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14. Dezember 2010, 16:44 Uhr

Truppenbesuch mit Gattin

Guttenberg will es wieder tun

Mit Ehefrau und Talkshow-Moderator reiste Verteidigungsminister Guttenberg nach Afghanistan, Opposition und FDP kritisierten den glamourösen Auftritt heftig. Den CSU-Politiker ficht das nicht an: Selbstverständlich werde er seine Frau wieder zu Soldaten mitnehmen.

Berlin - Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat die Kritik an der gemeinsamen Afghanistan-Reise mit seiner Frau zurückgewiesen. "Ich werde meine Ehefrau selbstverständlich wieder zu den Soldaten mitnehmen, wenn wir das für richtig halten, so wie es gestern richtig war", sagte Guttenberg, der inzwischen wieder in Berlin ist, am Dienstag vor einer Unionsfraktionssitzung. Er werde zudem auch weiter Journalisten mitnehmen, wenn dies dazu diene, das Verständnis über die Lage der Bundeswehrsoldaten vor Ort zu verbessern.

Der Minister war nicht nur von der Opposition, sondern auch aus der FDP dafür kritisiert worden, dass er seine Frau sowie den Fernsehmoderator Johannes B. Kerner mit nach Afghanistan genommen hatte. Als "ministerielle PR-Aktion mit Gattin und Talkshow-Tross" schmähte Linke-Fraktionschef Gregor Gysi die Reise. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel rügte den Trip als "absolut unangemessen", es habe nur noch das Fernsehsternchen Daniela Katzenberger gefehlt. "Da hätten wenigstens die Soldaten was davon."

Die Union konterte die Angriffe. Spitzenpolitiker von CSU und CDU verteidigten den Afghanistan-Ausflug des Ehepaars Guttenberg - und stichelten ihrerseits gegen die Opposition. "Gabriels Flegelei macht einfach nur fassungslos. Diese Respektlosigkeit beleidigt nicht zuletzt unsere Soldatinnen und Soldaten, die in Afghanistan einen harten und schwierigen Dienst tun. Wenn Gabriel nur einen Funken Anstand hat, entschuldigt er sich sofort bei allen Beteiligten", erklärte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt.

Auch aus der CDU erhielt der Minister Rückendeckung. Generalsekretär Hermann Gröhe hatte gesagt, er finde es "richtig und durchaus in die Zeit vor Weihnachten passend, dass es einen starken, auch persönlich emotionalen Beitrag der Solidarität mit den Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan" gebe.

Beim Koalitionspartner FDP war die Stimmung dagegen deutlich gedämpfter - dort waren nicht alle über den Blitzbesuch am Hindukusch erfreut. "Ich würde dem Minister zu mehr Zurückhaltung raten und ihm stattdessen empfehlen, die nach wie vor bestehenden Ausbildungs- und Ausrüstungsdefizite bei der Truppe zeitnah zu beheben", sagte Elke Hoff, sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Das Letzte, was die Truppe jetzt braucht, ist die Anwesenheit von geschätzten Talkshow-Moderatoren. Das passt einfach nicht."

ore/dpa/dapd/Reuters

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