AfD-Chef im Krankenhaus Ermittler haben keine Hinweise auf Angriff gegen Chrupalla
AfD-Veranstaltung in Ingolstadt am 4. Oktober (rechts eine Gegendemonstration)
Foto: News5 / dpaEin geplanter Wahlkampfauftritt Tino Chrupallas fand ein Ende, bevor er richtig begonnen hatte: Der AfD-Chef klagte bei der Veranstaltung am Mittwoch über Übelkeit, Krämpfe und Schwindel und wurde ins Krankenhaus gebracht, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen unbekannt. Nun haben die Behörden über ihre bisherigen Erkenntnisse informiert.
Demnach machten mehrere Personen bei der Veranstaltung Selfies mit Chrupalla. Dabei sei es zu leichtem Körperkontakt gekommen, heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft und des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Wie der SPIEGEL aus Ermittlerkreisen erfuhr, soll es unter anderem im rückwärtigen Bereich der Bühne zu einer »Selfie-Situation« gekommen sein. Chrupalla habe sich mit zwei jungen Männern fotografieren lassen.
Kurz darauf habe der Politiker erklärt, Schmerzen am rechten Oberarm zu verspüren. Zunächst soll er gegenüber Sicherheitsbeamten von einer Art »Druckschmerz« gesprochen haben. Chrupalla habe daraufhin auf die beiden jungen Männer hingewiesen, die das Selfie mit ihm gemacht hatten. Die Polizei machte sie ausfindig, stellte ihre Personalien fest und durchsuchte sie nach verdächtigen Gegenständen – ohne etwas Relevantes zu finden. Nach SPIEGEL-Informationen hatten Chrupallas Personenschützer nichts von einem möglichen Angriff mitbekommen.
Das deckt sich mit der Pressemitteilung: »Es liegen zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Erkenntnisse vor, dass Herr Chrupalla angegangen oder angegriffen wurde«, heißt es darin.
Wegen »weiterer gesundheitlicher Beschwerden« wurde Chrupalla ins Klinikum Ingolstadt gebracht. Am Oberarm sei eine »oberflächliche Rötung bzw. Schwellung« festgestellt worden, heißt es in der Pressemitteilung. Weitere Untersuchungen seien unauffällig verlaufen. Von einer möglichen Einstichstelle, über die in Ermittlerkreisen Mutmaßungen kursierten, ist in der Mitteilung nicht die Rede.
Aus Sicherheitskreisen wurde dementiert, dass Chrupalla zeitweise nicht ansprechbar gewesen sei und auf einer Intensivstation habe behandelt werden müssen. Richtig sei, dass der Politiker lediglich zur Beobachtung auf eine sogenannte »intensivmedizinische Überwachungsstation« gebracht worden sei, um eventuell auftauchende Symptome möglichst schnell behandeln zu können.
Am Nachmittag verließ Chrupalla das Krankenhaus. Er befindet sich nach SPIEGEL-Informationen auch nicht mehr in Ingolstadt und will keine Wahlkampftermine in Bayern mehr wahrnehmen. Am Sonntag findet dort die Landtagswahl statt.
Bislang haben die Ermittler mehrere Zeugen befragt, darunter Chrupalla selbst, seine Personenschützer des Bundeskriminalamtes, eine Frau, die als Ordnerin vor Ort war, und weitere Personen, die an der AfD-Veranstaltung teilnahmen. Zudem wird Bildmaterial von der Veranstaltung ausgewertet. Es sollen auch weitere Zeugenbefragungen stattfinden.
Laut Staatsanwaltschaft wurden Blutproben entnommen und nun ausgewertet. Auch Chrupallas Kleidung, die er bei dem Termin trug, wird untersucht. Ergebnisse gibt es bislang nicht. Nach SPIEGEL-Informationen untersuchten Kräfte der Bereitschaftspolizei zudem das Veranstaltungsgelände. Dabei wurde mindestens eine Pinnwandnadel gefunden und sichergestellt. Ob der Fund im Zusammenhang mit dem Vorfall steht, ist derzeit offen und Gegenstand weiterer Ermittlungen. Das sichergestellte Material soll nun kriminaltechnisch untersucht werden.
Chrupalla steht seit knapp vier Jahren an der Spitze der AfD. Zunächst führte er die Partei gemeinsam mit Jörg Meuthen, der Anfang 2022 aus der AfD austrat. Seit Juni 2022 bilden Chrupalla und Alice Weidel das Führungsduo der Partei. Sie sind außerdem Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion.
Weidel wegen Mallorca-Reise in der Kritik
Unterdessen wächst innerhalb der AfD die Kritik am Umgang mit einem abgesagten Wahlkampfauftritt ihrer Co-Vorsitzenden Alice Weidel. Zunächst hatten Vertreter der Partei behauptet, Weidel könne an der Veranstaltung nicht teilnehmen, weil sie wegen einer Bedrohungslage von den Behörden versteckt gehalten werde. Tatsächlich weilte sie nach SPIEGEL-Recherchen jedoch auf Mallorca , wo sie Urlaub mit ihrer Familie machte – im Schweizer Kanton Schwyz, wo Weidel einen Wohnsitz hat, sind derzeit Herbstferien .
Die AfD-nahe Zeitung »Junge Freiheit« kritisierte unter anderem Weidels Vize in der AfD-Bundestagsfraktion, Norbert Kleinwächter, der behauptet hatte, seine Chefin befinde sich in einem »Safehouse« der Behörden: »Weidels Pressesprecher muß dementieren und am späten Abend auch noch eingestehen, daß die Chefin auf Mallorca ist. Was bleibt hängen und wird nun dankbar vom politischen Gegner ausgeschlachtet? Weidel im Urlaub, das deutsche Bundeskriminalamt weiß von nichts.« Am Ende, so das Blatt, sei so etwas »vor allem eines: dumm und unprofessionell.«