Sachsen-Anhalt Integrationslotsen sollen Asylbewerber betreuen

Nach den Vorfällen von Tröglitz will Sachsen-Anhalt die Willkommenskultur für Asylbewerber verbessern. Ehrenamtliche Integrationslotsen sollen Flüchtlingen im Alltag helfen. Kosten: acht Millionen Euro.
Innenminister Stahlknecht (rechts) in Tröglitz: Plan für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer

Innenminister Stahlknecht (rechts) in Tröglitz: Plan für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Zur besseren Integration von Flüchtlingen sollen sich in Sachsen-Anhalt künftig ehrenamtliche Integrationslotsen um Asylbewerber kümmern und Kontakte zu Behörden und Vereinen herstellen. Diesen Vorschlag wolle Landesinnenminister Holger Stahlknecht (CDU) am Dienstag bei einem Treffen der Landräte unterbreiten. Das berichtet die "Mitteldeutsche Zeitung". "Die Integrationslotsen sollen von den Kommunen berufen werden und eine Aufwandsentschädigung erhalten", sagte Stahlknecht dem Blatt.

Für diese Initiative und für weitere Integrationsprojekte will Stahlknecht dem Bericht zufolge acht Millionen Euro zur Verfügung stellen. Mit den Integrationslotsen solle nach den Demonstrationen gegen neue Flüchtlingsunterkünfte die Willkommenskultur in Sachsen-Anhalt gestärkt werden.

Dabei spielen laut Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) auch die Schulen im Land eine wichtige Rolle. Klassen oder Arbeitsgemeinschaften könnten "rausgehen und mithelfen, im Umfeld der Schule eine Willkommenskultur zu schaffen", sagte Dorgerloh.

Ältere Schüler könnten in ihrer Freizeit den Flüchtlingen helfen, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden, und dabei ihre Englischkenntnisse einsetzen. Der Kontakt mit Migranten könne Vorurteile und Ängste abbauen. Entsprechende Pläne für das kommende Schuljahr würden im Ministerium vorbereitet.

In Tröglitz in Sachsen-Anhalt hatten Anfang April Unbekannte einen Brand in einem weitgehend leer stehenden Gebäude gelegt, in dem ab Mai Asylbewerber untergebracht werden sollten. Zuvor war der dortige Bürgermeister wegen Protesten Rechtsextremer gegen Flüchtlinge zurückgetreten.

Im Streit von Bund und Ländern um die Kosten der Flüchtlingsunterbringung strebt die SPD unterdessen eine rasche Lösung an. "Wir werden noch bis zu diesem Sommer die Fragen der Kosten bei der Aufnahme von Flüchtlingen regeln", sagte der Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann der dpa. "Ich bin der Meinung, dass die Aufnahme von Flüchtlingen als Folge internationaler Konflikte eine nationale Aufgabe ist."

An den Kommunen dürften die Kosten dafür nicht hängen bleiben. "Wichtige kommunale Dienstleistungen in Bildung, Sport und Kultur dürfen nicht mit der Begründung gestrichen werden, dass die Mittel für die Aufnahme von Flüchtlingen gebraucht werden."

Länder und Gemeinden streben ein Spitzentreffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hierzu an. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schätzt, dass dieses Jahr rund 300.000 Flüchtlinge kommen. Die Länder rechnen mit viel mehr und fordern deshalb auch mehr Geld vom Bund.

fab/AFP/dpa