Thüringens Ministerpräsident Althaus Der ewige Junge

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2. Teil: Der Hauptvorwurf gegen Althaus aus den eigenen Reihen: Er kommuniziere zu wenig


Nur, das ist es nicht, was ihm in Thüringen zu schaffen macht. Die Intellektuellen in Weimar, die Gutverdiener in Jena, die Bürokraten in Erfurt - denen kann er es ohnehin nicht recht machen. Aber draußen, im Thüringer Wald, im Osten des Landes oder in seiner nördlichen Eichsfelder Heimat, da liebte man bisher "unseren Dieter". Der Hauptvorwurf gegen Althaus: Seine Politik werde entweder schlecht vermarktet - oder gar nicht. "Unsere Erfolge werden im Land nicht wahrgenommen", sagt ein erfahrener CDU-Landtagsabgeordneter, insbesondere in der Familienpolitik. Althaus widerspricht: "Das kann ich nicht erkennen." Auch dem Vorwurf, er sei ausschließlich von Ja-Sagern umgeben und lasse keinen Widerspruch mehr zu. "Mein Stil war schon immer, dass ich die Perspektive wechsle und erst dann entscheide."

Ob dazu auch gehört, dass man Zwänge als souveräne Entscheidungen verkauft?

Die jüngste Kabinetts-Umbildung, in deren Zuge sechs Ministerien und der Fraktionsvorsitz neu besetzt wurden, will Althaus als "geplanten Überraschungs-Coup" verstanden wissen. Dabei war die Rochade nötig geworden, weil der Innenminister hinschmiss und der Justizkollege aus Krankheitsgründen ausfiel. Und es soll noch andere Nöte gegeben haben: Weil Althaus unbedingt den erfolgreichen Partei-Organisator Andreas Minschke mit Blick auf die Wahl 2009 zum Landesgeschäftsführer machen wollte, der sich aber nicht mit dem bisherigen Generalsekretär Mike Mohring versteht, musste für Letzteren ein neues Amt gefunden werden. Mohring, wohl das größte Talent der Thüringer CDU, wurde Fraktionschef - und so zuckelte das Folge-Karussell weiter. Die Fast-Berufung des CDU-Abgeordneten Peter Krause zum Kultusminister, der für mehrere rechtslastige Medien gearbeitet hatte, sorgte schließlich für einen überregionalen PR-Gau: Krause zog entnervt zurück.

"Natürlich hätte man das besser kommunizieren können", sagt Thomas Reiter. Und natürlich müsse sich am Bild der Regierung etwas ändern. Auch die Partei, nach 18 Jahren Regierung träge geworden, soll aufgerüttelt werden. Daran will Reiter mithelfen, vor allem aber bei der Planung und Durchführung des Landtags-Wahlkampfes. "Strategische Kommunikation, CDU-Landesverband Thüringen" steht auf seiner Visitenkarte. Während des Niedersachsen-Wahlkampfes war Reiter Sprecher von Christian Wulff, nun soll er dessen Erfolg nach Thüringen tragen.

Auch er kennt die Umfragen - aber Reiter glaubt zu wissen, wie Althaus weiterhin Ministerpräsident bleiben kann. "Unter anderem werden wir die Systemfrage stellen", sagt er. Hier die CDU, die Fortschrittlichen, dort die linken Parteien, die Ewig-Gestrigen. Althaus aber, der soll nach Reiters Vorstellung über allem schweben, als "für alle Thüringer wählbarer Ministerpräsident". Niemand repräsentiere das "Thüringische" so gut wie der Regierungschef.

Der sieht sich ohnehin als Mann des Volks. "Wenn ich bei den Leuten bin, erzählen sie mir, was sie denken", sagt er. Nicht nur zuhause im katholischen Eichsfeld, überall im Land. Da sei keine Distanz, keine Entfremdung.

51 wird Dieter Althaus wahrscheinlich sein, wenn nächstes Jahr gewählt wird, der Termin steht noch nicht ganz fest. Kein Alter, um abzutreten. Aber verlassen wird er sich darauf nicht können.



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