Umfrage 91 Prozent der Deutschen misstrauen der Türkei

Eine große Mehrheit der Deutschen hält die Türkei unter Präsident Erdogan nicht für einen vertrauenswürdigen Partner. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor.

Recep Tayyip Erdogan
AFP

Recep Tayyip Erdogan


Die Auseinandersetzungen mit der Türkei lassen das Vertrauen der Deutschen in das Land massiv schwinden. 91 Prozent der Befragten misstrauen laut dem ARD-Deutschlandtrend der Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan - zwölf Prozent mehr als im April.

Nur sieben Prozent glauben der Umfrage zufolge, dass die Türkei ein vertrauenswürdiger Partner ist. 89 Prozent fordern deshalb, dass das Land alle Auflagen der EU erfüllt haben muss, bevor ihm Visafreiheit gewährt wird. Nur sieben Prozent der Befragten gaben an, man sollte der Türkei entgegenkommen, um das EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen nicht zu gefährden.

Die Armenien-Resolution des Bundestages stößt in der deutschen Bevölkerung auf große Zustimmung: 74 Prozent der Befragten finden es in der von Infratest dimap erstellten Umfrage richtig, dass das Parlament am Donnerstag die Vertreibung und Ermordung von Armeniern als Völkermord einstufte. Dagegen sprachen sich 18 Prozent aus.

Deutsche gegen Brexit

Die klare Mehrheit der Deutschen wünscht sich zudem, dass Großbritannien Mitglied der EU bleibt. 79 Prozent der Befragten sprachen sich für einen Verbleib in der EU aus, 15 Prozent dagegen. In Großbritannien entscheiden die Briten am 23. Juni über den sogenannten Brexit. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte die Briten am Donnerstag vor gravierenden Nachteilen bei einem Austritt.


Angaben zur Umfrage:

  • Grundgesamtheit: Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren
  • Fallzahl: 1006 Befragte
  • Erhebungszeitraum: 30.5.2016 bis 31.5.2016
  • Erhebungsverfahren: Telefoninterviews (CATI)
  • Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl/Dual Frame
  • Fehlertoleranz: 1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
    * bei einem Anteilswert von 5%
    ** bei einem Anteilswert von 50%
Ein Brexit würde die britische Wirtschaft wahrscheinlich schwächen. Davon gehen jedenfalls drei wissenschaftliche Studien aus:
Die OECD schätzt, dass das britische Bruttoinlandsprodukt selbst im optimistischsten Szenario zurückgehen würde.
Die London School of Economics hat für eine britische Zukunft außerhalb der EU sogar noch düstere Aussichten und begründet das mit Einbußen im britischen Handel mit der EU.
Nur der konservative Think Tank Open Europe sieht in seiner Studie auch das Potenzial für eine wirtschaftliche Stärkung. Er setzt offenbar auf eine Deregulierung der britischen Wirtschaft, sollten die EU-Vorgaben wegfallen.

brt/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.