Tödlicher Crash in Mali Falsch eingestellter Autopilot leitete "Tiger"-Sturzflug ein

Neue Erkenntnisse über den Absturz eines "Tiger"-Helikopters in Mali: Nach SPIEGEL-Informationen hat eine falsche Einstellung des Autopiloten den Crash eingeleitet. Die Piloten hatten keine Chance.
"Tiger"-Hubschrauber in Mali (Archivbild)

"Tiger"-Hubschrauber in Mali (Archivbild)

Foto: Britta Pedersen/ picture alliance / Britta Pedersen/dpa

Der Unfall eines "Tiger"-Helikopters in Mali im Sommer 2017 wurde nach SPIEGEL-Informationen durch eine falsche Einstellung des Autopiloten ausgelöst, der das Höhenruder des Fliegers kontrollierte. Das Verteidigungsressort unterrichtete am Dienstag den Verteidigungsausschuss über die neuen Erkenntnisse. Am Mittwoch soll in der Sitzung des Gremiums der verantwortliche General Flugsicherheit weitere Auskunft geben.

Laut der Unterrichtung, die dem SPIEGEL vorliegt, haben die Ermittler bei der Unglücksmaschine eine "auffällige Abweichung im Längssteuer" festgestellt, das beim Unglücksflug durch den Autopiloten gesteuert worden ist. Vereinfacht gesagt steuerte der Autopilot den "Tiger" zunächst steil in die Tiefe und schaltete sich dann ab. Die beiden Piloten hatten laut dem Bericht keine Chance mehr, den Helikopter manuell nach oben zu ziehen.

Der "Tiger" der Bundeswehr war Ende Juli bei einem durch den Autopiloten gesteuerten Flug zu einem Uno-Einsatz in Mali nahe Gao bei rund 250 Stundenkilometern urplötzlich mit der Nase nach vorne gekippt und mit voller Geschwindigkeit aus 500 Metern Höhe zu Boden gerast. Während des Sturzflugs wurden "die Belastungsgrenzen des Luftfahrzeuges überschritten", so das Schreiben, folglich flogen die Rotorblätter vor dem Einschlag ab.

In dem Schreiben wird nun deutlich, dass offenbar die spezielle Softwareeinstellung des Autopiloten bei der Unglücksmaschine den Crash auslöste. Grundsätzlich steuert der Autopilot bei thermischen Effekten wie Turbulenzen oder Luftlöchern das Höhenruder so aus, dass der Helikopter die gleiche Höhe behält ohne dass die Piloten eingreifen müssen. Dieses automatische Fliegen auch bei hohem Tempo hatte der Hersteller ausdrücklich erlaubt.

Dramatische letzte Sekunden

Bei dem betroffenen "Tiger", so der neue Bericht, sei der "normalerweise verfügbare Steuerweg in der Nickachse" allerdings erheblich eingeschränkt gewesen. Folglich steuerte der Autopilot mit dem "Steuerausschlag ganz vorne" in einen "unkontrollierten steilen Sturzflug". Besonders fatal: Nach dem Steuerbefehl schaltete sich das System ab, die Piloten wurden allerdings weder durch ein akustisches oder anderes Signal gewarnt.

In nüchternen Worten beschreibt der Bericht die dramatischen letzten Sekunden der Crew: Man müsse davon ausgehen, dass die beiden sehr erfahrenen Piloten von dem Manöver des Autopiloten völlig überrascht wurden. Im Sturzflug aber, der massive negative G-Kräfte auf sie wirken ließ, hätten sie keinerlei Möglichkeit mehr gehabt, gegenzusteuern, um den Absturz noch abzuwenden.

Die neuen Erkenntnisse werfen viele Fragen auf. So untersuchte die Bundeswehr alle anderen "Tiger"-Helikopter auf die fatale Fehljustierung der Autopiloten-Software. Bei keinem anderen Modell der Truppe aber wurde eine ähnliche Einstellung gefunden. Folglich bleibt offen, wer den betroffenen Helikopter so eingestellt hat und ob dies durch den Hersteller oder durch Wartungspersonal der Bundeswehr getätigt wurde.

Airbus veröffentlichte Warnmeldung

Die Bundeswehr hatte nach dem Crash die Benutzung des Autopiloten für alle "Tiger" bereits massiv eingeschränkt und Limits für Höhe und Tempo erlassen. Airbus hat seinerseits eine Warnmeldung herausgegeben, laut dieser müssen die Piloten auch beim automatisierten Flug beide Hände am Steuer behalten, um mögliche Fehlfunktionen wie in Mali durch ein Gegensteuern abfangen zu können.

Für Airbus Helicopters, den Hersteller des "Tiger", sind die neuen Erkenntnisse schmerzhaft. Das hochkomplexe System des Autopiloten ist ein Herzstück des Kampfhelikopters, weil er den Piloten mehr Freiraum für das Bedienen der diversen Waffensysteme an Bord geben soll. Wer auch immer schuld an der falschen Einstellung bei der Unglücksmaschine ist - auf dem Modell "Tiger" liegt seit dem Crash ein sehr dunkler Schatten.

Die Grünen mahnten vom Verteidigungsressort eine stringente Aufklärung des Vorfalls an. "Auch dieser Bericht zum Hubschrauberabsturz bringt nicht wirklich mehr Klarheit, die genaue Ursache für den tragischen Tod der zwei sehr erfahrenen Hubschrauberpiloten muss weiter sorgfältig aufgeklärt werden", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Agnieszka Brugger. Die Grünen, so Brugger, wollen nun im Verteidigungsausschuss auf weitere Details drängen.

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