Tiergarten-Mord BND und LKA sorgen sich um Sicherheit von mutmaßlichem Täter

Der mutmaßliche Täter im Fall des Tiergarten-Mordes ist laut Medienberichten in ein anderes Gefängnis verlegt worden. Demnach gibt es Hinweise darauf, dass Russland den Mann gezielt töten lassen wolle.
Der mutmaßliche Täter soll nun in einem Sicherheitstrakt der Justizvollzugsanstalt Tegel einsitzen

Der mutmaßliche Täter soll nun in einem Sicherheitstrakt der Justizvollzugsanstalt Tegel einsitzen

Foto: Paul Zinken/ picture alliance / Paul Zinken/dpa

Nach dem Mord an einem Georgier im Berliner Tiergarten fürchten Bundesnachrichtendienst und LKA offenbar um die Sicherheit des mutmaßlichen Auftragskillers. Wie die Tagesschau  berichtet, ist der Verdächtige Vadim Krasikov in eine andere Haftanstalt verlegt worden. Der Grund: Der Bundesnachrichtendienst hat offenbar einen Hinweis erhalten, dass Krasikov in der Haft gezielt getötet werden soll.

Demnach soll der Auftrag zum Mord an Krasikov von der gleichen Stelle in Russland erfolgt sein, die auch den Mord an dem Georgier verfügt haben soll - aus Sorge, Krasikov könne Details über die Tat verraten.

Die Berliner Zeitung "Morgenpost " hatte zuvor berichtet, das LKA fürchte um die Sicherheit des mutmaßlichen Mörders. Deshalb sei er von der Haftanstalt Moabit in einen besonders gesicherten Teil des Gefängnisses Tegel verlegt worden. Offiziell wollte sich aber niemand zu dem Fall äußern.

Der Georgier Zelimkhan Khangoshvili war Ende August im Kleinen Tiergarten in Berlin am helllichten Tag von einem Mann auf einem Fahrrad erschossen worden. Kurze Zeit später wurde Krasikov als mutmaßlicher Täter festgenommen. Inzwischen hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen in dem Fall übernommen.

Krasikov reiste unter falscher Identität ein

Khangoshvili hatte im zweiten Tschetschenienkrieg gegen Russland gekämpft. Später arbeitete er jahrelang als Informant und Vermittler für georgische und ukrainische Antiterrorbehörden. Auch US-Dienste profitierten wohl von seinen Kontakten in die schwer zugängliche Kaukasusregion. Nach andauernden Bedrohungen und einem Attentat auf ihn war er zunächst in die Ukraine und später nach Deutschland geflohen. Sein Antrag auf Asyl wurde jedoch abgelehnt.

Der mutmaßliche Täter war Ende August mit Ausweispapieren in die EU eingereist, die ihn als Vadim Sokolov, 49, auswiesen. Der SPIEGEL und seine Kooperationspartner Bellingcat, The Dossier Centre und The Insider hatten schon kurz nach dem Mord aufgedeckt, dass Krasikov offenbar unter falscher Identität eingereist war. Tatsächlich ist er beispielsweise 54 Jahre alt.

Deutschland wiest russische Geheimdienstmitarbeiter aus

Der Mord ist zu einem Politikum geworden. Die Ermittler verdächtigen Russland, die Tat beauftragt zu haben. Deutschland hat deshalb zwei russische Geheimdienstmitarbeiter mit sofortiger Wirkung ausgewiesen. Sie waren bislang offiziell als Diplomaten bei der Botschaft akkreditiert.

In einer ersten Reaktion hieß es aus Moskau, die Ausweisungen seien "unfreundlich und unbegründet".

mfh