Tibet-Konflikt Dalai Lama lobt Gespräche mit China

Entspannung zwischen China und Tibet? Der Dalai Lama hat sich im SPIEGEL-Gespräch positiv über den Dialog mit Unterhändlern aus Peking geäußert. Die Unterredungen seien "respektvoll" verlaufen. Dennoch rief das Oberhaupt der Tibeter Deutschland auf, den Druck auf China aufrechtzuerhalten.


Hamburg - Sie haben an einem Tisch gesessen - Vertraute des Dalai Lama und Unterhändler aus China. Und das Oberhaupt der Tibeter bewertet die Gespräche überraschend positiv: Beide Seiten hätten die Bereitschaft gezeigt, zur Bewältigung der bestehenden Probleme eine "gemeinsame Vorgehensweise zu erreichen", sagte der Dalai Lama im SPIEGEL-Gespräch.

Der Dalai Lama: "Respektvolle" Gespräche mit chinesischen Unterhändlern
AP

Der Dalai Lama: "Respektvolle" Gespräche mit chinesischen Unterhändlern

Diese Bereitschaft sei auch keineswegs nur abstrakt, es habe bereits "konkrete Vorschläge" für die nächste formelle Gesprächsrunde gegeben, die beide Seiten fest vereinbart haben. Bisher seien die Unterredungen in angenehmer Atmosphäre, "nicht aggressiv, sondern respektvoll" verlaufen.

Dass es diese ersten Kontakte nach den Aufständen der Tibeter im März überhaupt gegeben hat, schreibt der Gottkönig im Exil der Sorge der Chinesen um die Olympischen Spiele und dem internationalen Druck zu. "Ich kann nur jede freie Gesellschaft, gerade auch Deutschland, ermutigen, diesen Druck weiter aufrechtzuerhalten."

Der Dalai Lama übte aber auch Kritik an China: Eine Woche vor seinem Besuch in Deutschland fordert das geistliche Oberhaupt der Tibeter die Pekinger Herrscher heraus, entweder ihre Vorwürfe gegen seine Person zu belegen oder endlich einen Verständigungskurs einzuschlagen. Wenn die Pekinger Führung weiterhin davon überzeugt sei, dass er, der Dalai Lama selbst, die Menschen in Lhasa aufhetze, "sollten sie nach Oslo gehen und dafür sorgen, dass mir der Friedensnobelpreis aberkannt wird".

Weil der Dalai Lama bei seinem Deutschland-Besuch auch mit Politikern zusammentreffen wird, befürchtet er neuen politischen Zwist zwischen Peking und Berlin. "Hoffentlich halten sich die chinesischen Proteste diesmal in Grenzen", wünscht er den Deutschen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) werden den Dalai Lama bei seinem Deutschland-Besuch allerdings nicht treffen. Merkel ließ sich wegen ihrer Ende kommender Woche beginnenden Lateinamerika-Reise entschuldigen. Das Außenministerium teilte ohne diplomatischen Hinweis mit, dass im Rahmen des Dalai-Lama-Besuchs "kein Treffen mit dem Bundesaußenminister geplant" sei.

Das ausführliche Gespräch mit dem Dalai Lama lesen Sie im neuen SPIEGEL.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.