Gefahr nach Truppenabzug Bundeswehrsoldat sammelt Spenden für afghanische Ortskräfte

Nach dem Truppenabzug aus Afghanistan droht Ortskräften, die der Bundeswehr im Einsatz geholfen haben, die Rache der Taliban. Ein Soldat will ihnen helfen, das Land zu verlassen.
Der Bundeswehrsoldat Marcus Grotian unterhält sich 2015 in Berlin mit einem Mann aus Afghanistan

Der Bundeswehrsoldat Marcus Grotian unterhält sich 2015 in Berlin mit einem Mann aus Afghanistan

Foto: Britta Pedersen / picture alliance / dpa

Ende Juni landete die letzte Bundeswehrmaschine mit deutschen Soldaten aus Afghanistan. Zurück bleiben viele Ortskräfte, die der Truppe während des fast 20 Jahre dauernden Einsatzes geholfen haben. Sie sind nun teilweise in großer Gefahr. Viele von ihnen fürchten Attacken von radikalislamischen Taliban.

Zwar ist Anfang Juli das Schutzprogramm für die Ortskräfte angelaufen und erste Afghanen sind mit ihren Familien nach Deutschland ausgereist. Doch Kritiker halten die Bedingungen, in das Schutzprogramm aufgenommen zu werden, für zu streng, auch die Organisation der Ausreise sei verbesserungswürdig. Der Bundeswehrsoldat und Vorsitzende des »Patenschaftsnetzwerks Afghanische Ortskräfte« Marcus Grotian will daher für die Bezahlung der Flugtickets Spenden sammeln. Das sagte Grotian, der selbst im Afghanistaneinsatz war, der »Süddeutschen Zeitung«.

Zunächst sollten alle verbliebenen ehemaligen Mitarbeiter der Bundeswehr, die das wünschten, nach Kabul gebracht werden, um sie von dort aus mit Linienflügen aus dem Land zu bringen. Wenn dies nicht ausreiche, solle aus privaten Mitteln eine Maschine gechartert werden, sagte Grotian. Die FDP-Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann verkündete auf Twitter, bereits gespendet zu haben.

Die deutschen Soldaten sind mittlerweile zurück: Ende Juni kam die letzte Maschine mit Bundeswehrsoldaten in Wunstorf an

Die deutschen Soldaten sind mittlerweile zurück: Ende Juni kam die letzte Maschine mit Bundeswehrsoldaten in Wunstorf an

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

»Ich kann das moralische Versagen, das ich hier wahrnehme, nicht in Worte fassen«, hatte Grotian bereits dem Redaktionsnetzwerk Deutschland gesagt. »Ganz viele Rädchen drehen sich. Doch sie greifen nicht ineinander.«

Kritisiert wird an dem aktuellen Schutzprogramm zum Beispiel der Umgang mit Helfern der Bundeswehr, die bei Dienstleistern und nicht direkt bei der Truppe unter Vertrag standen. Die Afghanen arbeiteten zwar oft täglich im deutschen Lager, können sich aber nicht für das Schutzprogramm bewerben. Laut dem Innenministerium ist für sie »in erster Linie der jeweilige Arbeitgeber zuständig« – und nicht die Bundesregierung.

Außerdem ist für viele Helfer unklar, wie sie sich für das Programm überhaupt bewerben können. Grotian kritisierte zudem, dass die Ortskräfte die Reisekosten für ihre Familien selbst tragen müssen.

Bundeswehr hat im Eiltempo Visa erteilt

Die Bundeswehr hatte kurz vor ihrem Abzug im Eiltempo Ausreisepapiere für insgesamt 471 afghanische Helfer organisiert. Sie hatten als sogenannte Ortskräfte in den vergangenen beiden Jahren zum Beispiel als Dolmetscher für die Truppe gearbeitet.

Die Betroffenen werden zum großen Teil seit längerer Zeit von den Taliban bedroht. Die Afghanen dürfen auch ihre Ehefrauen und minderjährigen Kinder mit nach Deutschland nehmen. Für diese Angehörigen wurden nach Angaben der Truppe zusätzliche 2380 Visa ausgestellt.

Wegen des Schutzprogramms gab es Ärger innerhalb der Bundesregierung. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) setzte sich für eine großzügige Aufnahme früherer Helfer der Bundeswehr ein, aus dem Innenressort und dem Entwicklungsressort kam indes Widerstand.

lau
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