SPD-Ministerpräsident Albig Lasst das mal die Merkel machen, die macht das "ganz ausgezeichnet"

Schleswig-Holsteins SPD-Ministerpräsident Torsten Albig provoziert gern - diesmal die eigene Partei. Ginge es nach ihm, so könnte die SPD auf einen Kanzlerkandidaten bei der nächsten Bundestagswahl verzichten. Die Genossen reagierten prompt.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (l.): "Merkel macht das ausgezeichnet"

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (l.): "Merkel macht das ausgezeichnet"

Foto: Jens Büttner/ dpa

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat infrage gestellt, ob die SPD für die kommende Bundestagswahl 2017 einen Kanzlerkandidaten brauche.

In einem Interview mit dem NDR  sagte Albig zwar, er habe keinen Zweifel, dass SPD-Parteichef Sigmar Gabriel "das exzellent machen" würde. Aber: Merkel erledige ihren Job auch "ganz ausgezeichnet". "Sie ist eine Kanzlerin, wie sie die Deutschen offensichtlich mögen. Ich glaube, es ist schwer, gegen diese Kanzlerin eine Wahl zu gewinnen." Das müsse man zur Kenntnis nehmen und es mache auch keinen Sinn, "sich da jetzt jeden Tag ein Beißholz zu nehmen und da weinend reinzubeißen."

Eine Regierungsbeteiligung könne daher auch Wahlziel für seine Partei sein. Albig sagt im NDR-Interview: "Ich glaube, jetzt reinzugehen und zu sagen, wir erwarten morgen die absolute Mehrheit, wäre ziemlich bescheuert, das glaubt uns doch kein Mensch." Bis 2017 sei es noch lange hin. "Aber wäre heute Wahl, dann finde ich, wäre es eine absolute legitime Wahlaussage, dass eine Regierung, an der Sozialdemokraten beteiligt sind, eine bessere Regierung ist als eine, wo die CDU alleine regiert."

Dafür brauche die SPD einen starken Kandidaten. "Ob da die Bezeichnung Kanzlerkandidat noch richtig ist, das werden wir sehen", sagte Albig. "Er ist dann der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten, und er sorgt dafür, wie wir das im Augenblick exzellent tun, dass sozialdemokratische Programmatik Gegenstand von vierjähriger Politik in Berlin ist." In der Opposition schöne Programme zu schreiben, die kein Mensch umsetze, sei keine bessere Alternative, so der SPD-Politiker.

Widerspruch gegen seine harschen Worte erntete Albig umgehend aus der SPD in Schleswig-Holstein. SPD-Bundesvize Ralf Stegner twitterte: "Stimmen in den meisten Fragen überein - allemal was SH Politik betrifft. Was Kanzlerin Merkel angeht, gilt das nicht!" Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sönke Rix aus Eckernförde schrieb auf Twitter: "Merkel macht ihren Job als Kanzlerin nicht ausgezeichnet. Und es gäbe mit Sicherheit auch bessere Kanzlerinnen oder Kanzler!"

Bereits zur Bundestagswahl 2013 hatte Albig in der Frage nach der Kanzlerkandidatur in der SPD klar Stellung bezogen. Damals sprach er sich für Frank-Walter Steinmeier und gegen Peer Steinbrück aus, dessen Pressesprecher im Finanzministerium Albig war. "Tu dir das nicht an! Es gibt auch andere Stellen, wo du mit dem, was du kannst und was dich stark macht, unserem Land großartig helfen kannst", hatte Albig damals gesagt.

SPD-Chef Gabriel hatte es am Wochenende im ZDF-"Sommerinterview" abgelehnt, zum jetzigen Zeitpunkt über die K-Frage zu reden. Für eine Festlegung, mit welchem Kanzlerkandidaten die SPD in den nächsten Bundestagswahlkampf ziehen werde, sei es viel zu früh. Auf die Frage, ob er sich dafür selbst in Stellung bringe, entgegnete Gabriel, es seien noch nicht einmal zwei Jahre der Legislaturperiode vergangen. "Da macht es doch keinen Sinn, jetzt eine Debatte über Kanzlerkandidaturen zu führen."

kbl/dpa