Treffen mit Dalai Lama Wieczorek-Zeul sieht Termin nicht als Privatsache

Aller Kritik zum Trotz hat Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul den Dalai Lama getroffen. Zwar fand die Begegnung nicht im Ministerium statt, sondern in einem Hotel - dennoch pocht Wieczorek-Zeul darauf: Sie sei als Vertreterin der Bundesregierung aufgetreten, nicht als Privatfrau.


Berlin - Gut eine halbe Stunde traf sich Heidemarie Wieczorek-Zeul am Morgen mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter in einem Hotel in Berlin. Es sei ein "sehr gutes, fruchtbares Gespräch" gewesen, sagte Wieczorek-Zeul anschließend. Sie betonte auf Nachfrage, sie habe sich natürlich "auch als Vertreterin der Bundesregierung" mit dem Dalai Lama getroffen - und nicht als Privatmensch, wie es zuvor der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Walter Kolbow, im ZDF-"Morgenmagazin" gesagt hatte.

Dalai Lama und Ministerin Wieczorek-Zeul: Umstrittenes Treffen
DPA

Dalai Lama und Ministerin Wieczorek-Zeul: Umstrittenes Treffen

Mit dem Dalai Lama habe sie auch über den Dialog Chinas mit seinen Vertretern gesprochen, sagte die Ministerin. An der Position der Bundesregierung, die diese Annäherung unterstützt, habe sich nichts geändert.

Daneben sprach sie mit dem Friedensnobelpreisträger über Menschenrechte, den Kampf gegen die Armut und über eine gerechte Gestaltung der Globalisierung. Der Dalai Lama habe zudem sehr deutlich sein Mitgefühl für die Opfer der Erdbebenkatastrophe in China zum Ausdruck gebracht. "Wir leiden mit den Opfern und ihren Familien und trauern zutiefst", sagte Wieczorek-Zeul.

In der Pressekonferenz nach dem Treffen verwahrte sie sich erneut gegen die Anfeindungen aus den Reihen der eigenen Partei. "Ich finde, das wird weder den Menschen in der betroffenen Region gerecht noch der Persönlichkeit des Dalai Lama", sagte die SPD-Politikerin. Sie habe inzwischen mit SPD-Chef Kurt Beck über dessen Kritik gesprochen, wolle sich dazu aber öffentlich nicht äußern. Bereits am Freitag hatte die Ministerin auf SPIEGEL ONLINE Kritik aus ihrer Partei zurückgewiesen: "Ich verstehe die ganze Aufregung um das Treffen mit dem Dalai Lama nicht. Ich spreche regelmäßig mit Religionsführern. Warum nicht mit dem Dalai Lama?"

Beck hatte verschiedenen Berichten zufolge das Treffen der Ministerin mit drastischen Worten kritisiert und sich empört darüber gezeigt, dass Wieczorek-Zeul die Parteiführung nicht informiert habe. Er soll gesagt haben, als er von dem Termin erfahren habe, sei "der Scheiß" nicht mehr rückgängig zu machen gewesen.

Weil Außenminister Frank-Walter Steinmeier einen Empfang des Tibeters abgelehnt hatte, wird Wieczorek-Zeuls Vorstoß auch als Affront gegen den SPD-Vize und möglichen Kanzlerkandidaten gewertet. Nach dem Treffen sagte Steinmeiers Sprecher Martin Jäger lediglich: "Das nehmen wir zu Kenntnis." Davor hatte Jäger erklärt, wer die Lage der Tibeter verbessern wolle, müsse mit den chinesischen Führung sprechen.

Steinmeiers Absage an ein Treffen war vom Koalitionspartner Union kritisiert worden. Viele CDU-Politiker ohne Kabinettsrang trafen sich in den vergangenen Tagen mit dem Tibeter. Damit brach die Kontroverse vom September wieder auf, als Kanzlerin Merkel den Dalai Lama empfangen hatte, Steinmeier aber nicht. Merkel ist derzeit auf einer Lateinamerika-Reise.

Der Dalai Lama will zum Abschluss seiner Deutschlandreise am Nachmittag auf einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor sprechen.

ler/Reuters/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.