Karten zur Thüringen-Wahl Linke, CDU und AfD - wo die Parteien besonders stark sind

Die Linke gewinnt die Thüringen-Wahl, liegt mancherorts aber nur knapp vor der Konkurrenz. Wo die CDU ihre Hochburgen halten konnte und wo die AfD dominiert - der Überblick in Karten.

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Der Sieg der Linken bei der Landtagswahl in Thüringen zieht sich quer durch das Bundesland: In 38 der 44 Wahlkreise wurde die Partei von Ministerpräsident Bodo Ramelow stärkste Kraft. In vier Wahlkreisen lag nach vorläufigem Ergebnis die CDU vorn, in zweien dominierte die AfD.

Am stärksten schnitt die Linke in den Städten ab, in einzelnen Wahlkreisen lag sie nur knapp unter 40 Prozent. In Erfurt, Jena, Weimar, Nordhausen und Suhl war ihr Abstand vor den Mitbewerbern besonders hoch. In Jena etwa kam die Partei auf gut 37 Prozent der Zweitstimmen und lag mehr als 20 Prozentpunkte vor der Konkurrenz. Im ländlichen Raum schnitt die Linke schwächer ab, im nordwestlichen Landkreis Eichsfeld mit seinen zwei Wahlkreisen kam sie nur auf rund 15 Prozent der Stimmen.

Dort konnte hingegen die CDU punkten. Die Region ist stark katholisch geprägt - eine historische Besonderheit in Ostdeutschland. Hier erzielte die Partei einen zum Teil fast doppelt so hohen Stimmenanteil wie im Landesschnitt: Im Wahlkreis Eichsfeld I kam sie auf mehr als 40 Prozent. Die Christdemokraten wurden außerdem nordöstlich von Weimar und in Teilen des westlich gelegenen Wartburgkreises stärkste Kraft. Auf Ergebnisse deutlich unter 20 Prozent kam die CDU in den Städten Erfurt, Jena und Gera.

Die AfD wurde zwar nur in zwei Wahlkreisen stärkste Kraft. Doch in gleich 30 Wahlkreisen kam sie auf Platz zwei, mancherorts lag sie nur wenige Hundert Stimmen hinter der Linken. In ein paar Wahlkreisen verfehlte die Partei die 30-Prozent-Marke nur knapp, so im Landkreis Gera und in Teilen des Altenburger Landes, des Saale-Orla-Kreises und im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.

Die übrigen Parteien wurden in keinem Wahlkreis stärkste Zweitstimmenkraft. Die SPD holte ihr bestes Ergebnis in und um Gotha, der Stadt, in der sich 1875 die SPD-Vorläuferorganisationen vereinigten. (Warum die SPD in Gotha so stark ist, lesen Sie hier.) Der Wahlkreis Gotha II war auch der einzige, in dem die SPD mit Kandidat Matthias Hey ein Direktmandat gewinnen konnte.

Die Grünen sind traditionell in den Städten stark. Sie schnitten an den Hochschulstandorten Erfurt, Jena, Weimar und Ilmenau am besten ab und erzielten dort in mehreren Wahlkreisen zweistellige Ergebnisse. In 34 der 44 Wahlkreise kamen die Grünen auf weniger als fünf Prozent, am schwächsten waren ihre Ergebnisse im Südosten und Nordosten Thüringens.

Bei der FDP ist die Spanne zwischen starken und schwachen Wahlkreisen kleiner als bei anderen Parteien. Die Liberalen liegen vielerorts um die fünf Prozent. Ihre besten Werte holte die Partei in Jena mit gut sieben Prozent. Im Südwesten Thüringens waren die Liberalen tendenziell schwächer.



insgesamt 21 Beiträge
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Kanalysiert 28.10.2019
1. Das Ende des Wandels ist noch nicht erreicht.
Und wenn die Mieten weiter so steigen, der Niedriglohnsektor nicht verringert wird und die Löhne mit den Entwicklungen nicht standhalten....wird die Linke auch woanders noch zulegen. Die Misere der einstmals großen Parteien ist hausgemacht durch eine unsoziale Politik. Selbst schuld. Wer sich nur noch um die nächsten Wahlen und das auch meist nur kurz davor schert, und Sätze wie "da muss man was machen" von sich gibt, dann aber nichts macht, außer Kommissionen zu bilden und dann ergebnislos ein "weiter so" zu propagieren, wird auf Dauer noch mehr Verluste erleiden.
j.polz 28.10.2019
2. Das war schon immer und überall so
in ländlichen Gebieten haben konservative Parteien regelmäßig bessere Ergebnisse. Ob das daran liegt, daß viele Äcker zu Bauland und somit wirtschaftlichen Wohlstand wurden, die Menschen religiöser geprägt sind oder dort einfach weniger passiert, kann mal dahingestellt bleiben und Deutschland ist da keine Ausnahme. In den USA wählt die ländliche Bevölkerung die Republikaner und Donald Trump und in der Türkei die AKP und Erdogan. Eine Ausnahme von diesem Muster ist mir noch nicht aufgefallen.
biber01 28.10.2019
3. *j.polz
Die Menschen hängen an dem Land, auf dem sie leben, viele sind in starke dörfliche Gemeinschaften eingebunden. Bodenständigkeit ist hier sehr ausgeprägt. Veränderungen gegenüber ist man vorsichtig, dafür oftmals stark dem Brauchtum u. den Traditionen verbunden. Zumindest hier im ländlichen Westfalen, in dem ich lebe.
greg1966 28.10.2019
4. Das Gesamtbild d letzten Landtagswahlen...
Das die ländlichen Gegenden konservativer wählen, ist egal wo, immer so. Jedoch muss die Nachricht an CDU + SPD inzwischen angekommen sein. Man muss sich keine Hoffnung mehr machen, daß die GROKO'ler einfach nicht verstanden haben (Mieten Explosion, Billiglöhne, Verarmung, Zerstörung Mittelschicht, unregulierte Zuwanderung). Jetzt ist einfach klar, Sie wollen nicht verstehen, wegen der unge-checkten Einflussnahme vieler reicher Interessengruppen. Die Definition im Duden über "Korruption", ist sehr klar und verständlich.
citi2010 28.10.2019
5.
Das Problem der ehemaligen Volksparteien SPD und CDU zeigt sich im (ehemaligen) Staatsunternehmen DEUTSCHE BAHN. Hier können unfähige aber gewiefte Manager und Alt-Politiker unverschämte Gehälter und Boni verdienen, während das Personal kaputt gespart wird.
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