Richtungweisende Abstimmung Tino Chrupalla und Alice Weidel sind die neue Doppelspitze der AfD

Mit knapper Mehrheit sprachen sich die Delegierten für ihre neue Führung aus. Mäßigenden Kräften in der Partei wird damit eine Absage erteilt.
Die neue AfD-Führung: Tino Chrupalla und Alice Weidel

Die neue AfD-Führung: Tino Chrupalla und Alice Weidel

Foto: Matthias Rietschel / REUTERS

Tino Chrupalla bleibt Parteichef der AfD. Beim Bundesparteitag im sächsischen Riesa bekam der 47-Jährige am Samstag 287 von 538 abgegebenen Stimmen (53,4 Prozent). Sein Gegenkandidat Norbert Kleinwächter kam auf 195 Stimmen (36,3 Prozent). 55 Delegierte stimmten gegen beide Kandidaten. Es gab eine Enthaltung.

Im weiteren Verlauf stimmte der Parteitag darüber ab, wer neben Chrupalla den Posten des oder der zweiten Vorsitzenden einnimmt. Die Delegierten hatten am Freitag zwar die Satzung der AfD geändert, sodass künftig theoretisch auch eine Einzelspitze möglich ist. Der Thüringer Landeschef und Partei-Rechtsaußen Björn Höcke hatte sich dafür stark gemacht. Der Parteitag stimmte aber am Samstag dafür, es dieses Mal noch bei einer Doppelspitze zu belassen.

In der folgenden Abstimmung, die in der Mittagszeit durchgeführt wurde, stimmten 67,3 Prozent der Delegierten für Alice Weidel, mit der Chrupalla auch die Bundestagsfraktion gemeinsam führt, als Ko-Vorsitzende. Weidels Gegenkandidat Nicolaus Fest bekam 20,8 Prozent der Stimmen.

Auf dem Delegiertentreffen, das noch bis Sonntag dauert, wird der gesamte, zuletzt 13-köpfige Bundesvorstand neu besetzt. Damit wird auch über den künftigen Kurs der AfD entschieden – je nachdem, wie viele Vertreter der jeweiligen Parteiströmung sich einen Posten in dem Gremium sichern können.

Chrupalla steht seit November 2019 an der Spitze. Bei seiner ersten Wahl auf dem damaligen Parteitag in Braunschweig hatte er 54,5 Prozent der Stimmen geholt. Der Handwerksmeister aus Sachsen führte die AfD nach dem Weggang von Ex-Co-Chef Jörg Meuthen zuletzt allein. Meuthen hatte der AfD einen zunehmend radikalen Kurs bescheinigt. Der Verfassungsschutz hat die Partei als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuft.

Parteiinterne Kritiker, die sich selbst dem gemäßigten Lager zurechnen, hatten nach den jüngsten Stimmenverlusten bei mehreren Landtagswahlen den Parteichef offen angegriffen und ihm unter anderem vorgeworfen, im Westen nicht punkten zu können. Man müsse »weg von der Wutbürgerpartei«. Sie kritisieren Chrupallas Kurs auch als zu russlandfreundlich und bringen Parteiaustritte damit in Verbindung.

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»Aus dem Tief herauskommen«

Chrupallas Gegenkandidat Kleinwächter sagte in seiner Bewerbungsrede, »wir müssen aus dem Tief, in dem wir sind, dringend rauskommen«. Er sprach sich für Professionalisierung, Einigkeit, Disziplin und einen neuen Stil in der Kommunikation nach außen aus, pochte auf einen »liberal-konservativen« Kurs der AfD. »Wir vertreten eigentlich die Mehrheit der Bevölkerung in unserem Land. Sie weiß es nur nicht und wir müssen sie darüber informieren.« Als Vertreter der gemäßigten Strömung erzielte er auf dem Parteitag einen Achtungserfolg.

Chrupalla warb für Abgrenzung zu Union und FDP. »Wir wollen CDU und FDP überflüssig machen«, sagte er. CDU-Parteichef Friedrich Merz sei ein »grüner Wolf im schwarzen Schafspelz.« Die AfD mache nicht mit bei »Impfpflicht, Krieg und offenen Grenzen«. Der 47-Jährige will die AfD in den kommenden zwei Jahren nach eigenen Angaben auf einen »freiheitlich-sozialen« Kurs führen.

mak/dpa
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