Trauerfeier Jung würdigt Verdienste "gefallener" Soldaten in Afghanistan

Das Wort "Krieg" meidet Franz Josef Jung im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Auf der Trauerfeier für die bei einem Anschlag getöteten Soldaten sprach der Verteidigungsminister jedoch erstmals von "gefallenen" Truppenmitgliedern.

Berlin/Zweibrücken - Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat die Verdienste der beiden bei einem Selbstmordanschlag in Afghanistan getöteten Soldaten für die Bundesrepublik Deutschland gewürdigt. Bei der Trauerfeier in Zweibrücken sagte Jung am Freitag: "Ich verneige mich vor den Toten, die für unser Land im Einsatz für den Frieden gefallen sind."

Verteidigungsminister Jung am Sarg eines gefallenen Soldaten: "Ich verneige mich vor den Toten"

Verteidigungsminister Jung am Sarg eines gefallenen Soldaten: "Ich verneige mich vor den Toten"

Foto: DPA

Jung sprach in seiner Rede mehrfach davon, dass die Soldaten "gefallen" seien. Bei der letzten Trauerfeier für einen ebenfalls in Afghanistan getöteten Hauptfeldwebel Anfang September verwandte er noch Formulierungen wie "aus dem Leben gerissen" und "ums Leben gekommen".

Der Bundeswehrverband verlangt seit einiger Zeit eine präzisere Ausdrucksweise im Zusammenhang mit dem Einsatz in Afghanistan. Nach dem Empfinden des Verbandsvorsitzenden Bernhard Gertz findet in Afghanistan ein "Krieg" statt, bei dem Soldaten "fallen". Jung hat die Verwendung des Wortes Krieges in dem Zusammenhang stets abgelehnt und spricht von einem bewaffneten Konflikt.

In seiner Rede in Zweibrücken bekräftigte Jung, der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan sei geprägt von der Strategie der vernetzten Sicherheit, bei der militärisches und ziviles Engagement Hand in Hand gehen. Den Einsatz als solchen rechtfertigte er mit den Worten: "Entweder bekämpfen wir den Terror in Afghanistan oder der Terror kommt zu uns."

Er betonte, die Bundesregierung sei trotz der gestiegenen Risiken nach wie vor von der Richtigkeit des Einsatzes in Afghanistan überzeugt. Zugleich mahnte der Minister an den Särgen der beiden Soldaten die "Unterstützung unserer Bürgerinnen und Bürger für diesen schweren Auftrag" an.

Der 25-jährige Stabsunteroffizier Patrick Behlke und der 22-jährige Stabsgefreite Roman Schmidt waren am Montag in der Nähe von Kunduz im Norden des Landes ermordet worden. Ein Selbstmordattentäter hatte sich ihnen auf einem Fahrrad genähert, als sie dem Hinweis auf ein verstecktes Waffenlager nachgegangen waren. Bei dem Anschlag wurden auch fünf afghanische Kinder getötet. Ein weiterer deutscher Soldat wurde verletzt.

"Wir wissen, was wir ihnen danken und schuldig sind", betonte Jung. "Es braucht Männer und Frauen, die sich mit ganzer Kraft für die Würde des Menschen, für Frieden und Freiheit einsetzen und dabei Risiken für sich selbst in Kauf nehmen."

Seit Beginn des Einsatzes Anfang 2002 sind 30 deutsche Soldaten ums Leben gekommen. Der Bundestag verlängerte vergangene Woche den Afghanistan-Einsatz und erhöhte die Mandatsobergrenze um 1000 auf 4500 Soldaten.

phw/AP/Reuters/dpa

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