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Hausmitteilung Titel, Sorgerecht, Haqqani, Klimakrise

aus DER SPIEGEL 28/2022

Titel

Die vergangenen drei Jahre mit Premierminister Boris Johnson verlangten Großbritannien einiges ab – auch dem SPIEGEL-Korrespondenten Jörg Schindler.

»Johnson hat das Königreich mehrfach an den Rand einer Verfassungskrise geführt«, sagt er. Trotz aller Eskapaden des schillernden Politikers hätte er bislang nie auf dessen baldiges Ende gewettet. Doch in den letzten Tagen spitzte sich die Lage zu, Schindler traf sich mit Tory-Rebellen, beobachtete Johnson im Unterhaus. Als dann vergangenen Dienstag nach einer Reihe von Skandalen Finanzminister Rishi Sunak und Gesundheitsminister Sajid Javid hinschmissen, war Schindler klar, dass selbst Ent­fesselungskünstler Johnson sich aus diesem Schlamassel nun nicht mehr würde befreien können. Die britische Politik werde wohl langweiliger werden ohne ihn, sagt Schindler. »Aber das wird dem Land zur Abwechslung mal guttun.«

Sorgerecht

Foto: Hannah Sommerschuh / DER SPIEGEL

Mindestens jedes fünfte Kind erlebt, dass sich seine Eltern trennen, bevor es volljährig ist. Meist wohnt es danach bei der Mutter, vier von zehn Kindern haben wenig bis keinen Kontakt zum Vater. Manchmal ist es aber umgekehrt. Über einen Verein von Trennungseltern lernte Redakteurin Heike Klovert Ende vergangenen Jahres eine Frau kennen, deren Kinder, 13 und 15 Jahre alt, beim Vater wohnen und nichts mehr von ihrer Mutter wissen wollen. Seither unterhielt Klovert sich immer wieder mit ihr wie auch mit dem Ex-Mann, jeweils in Einzelgesprächen. Der Vater wirft der Mutter vor, zu grob zu den Kindern zu sein. Die Frau weist das zurück und sagt, er habe die Kinder gegen sie auf­gebracht. »Die Geschichte dieser Familie zeigt, wie wichtig nach einer Trennung ein respekt­voller Umgang miteinander ist«, sagt Klovert, »auch wenn das oft nicht gelingt.«

Haqqani

Foto: Christian Werner / DER SPIEGEL
Foto: Christian Werner / DER SPIEGEL

Im Islamischen Emirat Afghanistan herrschen heute wieder die Regeln der Taliban. Dazu gehört, dass Frauen im öffentlichen Leben kaum mehr Platz haben. Das stellte SPIEGEL-Reporterin Susanne Koelbl beim Interview mit Taliban-Führer Anas Haqqani in Kabul vor ein logistisches Problem. Nachdem Koelbl mit Haqqani über das militante Netzwerk seiner Familie gesprochen und ihn zu seiner Rolle bei Planungen von Selbstmordattentaten befragt hatte, wollte Fotograf Christian Werner wie üblich ein Porträt von den beiden machen. Doch Haqqani intervenierte und bat Koelbl, aus dem Bild zu treten. Viele Taliban könnten nicht verste­hen, wenn er gemeinsam mit einer Frau auf einem Foto zu sehen sei. »Die Taliban wollen die Unter­stützung des Westens, ohne dessen Anforderungen zu erfüllen«, sagt Koelbl. Heraus kam ein Kompromiss. Das Foto, auf dem beide zu sehen sind, wurde für den Abdruck hier halt digital zerschnitten.

Klimakrise

Foto: Greg Kahn / DER SPIEGEL

Tangier ist eine kleine Insel in der Chesapeake Bay im US-Bundesstaat Virginia. Eine Idylle mit bunten Holzhäusern und gut 400 Einwohnern, die hauptsächlich von der Fischerei leben. Doch in weniger als 20 Jahren wird die Insel wohl unbewohnbar werden, weil der Meeresspiegel steigt, Tangier droht zu versinken. Trotzig wollen Bürgermeister James Eskridge und viele der Insulaner einfach nicht wahrhaben, dass der Klimawandel für den Untergang verantwortlich ist. Der Reporter Daniel C. Schmidt (r.) hat mehrere Tage auf der Insel verbracht, wo er unter anderem den Forscher David Schulte und dessen Sohn Zehao Wu traf. »Die wenigsten Bewohner interessieren sich für die wahren Gründe der Bedrohung«, sagt Schmidt. »Zugleich sind sie es leid, als Trump-Fans verlacht zu werden, die sehenden Auges mit ihrer Insel untergehen.«

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