Nach kurdischem Festival in Köln Ankara bestellt deutschen Botschafter ein

"Terrorpropaganda": Die Türkei hat der deutschen Regierung vorgeworfen, eine kurdische Demonstration in Köln genehmigt zu haben. Deshalb wurde nun der Botschafter ins Außenministerium in Ankara zitiert.

Kurden demonstrieren in Köln (Archivbild)
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Kurden demonstrieren in Köln (Archivbild)


Der deutsche Botschafter in Ankara, Martin Erdmann, ist ins türkische Außenministerium bestellt worden. Hintergrund sei ein kurdisches Festival in Köln, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu. Man verurteile die Veranstaltung der mit den "PKK-Terroristenorganisationen" verbundenen Gruppen und dass die Verbreitung von "Terrorpropaganda" zugelassen worden sei, hieß es am späten Samstagabend in einer Erklärung des Außenministeriums.

Anadolu verwies in der Meldung auf eine Kundgebung am Samstag in Köln, bei der 3000 prokurdische Demonstranten die Freilassung des inhaftierten Anführers der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), Abdullah Öcalan, gefordert hätten. Nach einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" nahmen dagegen 12.000 Menschen an der Veranstaltung teil und traten dabei für die Rechte der Kurden in der Türkei ein unter dem Motto "Freiheit für Öcalan, Status für Kurdistan, Demokratie für den Mittleren Osten". Die PKK wird in der Türkei, der Europäischen Union und den USA als Terrorgruppe eingestuft.

Der deutsche Botschafter Erdmann wurde bereits wiederholt ins Außenministerium in Ankara einbestellt. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland sind nach einer Reihe von Vorfällen sowie dem harschen Vorgehen der türkischen Führung gegen mutmaßliche Unterstützer des Putschversuchs im Juli 2016 angespannt. Die Regierung in Ankara wirft der Bundesregierung vor, nicht genug gegen die PKK zu unternehmen. In der Erklärung vom Samstag hieß es, Deutschland messe beim internationalen Kampf gegen den Terrorismus mit zweierlei Maß.

Umgekehrt fordert die Bundesregierung von der Türkei, inhaftierte deutsche Staatsbürger unverzüglich freizulassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte am Samstag, man werde die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Türkei weiter zurückfahren und Projekte auf den Prüfstand stellen müssen.

bam/dpa/Reuters

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