Til Schweigers Flüchtlingsstiftung "Das klingt jetzt ein bisschen kitschig"

Früher fand Til Schweiger Politiker doof, nun spannt er SPD-Chef Sigmar Gabriel für seine Stiftung für Flüchtlingskinder ein. In Berlin werben die beiden für das Projekt - auch die Kanzlerin wäre Schweiger willkommen.

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Es ist natürlich ein bisschen schade, dass Sigmar Gabriel jetzt nicht in einem dieser modisch geschnittenen, dunkelblauen T-Shirts erschienen ist. Til Schweiger trägt so ein Shirt, auf dem Rücken und an der Seite ist sehr dezent das Symbol der neuen Stiftung aufgedruckt, die an diesem Tag präsentiert wird: Til Schweiger Foundation. Aber man sollte sich als Politiker dann wohl doch nicht bis ins Letzte gemein machen mit einer guten Sache.

Gabriel und Schweiger sitzen Seite an Seite auf dem Podium in der Berliner Kulturbrauerei, neben ihnen Rita Süssmuth, Schauspieler Jan Josef Liefers, Musiker Thomas D und ARD-Manager Thomas Schreiber. Sie alle sind Mitglieder im Beirat von Schweigers neuer Stiftung. Sie soll sich um benachteiligte Kinder in unserer Gesellschaft kümmern, der aktuellen Lage wegen zunächst um Flüchtlingskinder.

Der SPD-Chef wirkt beinahe frisch neben dem Schauspieler und Produzenten. "Ich bin fix und fertig", sagt Schweiger. Erst in der Nacht ist er aus Moskau zurückgekehrt, wo sein Kino-"Tatort" fertig gedreht wurde. Er ist auf dem Weg in den Urlaub, quasi mit letzter Kraft schiebt er jetzt noch die Stiftung ins Licht der Öffentlichkeit.

Das Symbol, das wie eine Acht mit einem Herz im oberen Teil aussieht, stehe für "Never ending love - auch wenn das jetzt ein bisschen kitschig klingt", sagt Schweiger. Man könne es aber auch als "Schweißtropfen oder Träne" verstehen, das sei der Fantasie jedes Einzelnen überlassen. Es geht jedenfalls um viel Arbeit, die sich die Stiftung vorgenommen hat und jede Menge Emotionen.

Schweiger: "Mit heißer Nadel gestrickt"

Erst am 21. August wurde die Stiftung gegründet, am 10. September vom Finanzamt anerkannt - "die Pressekonferenz ist genauso mit heißer Nadel gestrickt", sagt Schweiger. Dafür ist die Veranstaltung perfekt organisiert, was Gabriel sicher als positive Erfahrung mitnehmen wird. Denn es geht in der Kulturbrauerei auch darum, was man eigentlich voneinander lernen kann bei der gemeinsamen Arbeit für die Stiftung, Künstler und Politiker.

Also, Herr Schweiger? "Sag jetzt bloß nichts Falsches", raunt ihm Gabriel im Spaß zu, als die Frage gestellt wird. Früher habe er gedacht, sagt Schweiger, "Politiker sind die Leute, mit denen in der Schule keiner spielen wollte". Das sieht er inzwischen anders. Gabriel gehöre jedenfalls zu den Politikern, "die mir Respekt einflößen", sagt Schweiger.

Vielleicht auch deshalb, weil sich der Vizekanzler und Deutschlands erfolgreichster Filmemacher ziemlich ähnlich sind. "Eine Mischung aus Emotionalität und Rationalität" sehe er bei Schweiger, sagt ARD-Mann Schreiber. Besser kann man auch Gabriel wohl nicht beschreiben. Und genau wie der Schauspieler tappt der Vizekanzler gerne mal ins Fettnäpfchen, wenn er wieder spontan von einer Idee oder Aktion beseelt ist.

Pläne für Osterode noch nicht aufgegeben

Schweiger hat das zuletzt mit der ehemaligen Kaserne im niedersächsischen Osterode erlebt: Gemeinsam mit zwei Partnern wollte er daraus ein Flüchtlingsheim machen, doch das Gelände ist stark umweltbelastet, die Kosten und Auflagen scheinen uferlos. "Ich bin ja ziemlich gegrillt worden", sagt Schweiger zu den Reaktionen auf seine Pläne in Osterode. "Aber noch geben wir den Traum nicht auf." Ansonsten engagiere man sich bereits für Flüchtlingskinder in Hamburg und Osnabrück.

Der Schauspieler sieht das so: "Immer das Schlechte sehen, das ist so eine deutsche Eigenheit." Das dürfte dem SPD-Chef, jedenfalls aus seiner eigenen Partei, bekannt vorkommen.

So entspannt hat man Gabriel jedenfalls lange nicht öffentlich erlebt. Er wolle der Stiftung helfen, "institutionelle Hürden zu überwinden", sagt er. Viel Geld, da kann Schweiger den Vizekanzler beruhigen, erwartet er von ihm nicht. "Die Lasten im Beirat sollen sozial verteilt werden", sagt er mit Blick auf die unterschiedliche Finanzkraft der Beiräte. Darin sitzen auch noch Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner und Fußball-Bundestrainer Joachim Löw. Und Schweiger kündigt an, betteln zu gehen. "Wir werden euch alle besuchen", sagt er, an die Wirtschaft gerichtet.

Nur am Ende wird es doch noch ein klein bisschen schmerzhaft für Gabriel - da lobt Schweiger die Kanzlerin. Was er denn davon halte, wie Angela Merkel in der Flüchtlingskrise agiere, wird der Schauspieler gefragt. Sie habe zwar zu lange gebraucht, um zu reagieren, sagt der: "Aber wie sie sich jetzt positioniert, dafür hat sie meinen tiefen Respekt, da sage ich einfach nur: Chapeau."

Und deshalb, sagt Schweiger, auch wenn der Stiftungsbeirat eigentlich gut besetzt sei: "Wenn die Merkel anruft, werden wir nicht sagen: 'Oh, wir sind schon voll'."

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Seite 1
surry 17.09.2015
1. Da kann ich nur sagen:
Schuster bleib bei Deinen Leisten!
lullylover 17.09.2015
2. Ach,
machte er seinen Namen zum Programm! Das ist ja allenfalls für Kerner auszuhalten.
horneburg 17.09.2015
3. Die nerven
alle beide
appel&ei 17.09.2015
4. zynisch ...
... dieses eine wort beschreibt das handeln dieses herren wohl am besten.
pmeierspiegel 17.09.2015
5.
ist das alles verlogen und peinlich. da werden millionen menschen per gez zwangsabgezockt - immerhin beachtliche 8mrd euro im jahr , wandern auch ins säckel vom tatortmann schweiger . der gute mann wohnt in der feinen hamburger gegen , wo sich niemals die probleme so kumulieren wie in den sozialen brennpunkten. da kann man herrlich schwadronieren ...
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