Transrapid König Edmund kämpft um sein Denkmal

Alles oder Nichts: Am Montag will CSU-Chef Stoiber der Kanzlerin ein paar hundert Millionen für den Bayern-Transrapid entlocken. Für den Magnetschweber die letzte Chance, für Stoiber die auf ein Denkmal, das ihn ganz nah an Franz Josef Strauß heranrückt.

Von , München


München - Es wird die entscheidende Verhandlungsrunde. "Entweder gibt es einen Durchbruch, oder das Projekt wird endgültig beerdigt", sagt Bayerns Wirtschafts- und Verkehrsminister Erwin Huber (CSU) mit Blick auf den kommenden Montag. Da tagt der Koalitionsausschuss in Berlin und Hubers Noch-Chef Edmund Stoiber (CSU) will die leidige Transrapid-Finanzierung persönlich klären - mit der Kanzlerin.

Noch-Ministerpräsident mit Modell-Transrapid: Stoiber hofft auf ein Denkmal
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Noch-Ministerpräsident mit Modell-Transrapid: Stoiber hofft auf ein Denkmal

Es ist die letzte Chance für Stoiber und seinen Magnetschweber. Denn ersterer muss im Herbst Bayern-Land und Bayern-Partei anderen überlassen. Und des letzteren virtuelle Existenz harrt bereits seit den Zeiten von SPD-Kanzler Willy Brandt auf Realisierung in deutschen Landen.

Zwar ist der Transrapid als "Leuchtturmprojekt" im Berliner Koalitionsvertrag von Union und SPD verankert, damit die "internationale Wettbewerbsfähigkeit des Technologiestandortes Deutschland" gestärkt werden möge - doch finanzieren will den Superzug keiner so recht. Zwischen Bund und Land Bayern, der Bahn, der Industrie und auch der EU gibt es Gerangel seit Jahren. Dabei sollte nach ursprünglicher Planung schon in den nächsten Monaten mit dem Bau der Trasse begonnen werden.

Finanzlücke zwischen 400 Millionen und einer Milliarde

Doch es klafft eine Finanzlücke von rund 400 Millionen Euro nach den optimistischsten und bis zu zwei Milliarden Euro nach den kritischsten Schätzungen.

Das geht so: Für die knapp 40 Kilometer lange Strecke zwischen Münchner Hauptbahnhof und Flughafen draußen im Erdinger Moos werden offiziell 1,85 Milliarden Euro einkalkuliert. Der Bund könnte maximal die Hälfte, also 925 Millionen übernehmen - vom Bundestag sind aber bisher nur 550 Millionen Euro freigegeben. Bayern hat seinen Anteil von anfangs 185 Millionen auf mittlerweile 350 Millionen hochgeschraubt. Und die Deutsche Bahn ist mit 185 Millionen dabei. Ein von den bayerischen Grünen in Auftrag gegebenes Gutachten hingegen prognostizierte eine Kostenexplosion: Minimum 2,8 Milliarden Euro seien nötig.

Weiteres Problem: Hubers Hoffnung auf die Herren von der Industrie zerschlug sich recht schnell. Die Transrapid-Hersteller Siemens und ThyssenKrupp wollen ihren Zug zwar in Oberbayern sausen sehen, finanzieren wollen sie ihn aber nicht. Seit Juli scheint außerdem klar, dass auch auf Brüssel nicht weiter zu hoffen ist: "Ich betrachte es als in hohem Maße unwahrscheinlich, dass die EU das Transrapid-Projekt kofinanzieren wird", sagte Verkehrskommissar Jacques Barrot der "Welt am Sonntag".

Sozis kämpfen gegen den Transrapid

Erwin Huber wehrte sich all die Monate mit Optimismus: 400 Millionen Euro? Na, da seien "der Freistaat Bayern und die Bundesrepublik ja potent genug, das in vier Jahren Bauzeit aufzubringen". Ein Wink nach Berlin? Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) jedenfalls gab nicht nach. Zig Gespräche absolvierten er und Huber - viel gebracht hat es nicht. Tiefensee hat seine Genossen aus der bayerischen Landesgruppe, aus der Bayern-SPD und auch die Münchner Sozis im Nacken. Sie alle sind entschiedene Gegner des Transrapid.

Insbesondere Münchens SPD-Oberbürgermeister Christian Ude, der den Magnetschweber gern als "teuersten Vorort-Zug der Welt" umschreibt, stellt dem Milliarden-Zug seine Idee einer Express-S-Bahn entgegen, die die Gäste zwar nicht in zehn, sondern in 25 Minuten zum Flughafen bringt, dafür aber auch nur 625 Millionen Euro kosten soll. Der Haken: Das vom Bundestag bewilligte Geld für den Transrapid kann nicht für den Münchner Nahverkehr umgewidmet werden.

Dann also doch der Transrapid? Mit der 350-Millionen-Euro-Beteiligung scheint Huber bereits an seine Schmerzgrenze gegangen zu sein, denn das Geld soll aus Privatisierungserlösen, nicht aber aus Steuermitteln kommen. Letzteres würden die CSU-Abgeordneten im bayerischen Landtag nicht mitmachen: Sie haben schon jetzt Schwierigkeiten, daheim auf dem Land zu erklären, warum die da in München einen Zug mit halber Schallgeschwindigkeit brauchen, während die örtliche Straße noch immer Löcher hat.

Zum Ende seiner Amtszeit muss also noch einmal Edmund Stoiber ran: "Das wird in meiner Regierungszeit entschieden, das ist gar keine Frage", hat er bereits klargestellt. Man sei "jetzt so weit, dass wir wohl im August entscheiden können: Packen wir's oder packen wir's nicht." So wird es am Montag zum Showdown kommen: Leiert Stoiber der Kanzlerin ein paar hundert Millionen aus der Bundeskasse, verabschiedet er sich als Baumeister des Transrapid in den Ruhestand. Scheitert aber Stoiber am Montag im Kanzleramt, bleiben seine Magnet-Meriten allein auf jenes zugegeben brillante Stoibersche Erklärstück zum Zusammenhang Bayerns mit der Welt und der Zeitdimension von zehn Minuten beschränkt.

Das wäre schade. Denn mit dem Bau des Transrapid könnte sich Stoiber ein Denkmal setzen, das ihn quasi auf zehn Minuten an Bayerns letzten Monarchen heranrückt: "Dann fährt wohl bald der Edmund-Stoiber-Transrapid zum Franz-Josef-Strauß-Airport", spottete schon FDP-Mann Otto Fricke, Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Bundestag.

Stoibers Nachfolger hat sich schon mal vor drohender Transrapid-Schmach in Sicherheit gebracht. Der designierte Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) beteuerte kürzlich, er sei "für den Transrapid, wenn auch nicht um jeden Preis".

Münchens OB Ude jedenfalls will darin bereits Becksteins Vorbereitungen für "Bestattungsfeierlichkeiten" erkannt haben.

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