Trittin Dosenpfand ab 2001

Ab Mitte nächsten Jahres soll auf Dosen und Einweg-Glasflaschen ein Pfand erhoben werden. Das sagte Jürgen Trittin (Grüne). Der Umweltminister stellte in Berlin eine Ökobilanz für Getränkeverpackungen vor.


Berlin - Das Pfand auf Bierdosen ab Sommer 2001 ist beschlossene Sache, aber über dessen Höhe und Ausgestaltung solle noch verhandelt werden, so Trittin. Laut Ökobilanz hätten Mehrwegflaschen - ganz gleich, ob aus Glas oder Kunststoff - gegenüber Dosen und Einwegflaschen klare Umweltvorteile.

AP
Überraschend schnitt der Einweg-Getränkekarton in etwa so gut ab wie die Mehrweg-Glasflasche. Der Grünen-Politiker führte dies auch auf den hohen Stand des Verbundkarton-Recyclings zurück. In einer ersten Ökobilanz des Umweltbundesamtes waren 1995 Verpackungen für Bier und Frischmilch untersucht worden. Auch damals gab es eine Überraschung: Bei Milch konnten zwischen der Mehrwegflasche und dem Schlauchbeutel aus Kunststoff keine größeren Unterschiede bei der Wirkung auf die Umwelt ermittelt werden.

Trittin zog aus den beiden Bilanzen die Schlussfolgerung: "Es ist ökologisch gerechtfertigt, Mehrweg in besonderer Weise zu schützen und zu fördern." Dies könne durch zwei Alternativen geschehen: Durch eine Pfandpflicht auf die nachteiligen oder durch eine Belohnung der vorteilhaften Verpackungen. Beide Möglichkeiten sollen jetzt mit Herstellern, Verbänden und Ländern erörtert werden.

Als Vorteile einer Pfandpflicht nannte Trittin, dass dadurch die Verwertung gesichert und somit der ökologische Schaden minimiert werde. Auch werde damit der "Vermüllung der Landschaft" vorgebeugt. Durch Belohnung der vorteilhaften Verpackungen wiederum könne die Mehrwegquote angehoben werden: Der Getränkekarton könne einbezogen werden, und die Milch, die nur in vorteilhaften Gebinden angeboten wird, könne ganz aus der Systematik herausgenommen werden. Trittin machte aber auch deutlich, dass es unabhängig von dieser Diskussion ein Pfand auf Bierdosen geben werde. Dies setze die unter der Vorgängerregierung verabschiedete Verpackungsverordnung von 1991 fest. Darin ist das Pfand als Schutzklausel für Mehrweg-Getränkeverpackungen vorgesehen. Sollte deren Anteil drei Jahre hintereinander unter 72 Prozent liegen - dem Wert von 1991 -, muss ein Zwangspfand von 50 Pfennig pro Einwegverpackung erhoben werden.

Die 72-Prozent-Quote wurde bereits 1997 und 1998 bei Bier- und Mineralwasser unterschritten. Auch für 1999 wird dies erwartet. Sechs Monate nach der am Jahresende erwarteten Bekanntgabe der Unterschreitung werde die Pfandpflicht eingeführt, so Trittin.

Der Umweltminister sagte, er wolle über die Höhe des Pfands verhandeln. Trittin sprach von 15 bis 30 Pfennig Dosenpfand, so viel wie in Schweden.



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