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Hausmitteilung Titel, Rechtsextreme, Edgar Reitz, SPIEGEL GESCHICHTE

aus DER SPIEGEL 37/2022

Queen Elizabeth II.

Als SPIEGEL-Redakteur Jörg Schindler 2017 nach London zog, interessierte er sich kaum für die Queen. »Aber von Jahr zu Jahr faszinierte sie mich mehr«, sagt Schindler. Sie wurde in einem politisch zerrissenen Land zwischen Brexit und Boris Johnsons Kapriolen zum »letzten un­angefochtenen Pfeiler der Nation«. Aus Schindlers Titeltext spricht deshalb mehr als nur Respekt vor einer Jahrhundertfigur, den Nachruf auf die Queen nennt er: eine Verbeugung.

Für die SPIEGEL-Redakteurin Patricia Dreyer war die Queen Inspiration unzähliger Texte. Die Königin ertrug sämtliche Irrwege ihres großen Clans, überlebte Moden und Trends, lächelte sich durch Krisen und Katastrophen – und wurde so schon zu Lebzeiten unsterblich. »Hätte sie eitle Ideen von sich selbst als Super-Queen gehabt, hätte das Ganze auch schiefgehen können«, sagt Dreyer. »Aber sie war völlig uneitel, geerdet. Dass sie Sinn für Humor hatte, muss in ihrem Job enorm geholfen haben.« Der Tod der ewi­gen Monarchin trifft das Vereinigte Königreich nicht un­vorbereitet, aber zu einem schwierigen Zeitpunkt der neuerlichen politischen Umwälzungen. Die Königin ist tot, Thronfolger Charles ist umstritten. Was nun, Great Britain?

Rechtspopulisten

Mehr als 13 Millionen Franzosen stimmten bei den Wahlen im April für die Rechtspopulistin Marine Le Pen, das waren über 41 Prozent der Wählerschaft. Nicht genug, um Le Pen in den Élysée-Palast einziehen zu lassen – aber das Votum belegte: Frankreich hat keine Berührungsängste mehr mit rechtsradikalen Politikern. Um zu erfahren, warum das so ist, fuhr SPIEGEL-­Korrespondentin Britta Sandberg zu einem der prominentesten Rechten des Landes. Drei Tage lang begleitete sie Robert Ménard, seit acht Jahren Bürger­meister im südfranzösischen Béziers, bei Teamsitzungen, Gängen durch die Altstadt und Bürgersprechstunden. »Das Verstörende ist, Ménard vertritt unerbittlich radikale, rechte Positionen«, so Sandberg. »Aber was er für die Stadt macht, findet viel Zustimmung. Vor allem hört er den Leuten zu. In Frankreich ist gerade das nicht selbstverständlich.« Der erste Kontakt zu Ménard kam über einen gemeinsamen Bekannten zustande: Der Grüne Daniel Cohn-Bendit ist ein alter Freund von ihm. Sie kennen sich aus Zeiten, als Ménard noch sehr links war.

Edgar Reitz

Mehrere Tage verbrachten die SPIEGEL-Redakteure Tobias Becker (r.) und Lars-Olav Beier (M.) mit der Lektüre von Edgar Reitz’ Erinnerungen. Mehr als 600 Seiten lang ist die Autobiografie des Regisseurs und damit wie seine Serie »Heimat« ein Mammutwerk. In seiner Schwabinger Villa trafen die beiden einen brillant formulierenden 89-Jährigen, der trotz Bronchitis ohne Ermüdung mehr als zwei Stunden lang über seine Lieblingsthemen redete: Erinnerung, Zeit, Bilder und, natürlich, »Heimat«. »Wenn Sie eine Pause machen wollen, sagen Sie bitte Bescheid«, boten die Redakteure ihm an. Die Antwort kam so schnell wie bestimmt: »Nein! Vielleicht brauchen Sie ja eine Pause?« Bei dem verbalen Konter spielte vielleicht eine schmerzhafte Erinnerung eine Rolle. Der Impuls, einst das 60 Stunden lange Epos »Heimat« in Angriff zu nehmen, verriet er, sei nicht zuletzt von einer vernichtenden Kritik eines seiner Kinofilme im SPIEGEL ausgegangen.

SPIEGEL GESCHICHTE

Preußen löst nicht nur bei Deutschen vielfältige Assoziationen aus: Disziplin, Pickelhaube und Stechschritt, aber auch reiches Geistesleben, Aufklärung, aufregende Architektur. Ob im Konflikt um das Berliner Stadtschloss oder beim Streit ums Erbe mit den Hohenzollern, das Preußische lebt auch in der Ge­genwart. Die SPIEGEL EDITION »Preußen und die Hohenzollern« erscheint am Dienstag.

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