Zur Ausgabe
Artikel 2 / 77
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Hausmitteilung Titel, Partisanenkampf, Kissinger, Adolfs Insel

aus DER SPIEGEL 29/2022

Titel

Jede und jeder erlebt in diesen Tagen, wie der Arbeitskräftemangel Deutschland verändert. Solche Erfahrungen beginnen fast immer mit dem Wort »kein«: kein Platz in der Kita, kein Installateur, um die Dusche zu reparieren, kein Pilot, um das Flugzeug zu fliegen. Bei SPIEGEL-Redakteurin Cornelia Schmergal war es der Service in ihrem Berliner Lieblingslokal, irgendwann boten die Gäste an, sich die Speisen selbst aus der Küche zu holen. Zerknirscht bekannte der Wirt, dass er niemanden mehr für die Bedienung habe. Das Problem ist im Kleinen vielleicht oft nur lästig, im Großen aber gefährlich. »Ob wir in den nächsten Jahren unseren Wohlstand halten können, hängt davon ab, ob wir die Lücken im Arbeitsmarkt füllen können – und wie«, sagt Schmergal, die mit einem Team von SPIEGEL-Reporterinnen und -Reportern eine Republik im Stillstand beschreibt.

Partisanenkampf

Foto:

Julia Kochetova / DER SPIEGEL

Im ersten Telefonat mit SPIEGEL-Reporter Thore Schröder (r.) schlug der ukrainische Partisan Wolodymyr Schemtschugow ein Asia-Restaurant als Treffpunkt in Kiew vor. Vier Stunden lang sprach der frühere Fabrikbesitzer dar­über, wie er und seine Kameraden hinter feindlichen Linien gegen die Russen kämpften, erzählte, wie er bei einer Minenexplosion beide Hände und das Augenlicht verlor, dann in russische Gefangenschaft geriet. Über eine Begegnung zwischen Schemtschugows Frau mit dem damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Kiew gelangte der Versehrte in ein Kölner Krankenhaus. Dort retteten Ärzte einen Teil seines Sehvermögens. »Für seinen Kampf als Partisan erntete Schemtschugow in Deutschland wenig Verständnis«, so Schröder. Der Reporter war jedoch beeindruckt von dessen »Willenskraft und Heldenmut«.

Kissinger

Foto:

George Etheredge / DER SPIEGEL

Ein dunkler Waldweg führt zur Lichtung, auf der das Landhaus von Henry Kissinger steht. Auf dieses Anwesen im Staat Connecticut bat der frühere US-Außenminister den SPIEGEL-Korrespondenten Bernhard Zand zum Gespräch über sein neues Buch, sein politisches Vermächtnis und eine mögliche Lösung der Ukrainekrise. Kissinger, in Fürth geboren und vor Kurzem 99 Jahre alt geworden, mischt sich bis heute in Debatten ein, zuletzt mit seinem umstrittenen Vorschlag, den Krieg mit einem Waffenstillstand auf Basis der Kontaktlinie vom 24. Februar zu beenden. Allein das zu erreichen werde schwer genug. »Kissinger schaut mit dem kühlen Blick eines Krisen­managers auf die Welt«, so Zand, »Visionäre sind ihm suspekt.«

Adolfs Insel

Vor zwei Jahren hörte SPIEGEL-Redakteurin Solveig Grothe zum ersten Mal von einem deutschen Konzentrationslager namens »Sylt« auf der britischen Kanalinsel Alderney. Archäologen hatten Fundamente von Häftlingsbaracken und SS-Kasernen entdeckt. Nach dem Krieg hielt London Untersuchungsergebnisse zu den Vorgängen dort jahrzehntelang geheim, womöglich auch, weil es in Nazizeiten Kollaborateure gab. Grothe begleitete Colin Partridge auf »Adolf Island«; er ist einer der Historiker, die versuchen herauszufinden, was genau dort geschah. Überrascht haben Grothe die »heftigen Reaktionen« lokaler Politiker auf die Frage, was sie aus den neuen Erkenntnissen machten. »Sie erwarten von den Deutschen, dass auch sie sich um dieses schwierige Erbe kümmern«, so Grothe.

Zur Ausgabe
Artikel 2 / 77
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.