Neuer Korruptionsindex Transparency sieht "weltweite Krise der Demokratie"

Korruption bleibt weltweit ein großes Problem: Die meisten Länder schneiden im Jahresbericht von Transparency International miserabel ab. In Deutschland hat sich die Lage leicht verschlechtert - in den USA noch stärker.


Transparency International (TI) hat in seinem jährlichen Bericht ein anhaltendes Versagen der meisten Länder der Welt im Kampf gegen Korruption festgestellt. Dem Bericht zufolge tragen sie damit zu einer "weltweiten Krise der Demokratie" bei.

Der Bericht basiert auf zahlreichen Umfragen und Bewertungen von Experten. Er bezieht sich auf 180 Länder und Territorien. Dabei entsteht ein sogenannter Korruptionswahrnehmungsindex (CPI), der anzeigt, welches Ausmaß an Korruption im jeweiligen Land wahrgenommen wird. In der Bewertung von 0 bis 100 gilt: je höher der Wert, desto weniger Korruption wird wahrgenommen.

Korruptionsindex 2018

Das Ergebnis: Mehr als zwei Drittel der untersuchten Länder kommen auf einen Wert, der unter 50 liegt. Es ergibt sich ein Durchschnitt von 43. Ein großes Problem: Eine klare Verbesserung der Situation ist mit Blick auf die Entwicklung in den vergangenen Jahren in vielen Ländern nicht zu sehen. Nur 20 Länder haben ihren Wert seit 2012 ernsthaft verbessert, unter anderem in Guyana (+9 seit 2012), Argentinien (+8 seit 2015), der Elfenbeinküste (+8 seit 2013). Auf der anderen Seite sank der Wert allerdings bei 16 Nationen deutlich, darunter Ungarn (-9 seit 2012), die Türkei (-9 seit 2013) und Mexiko (-7 seit 2013).

Dänemark auf Platz eins, Deutschland auf Rang elf

Am besten schneidet Dänemark ab: Das skandinavische Land liegt mit einem Wert von 88 auf Rang eins. Es folgen Neuseeland (87), Finnland, Singapur, Schweden und die Schweiz (alle 85). Auf dem letzten Platz steht Somalia (10), noch hinter Syrien, dem Südsudan (beide 13), dem Jemen und Nordkorea (beide 14).

Deutschlands Wert hat sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verschlechtert (von 81 auf 80), für eine Platzierung unter den obersten zehn Rängen reicht das erneut nicht. Die Bundesrepublik teilt sich den elften Platz mit dem Vereinten Königreich.

"Offensichtlich existiert hier der Eindruck, dass man mit unlauteren Methoden auch in Deutschland Geschäfte fördern kann", sagte TI-Deutschland-Chefin Edda Müller in Berlin. Sie führte vor allem die Skandale der deutschen Großkonzerne an. Dadurch würde der Glauben der Menschen an den Rechtsstaat bröckeln.

Die USA sind unterdessen gar aus den Top 20 herausgefallen - erstmals seit 2011: Der Wert der Vereinigten Staaten sank im Vergleich zum Vorjahr um vier Punkte auf 71.

Prekäre Lage in autokratischen Regimes

Insgesamt hängen die Ergebnisse meist stark von der politischen Lage ab. Laut der Untersuchungen gibt es "eine klare Verbindung" zwischen einer "gesunden Demokratie" und einem "erfolgreichen Kampf gegen Korruption im öffentlichen Sektor", sagte Delia Ferreira Rubio, Vorsitzende von Transparency International.

Delia Ferreira Rubio
DPA

Delia Ferreira Rubio

Uneingeschränkte Demokratien kommen im Durchschnitt auf einen Wert von 75, unvollständige Demokratien nur auf einen durchschnittlichen Wert von 49. Bei Hybridregimen (35), die autokratische Tendenzen zeigen, und autokratischen Regimes (30) ist die Lage besonders prekär.

"Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass Korruption da wächst, wo die demokratischen Grundlagen schwach sind - so wie wir es in vielen Ländern gesehen haben, wo undemokratische und populistische Politiker das zu ihrem Vorteil nutzen können", sagte Rubio weiter.

Der Bericht befasst sich auch mit verschiedenen Regionen der Welt genauer: Westeuropa und die EU werden in dem Bericht als ein Gebiet zusammengefasst. Dieses schneidet mit einem Durchschnittswert von 66 am besten ab. Die afrikanische Region südlich der Sahara hingegen kommt durchschnittlich nur auf 32.

aev

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insgesamt 105 Beiträge
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Seite 1
zeisig 29.01.2019
1. Ein guter Platz.
Mit Platz elf liegt Deutschland mit unter den Besten. Alles andere wäre ja auch eine Überraschung gewesen.
archi47 29.01.2019
2. Welche Form der Korruption wird gemessen, bzw. auffällig
Es gibt zwar noch ein Nord-Süd Gefälle, aber nach dem Fall des Eiserenen Vorhanges ist auch ein West-Ost Gefälle wird zusätzlich offenkundig. Die Regierungsform ist wohl ein weniger absulutes Kriterium, als der Grad des durchgreifenden Kaptialismus und dessen statische Vollendung. Wer die Regeln bestimmt kraft Oligopol, Monopol kann auf erkennbare, sichtbare Korruption verzichten, denn er sitzt an der Quelle und bestimmt die Regeln ohnehin. Er kann aber von dort aus auf die Emporkömmlinge zeigen, deren Spuren der Korruption im System sichtbar werden, wenn sie versuchen zu ihm aufzusteigen. Es ist also eine Systemfrage in einem Regelkreis, der den Preiswettbewerb des Bestellers/Oligarchen zum Mindestpreis hin zwingend verlangt und Verstöße dagegen durch Korruption sanktioniert. Auch wenn der Mindestpreis nicht alle nachhaltig relevanten Fakten der Wertrechnung beinhalten kann. Wer sich auf korrupte Weise Wettbewerbsvorteile gegenüber den Mindestbietern verschafft, handelt strafwürdig - und er wird eben auch zur Gefahr, weil er durch einen so erziehlten Mehrertrag aus seiner abhängigen Situation gegenüber den gesetzestreuen Mitbewerbern herauswachsen kann. Sehr zur Gefahr für die etablierten Kartelle, die diese Korruption nicht mehr nötig haben. Insoweit wäre auch diese systemischen Betrachtungsweise mal mit einzubeziehen...
Haarfoen 29.01.2019
3. Demokratie vs. Neoliberalismus
Unser System hat seit der Installation des Neoliberalismus (beginnend mit Reagan/Thatcher) einen Konstruktionsfehler. Auf der einen Seite sprechen wir von Rechtsstaatlichkeit, ethischen Werten und Demokratie, auf der anderen Seite favorisieren wir ein rücksichtsloses Wirtschaftssystem, das nahezu jedes Mittel zum Erlangen von Profit legitimiert und nicht reguliert wird. Die gestärkten Konzerne sind autoritäre, hierarchisch geführte Strukturen, die mittlerweile weite Bereiche unseres Lebens kontrollieren.
svenk2409 29.01.2019
4. Subtile Korruption
Deutschland mag zwar offiziell gut dastehen, tatsächlich aber ist auch unser Land hoch korrupt! Bei uns geht das nur viel subtiler und legal vonstatten. Hier wird beste Lobbyarbeit betrieben um so ganz offiziell seine Belange durchzudrücken. Wenn man sieht wie ?wichtige Personen? munter zwischen Politik und Wirtschaft hin und herhüpfen wird mir schlecht! Da wird noch schnell das passende Gesetz durchgepaukt um sich direkt im Anschluss im passenden Wirtschaftszweig niederzulassen um fett abzukassieren.
okrogl 29.01.2019
5. Lobbyismus
Wenn man den Lobbyismus endlich mitzählen würde, wäre D rot eingefärbt.
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