Infratest dimap für die ARD wies am Wahlabend keine gesonderten Werte für die FDP aus. Die Liberalen waren in der vergangenen Legislaturperiode nicht im Thüringer Landtag vertreten.

Interessant ist der Blick auf das Wahlverhalten in verschiedenen Altersgruppen. Bei Wählern unter 25 Jahren lag die AfD vorn: In dieser Gruppe holte sie 23 Prozent der Stimmen. Damit lag sie knapp vor der Linken (22 Prozent). Die CDU holte hier 15 Prozent der Stimmen, die Grünen 14 Prozent. Die Liberalen kamen auf sieben, die SPD auf fünf Prozent. Auch in allen anderen Altersgruppen unter 60 lag die AfD jeweils vorn.

Nur in der Wählergruppe "60 und älter" war die Linkspartei mit 38 Prozent der Stimmen klar die Nummer eins. Sie lag deutlich vor der Union (25 Prozent), der AfD (18 Prozent) und der SPD (elf Prozent). Die FDP holte vier, die Grünen drei Prozent bei den Wählern über 60.

Betrachtet man das Wahlverhalten von Frauen und Männern, zeigt sich eine Auffälligkeit, die schon bei der Bundestagswahl 2017 sowie bei anderen Landtagswahlen zu beobachten war: Die AfD wählen deutlich mehr Männer (29 Prozent) als Frauen (18 Prozent).

Bei allen anderen Partei ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern deutlich ausgeglichener. Die FDP holt sowohl unter Frauen als auch unter Männern fünf Prozent der Stimmen. Linke, CDU, SPD und Grüne erzielten allesamt unter Frauen ein etwas besseres Ergebnis.

Bei der Bildung zeigt sich vor allem bei der AfD und bei den Grünen eine Diskrepanz. Die AfD holt bei Wählern mit einem einfachen Bildungsgrad 27 Prozent, bei solchen mit einem hohen 16 Prozent. Die Grünen holen in der ersteren Gruppe drei Prozent der Stimmen, neun Prozent in der Letzteren.

Auch die FDP kommt bei Wählern mit hohem Bildungsgrad auf mehr Stimmen (sechs Prozent) als bei Wählern mit einfachem Bildungsgrad (zwei Prozent). Bei den Linken, den Christ- und den Sozialdemokraten ist das Verhältnis deutlich ausgewogener.

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