Getöteter Georgier in Berlin Prozess um Tiergarten-Mord beginnt im Oktober

Anfang Oktober soll in Berlin der Prozess zu dem Mord an einem tschetschenischen Exilgeorgier starten. Die Bundesregierung sieht eine Beteiligung Russlands an dem Verbrechen.
Ein Polizeibeamter sichert den Tatort im Kleinen Tiergarten

Ein Polizeibeamter sichert den Tatort im Kleinen Tiergarten

Foto: Christoph Soeder / dpa

Gut ein Jahr nach dem Mord an einem Georgier im Berliner Kleinen Tiergarten soll am 7. Oktober der Prozess gegen den Tatverdächtigen beginnen. Dem 55-jährigen Russen werden Mord und ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen, teilte eine Sprecherin des Gerichts mit.

Im August des vergangenen Jahres wurde der 40-jährige Zelimkhan Khangoshvili, ein Georgier mit tschetschenischen Wurzeln, in dem Park nahe dem Regierungsviertel aus nächster Nähe von einem Fahrrad aus erschossen. Der tatverdächtige Russe Vadim Krasikov wurde noch am selben Tag festgenommen, nachdem Jugendliche ihn dabei beobachtet hatten, wie er kurz nach der Tat in einem Gebüsch verschwand und danach sein Fahrrad und einen Beutel in der Spree versenkte. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Auftrag von "staatlichen Stellen"

Der sogenannte Tiergartenmord hatte eine Krise in den deutsch-russischen Beziehungen ausgelöst. Die Bundesanwaltschaft hatte Mitte Juni Anklage erhoben und geht davon aus, dass "staatliche Stellen" in Russland den Mord in Auftrag gegeben hatten. Der mutmaßliche Täter Krasikov soll für den Auftrag am 17. August 2019 zunächst von Moskau nach Paris und später über Warschau nach Berlin gereist sein.

Der Getötete hatte im zweiten Tschetschenien-Krieg gegen russische Kräfte gekämpft. Später arbeitete er für georgische Sicherheitsbehörden und in der Ukraine weiterhin gegen russische Interessen. Er hatte vor seinem Tod bereits einen Mordanschlag überlebt.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat in der Vergangenheit eine Beteiligung Russlands an dem Mord zurückgewiesen. Allerdings bezeichnete er Khangoshvili nach dessen Tod als "Banditen".

Die Bundesregierung hatte Russland im Dezember fehlende Kooperation bei der Aufklärung des Mordes vorgeworfen und deshalb zwei russische Diplomaten ausgewiesen. Moskau hatte mit der Ausweisung zweier deutscher Diplomaten reagiert. Vor wenigen Wochen bezeichnete Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) die russische Seite erneut als unkooperativ.

Der Fall soll vor dem 2. Strafsenat des Kammergerichts verhandelt werden, der für Staatsschutzsachen zuständig ist. Für den Prozess sind 25 Verhandlungstermine bis zum 27. Januar 2021 festgesetzt.

jak/afp/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.