Tod von Loki Schmidt Trauer um die Kanzler-Kameradin

"Geradlinig", "liebenswürdig", "eine außergewöhnliche Persönlichkeit": Politiker aller Parteien würdigen die verstorbene Loki Schmidt. Die Naturschützerin galt vielen Menschen als Vorbild - nicht nur in ihrer Rolle als Ehefrau des Altkanzlers Helmut Schmidt.
Tod von Loki Schmidt: Trauer um die Kanzler-Kameradin

Tod von Loki Schmidt: Trauer um die Kanzler-Kameradin

Foto: Marcus Brandt/ dpa

Berlin - Der Schriftsteller Siegfried Lenz sagte einmal, Loki Schmidt sei "an allem schuld". Ihretwegen könne er beim Spazierengehen nicht mehr gedankenlos Blumen platttreten. Loki Schmidt war leidenschaftliche Naturschützerin, sie veröffentlichte Bücher, sie reiste auf der Suche nach seltenen Pflanzen nach Afrika, Asien und Lateinamerika. Bis ins hohe Alter hinein engagierte sie sich für ihr Anliegen. Nun ist sie in der Nacht auf diesen Donnerstag im Alter von 91 Jahren gestorben - und Deutschland trauert. Persönlichkeiten aus Politik und Kultur würdigen ihren Einsatz, ihren Charakter und ihre Geradlinigkeit.

SPD-Chef Sigmar Gabriel bezeichnete Loki Schmidt als eine "außergewöhnliche, eigenständige Persönlichkeit". "Vielen in unserem Land wurde sie wegen ihrer liebenswürdigen, menschlichen Art und ihrer beeindruckenden Haltung Vorbild", sagte Gabriel. Mit ihrer "unangestrengten Noblesse" habe sie die Herzen der Menschen im In- und Ausland gewonnen.

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Loki Schmidt: Kanzlergattin und Naturschützerin

Foto: A3576 Maurizio Gambarini/ dpa

Vielleicht gewann sie auch deshalb die Herzen vieler Menschen, weil sie sich eine ironische Distanz zum Treiben der Bonner Republik bewahrte. Im Jahr 1942 heiratete sie Helmut Schmidt, der seine politische Karriere in den fünfziger Jahren begann - erst als Bundestagsabgeordneter, dann als Innensenator Hamburgs, später als Bundesminister und schließlich als Bundeskanzler.

Sie habe sich zwar immer protokollgerecht verhalten, sagte Loki Schmidt einmal, "aber mit Knicksen konnte ich nicht dienen. Das wollte ich auch ganz bewusst nicht, denn irgendwie widerspricht diese Geste meiner persönlichen Grundhaltung".

Bundespräsident Christian Wulff nannte ihren Tod einen "großen Verlust für uns alle". Er sprach ihrem Ehemann seine tief empfundene Anteilnahme aus. "Für mich, aber auch für alle anderen, die ihr begegnet sind, war Ihre Frau eine eindrucksvolle Persönlichkeit", schrieb Wulff. "Sie war, wenn ich das so ausdrücken darf, auf eine souveräne Weise bescheiden."

Loki sei die beste Kameradin gewesen, die sich Helmut Schmidt in seinem langen Leben wünschen konnte, sagte der langjährige Regierungssprecher von Helmut Schmidt, Klaus Bölling, der "Bild"-Zeitung: "Eine Frauenpersönlichkeit von hohem Rang."

International bekannte Botanikerin

So erlebten sie auch zahlreiche andere Politiker in Deutschland. Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte, Loki Schmidt "war längst nicht nur die Ehefrau des früheren Bundeskanzlers, sondern genoss ebenso selbst höchstes Ansehen". "Sie gehört zu den Frauen, die ohne eigenes Amt durch ihr lebenslanges, beständiges, diszipliniertes und soziales Wirken unvergessen bleiben werden."

Die Grünen würdigten besonders das Engagement Loki Schmidts für den Erhalt bedrohter Pflanzenarten, sie galt als international bekannte Botanikerin. Für ihre Verdienste um den Pflanzen- und Naturschutz erhielt sie diverse Auszeichnungen, darunter einen Professorentitel der Universität Hamburg. Im Jahr 2004 wurde sie für ihre Lebensleistung mit dem Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ausgezeichnet.

Sowohl Loki als auch Helmut Schmidt stammen aus Hamburg. 68 Jahre lang waren die beiden verheiratet, vielen galten sie als "hanseatisches Paar" - in jedem Fall als legendäres Paar. "Den Partner nehmen, wie er ist, und nicht, wie man ihn gerne hätte", erklärte Loki Schmidt einmal das Erfolgsrezept für eine lange Ehe. Ihr Wunsch, gemeinsam den 70. Hochzeitstag zu erleben, wurde ihr nicht erfüllt.

Auch in Hamburg ist die Trauer nach der Todesnachricht groß. Der Erste Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) sagte, mit ihrem eindrucksvollen Wirken und ihrer Persönlichkeit habe Loki Schmidt "die Menschen stets besonders beeindruckt: unaufgeregt, geradlinig, mit einem klaren Blick auf die Menschen und das Leben". Hamburgs Bürgerschaftspräsident Lutz Mohaupt würdigte die Verstorbene als offenherzige, starke Frau. Für Hamburgs DGB-Chef Uwe Grund war Loki Schmidt nach eigenem Bekunden eine "Bilderbuch-Hanseatin, uneigennützig, engagiert, bescheiden und doch hochkompetent. Dieser Verlust schmerzt die ganze Stadt."

Auch der Chefredakteur der in Hamburg ansässigen Wochenzeitung "Die Zeit", Giovanni di Lorenzo, äußerte sich betroffen. Den Tod von Loki Schmidt bezeichnete er als "unermesslichen Verlust". "Unsere Gedanken sind jetzt bei unserem Herausgeber Helmut Schmidt", sagte di Lorenzo. Der Altkanzler ist seit über 27 Jahren Mitherausgeber der "Zeit".

kgp/dpa/dapd/AFP
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