Trauer um Rau Tausende tragen sich in Kondolenzbücher ein

Lange Schlangen vor den Kondolenzbüchern für den gestern verstorbenen Alt-Bundespräsident Johannes Rau. Neben der Staatsspitze nahmen viele Bürger auf diese Weise von dem beliebten SPD-Politiker Abschied. Rau soll in Berlin bestattet werden.


Berlin - Hunderte Bürger kamen heute zum Schloss Bellevue in Berlin. In Schlagen standen die Menschen auch in Raus Heimatort Wuppertal an, um sich in die Kondolenzbücher im Rathaus im Ortsteil Barmen und der Verwaltung in Elberfeld einzutragen. In der Villa Hammerschmidt in Bonn, dem zweiten Amtssitz des Bundespräsidenten, standen rund 1000 Menschen für einen Eintrag ins Kondolenzbuch an. 100 Besucher kamen in den Düsseldorfer Landtag, um ihre Erinnerungen an den ehemaligen Landesvater niederzuschreiben. Noch bis Montag liegen im Schloss Bellevue und der Villa Hammerschmidt die Kondolenzbücher aus. Die Bücher sind jeweils von 10 bis 18 Uhr zugänglich.

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Zum Tod des Alt-Bundespräsidenten: Trauer um Johannes Rau

Bereits am Vormittag trugen sich Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Bellevue in das Kondolenzbuch ein. Köhler und seine Frau Eva waren unter den ersten, die Rau auf diese Weise die Ehre erwiesen. Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker würdigte Raus Einsatz für die Menschenwürde. An die Verdienste des Verstorbenen erinnerte auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel.

Rau war gestern Morgen im Alter von 75 Jahren in seiner Berliner Wohnung gestorben. Merkel wurde im Schloss Bellevue von ihrem Ehemann Joachim Sauer begleitet. Auch Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) nahm im Schloss Abschied von dem langjährigen Weggefährten. Am Nachmittag wollte sich dort auch SPD-Chef Matthias Platzeck in das Kondolenzbuch eintragen.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums wird er in der Bundeshauptstadt bestattet. Ein genauer Termin stehe aber noch nicht fest. Für den 7. Februar hat Bundespräsident Köhler einen Staatsakt angeordnet. An diesem Tag soll zudem bundesweit Trauerbeflaggung gelten.

Weizäcker würdigt seinen Nachfolger

Alt-Bundespräsident von Weizsäcker sagte der "Berliner Morgenpost", Rau habe durch seinen Einsatz für die Menschenwürde "Respekt auf allen Kontinenten" für Deutschland erworben. Zu Hause habe seine ganze Kraft dem humanen Zusammenleben mit "unseren Zuwanderern" gegolten. Der Abschied von Rau sei ein Abschied von einem Menschenfreund und für ihn von einem persönlichen Freund, schrieb von Weizsäcker in einem Gastbeitrag.

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Johannes Rau: Der gute Mensch aus Wuppertal

Spiegel sagte dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag", die jüdische Gemeinschaft habe mit Rau einen verständnisvollen Wegbegleiter verloren. Der Zentralrats-Präsident erinnerte an die Israel-Reisen des Altpräsidenten. Sie seien geprägt gewesen von dem Bemühen, Möglichkeiten auszuloten, um "die Kontakte zwischen Juden und Nichtjuden zu vertiefen". Mit dem Tod Raus "haben die in Deutschland lebenden Juden und das Land Israel einen treuen Freund und kundigen Ratgeber in schwierigen Situationen verloren. Der Beistand und die Unterstützung dieses Brückenbauers zwischen Völkern, Kulturen und Religionen werden uns fehlen", sagte Spiegel.

Nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Jürgen Falter hat die deutsche Sozialdemokratie mit Rau einen ihrer Eckpfeiler verloren. Er habe als einer der führenden Köpfe die SPD entscheidend geprägt und war lange eine Art "Übervater". Durch seine fast kumpelhafte Art sei er zu einem der beliebtesten Politiker in Deutschland geworden, sagte Falter den Dortmunder "Ruhr Nachrichten".



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