Treffen mit der Kanzlerin Papst debattiert mit Merkel über Finanzmärkte

Es ging um Europa und die Krise der Finanzmärkte: Kanzlerin Merkel hat sich in Berlin zu einem privaten Gedankenaustausch mit Benedikt XVI. getroffen. Zuvor hatte der Papst die Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber der Religion beklagt.

dapd

Berlin - Das Gespräch fand unter vier Augen statt - doch nun werden erste Details über die Unterhaltung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Papst Benedikt XVI. bekannt: In dem Gespräch ging es unter anderem um Europa und die beunruhigende Entwicklung auf den internationalen Finanzmärkten.

Politik sollte die Kraft haben, für die Menschen zu gestalten und nicht getrieben zu sein, sagte Merkel nach einem Gedankenaustausch mit dem Pontifex in der Repräsentanz der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin.

Die Bundeskanzlerin betonte, sie habe sehr deutlich gemacht, dass die europäische Einigung für die Deutschen unverzichtbar sei. Sie bedeute Wohlstand, Demokratie und Freiheit. "Europa interessiert den Papst sehr", betonte die Kanzlerin.

Am Nachmittag wird sich der Papst zum Auftakt seines viertägigen Deutschlandbesuchs in einer mit Spannung erwarteten Rede an den deutschen Bundestag wenden. Doch schon zum Auftakt seines Deutschland-Besuchs hatte er deutliche Worte gefunden - und eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber der Religion beklagt.

"Religion ist Grundlage für Miteinander"

Für das Zusammenleben der Menschen bedürfe es einer verbindlichen Basis, sonst lebe jeder nur noch seinen Individualismus, sagte das katholische Kirchenoberhaupt an diesem Donnerstag bei der offiziellen Begrüßungszeremonie am Schloss Bellevue.

"Die Religion ist eine dieser Grundlagen für ein gelingendes Miteinander", sagte der Papst vor mehr als tausend Gästen. Bei seinem Deutschland-Besuch wolle er in erster Linie Menschen begegnen und über Gott sprechen.

Zuvor hatte Bundespräsident Christian Wulff den Papst mit den Worten "Willkommen zu Hause, Heiliger Vater" begrüßt. Wulff sagte in seiner Ansprache, das katholische Kirchenoberhaupt komme in ein Land, "dessen Geschichte und Kultur eng verflochten sind mit dem christlichen Glauben und dem Ringen um diesen Glauben."

Die Bundesrepublik sei aber auch ein Land, "in dem der christliche Glaube sich nicht mehr von selbst versteht, in dem die Kirche ihren Ort in einer pluralen Gesellschaft neu bestimmen muss", betonte der Bundespräsident.

"Das ist normal in einer freien Gesellschaft"

Benedikt hatte sich schon auf dem Weg nach Deutschland zum Mitgliederschwund der katholischen Kirche in Deutschland geäußert: Er rief die Katholiken dazu auf, der Kirche trotz der Missbrauchsskandale nicht den Rücken zu kehren. Er habe Verständnis, dass einige Menschen, insbesondere die Opfer und Angehörigen von sexuellem Missbrauch, sagten, "dies ist nicht länger meine Kirche".

Zu den angekündigten Protesten gegen seinen Besuch hatte er sich gelassen geäußert . "Das ist normal in einer freien Gesellschaft", so der Papst. Dagegen sei nichts zu sagen, wenn man es denn auf zivile Weise tue. Er komme freudig nach Deutschland. "Ich bin in Deutschland geboren, die Wurzel kann und soll nicht abgeschnitten werden." Dies gelte auch nun, da er oberste Verantwortung für die Weltkirche trage.

Benedikt war um 10.16 Uhr mit einer Maschine der italienischen Fluggesellschaft Alitalia auf dem Flughafen Berlin-Tegel gelandet. Dort wurde er von Bundespräsident Christian Wulff, Kanzlerin Angela Merkel und Kirchenvertretern in Empfang genommen . Daraufhin fuhren der Papst und sein Gefolge zum Schloss Bellevue, wo ihn Wulff offiziell begrüßte.

jok/dpa/dapd



insgesamt 113 Beiträge
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Seite 1
cemi 22.09.2011
1. Einfach grandios
Prima Idee. Die beste Kanzlerin aller Zeiten lässt sich jetzt also nicht nur von Herrn Ackermann sondern auch vom Papst in Sachen Finanzmärkte beraten. Dann wird ja jetzt alles gut. Alternativlos, sozusagen... ;-)
artist69 22.09.2011
2. Selber schuld.
Was beklagt sich der Mann, vielleicht sollte er mal ein modernes Konzept entwickeln. Und der Sache auf den Grund gehen, warum sein Gelaber keine Sau interessiert oder gar anwidert.
doubledamage 22.09.2011
3. ...
Kann mir vorstellen, dass die Lage an den Finanzmärkten den Papst beunruhigt. Immerhin muss die Vatikanbank auch Kasse machen und Gewinne abwerfen.
willem.fart 22.09.2011
4. Grins
"Papst debattiert mit Merkel über Finanzmärkte" Da reden zwei Blinde über Farben.
omg11, 22.09.2011
5.
Bei dieser Krise hilft auch kein Beistand von Oben...
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