Treffen im Kanzleramt Dalai Lama bedauert Merkel

Der Dalai Lama ist betrübt über die politischen Folgen seines Treffens mit Kanzlerin Merkel. Die Unannehmlichkeiten bedauert er - sie überraschen ihn jedoch nicht.


Berlin - Ein Vierteljahr ist das Treffen im Kanzleramt jetzt her. Aber Peking ist nicht zur Tagesordnung übergegangen. Noch immer trägt die chinesische Regierung der deutschen Bundeskanzlerin nach, dass sie sich im Kanzleramt mit dem Dalai Lama getroffen hat. Dem geistigen Oberhaupt der Tibeter tun die Folgen für die deutsche Regierungschefin leid: "Ich bedauere, dass durch diese Besuche den Menschen, die mich einladen, Unannehmlichkeiten entstehen, dass sie in Verlegenheit gebracht werden", sagte er der Zeitschrift "Cicero".

Treffen mit Folgen: Angela Merkel und der Dalai Lama im September im Kanzleramt
DPA

Treffen mit Folgen: Angela Merkel und der Dalai Lama im September im Kanzleramt

Merkel hatte mit ihrer Einladung eine Krise in den deutsch-chinesischen Beziehungen ausgelöst, die bis heute anhält. Die chinesische Regierung hatte als Reaktion eine ganze Reihe von Treffen und Dialogforen mit der deutschen Seite abgesagt. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte das Vorgehen der Kanzlerin kritisiert.

Die Reaktionen der chinesischen Behörden auf solche Treffen seien immer dieselben, sagte der Dalai Lama. "Für gewöhnlich folgen diesen Protesten keine weiteren Konsequenzen", fügte er aber hinzu.

Gleichzeitig beklagte er sich darüber, dass Politiker ihn schneiden würden, sobald sie in einer Spitzenposition seien. "Danach meiden sie mich, um Peking nicht zu verstimmen: Die wirtschaftlichen Beziehungen mit China gewinnen die Oberhand."

Der Dalai Lama bekräftigte, dass er keineswegs die Unabhängigkeit Tibets anstrebe. Er verlange nichts weiter als eine echte Autonomie, so wie sie in der chinesischen Verfassung vorgesehen sei. Das tibetische Oberhaupt warf den Chinesen zugleich "eine Art kulturellen Völkermord" an seinen Landsleuten vor und betonte: "Die Olympischen Spiele sind eine gute Gelegenheit, erneut auf das Problem aufmerksam zu machen."

ler/AP/ddp



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