Mutmaßlicher Angriff auf Journalisten Hamburger Senat fordert von Türkei Aufklärung

Beim Auftritt des türkischen Außenministers in Hamburg soll ein "Zeit"-Journalist attackiert worden sein. Stadtpolitiker fordern die Regierung in Ankara auf, sich zu den Vorwürfen zu verhalten.

Mevlut Cavusoglu in Hamburg
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Mevlut Cavusoglu in Hamburg


Bei einer Veranstaltung mit dem türkischen Außenminister in Hamburg soll es zu einem Angriff auf einen Journalisten der Wochenzeitung "Die Zeit" gekommen sein. Der Hamburger Senat zeigt sich durch die Vorwürfe alarmiert: In einem Schreiben hat der Staatsrat für Auswärtige Angelegenheiten, Wolfgang Schmidt, den türkischen Generalkonsul um Unterstützung bei der Aufklärung des Vorfalles und um eine Stellungnahme gebeten.

Der Journalist Sebastian Kempkens ist nach eigenen Angaben auf dem Gelände der Residenz des Generalkonsuls von mehreren Angreifern mit kleinen Fahnen geschlagen worden. Als er vom Gelände geschoben wurde, habe ihn ein Schlag ins Gesicht getroffen. Dabei habe er seine Brille verloren, sei aber nicht verletzt worden. Vor dem Gelände sei ihm gesagt worden: "Du verdankst es Erdogans Menschlichkeit, dass du noch lebst", schrieb Kempkens auf Twitter.

Video: Auftritt des türkischen Außenministers in Hamburg

Anlass sei offenbar gewesen, dass er ein Schild mit der Aufschrift "FreeDeniz" hochgehalten habe. Mit dieser Parole fordern Unterstützer die Freilassung des in der Türkei inhaftierten "Welt"-Journalisten Deniz Yücel.

Der Senat reagierte auf die Vorwürfe. "Ein solches Verhalten wäre ein schwerer Verstoß gegen die Meinungs- und Pressefreiheit und absolut inakzeptabel", sagte ein Sprecher. Die Bürgerschaftsfraktionen der Linken und der Grünen verurteilten den Übergriff scharf und forderten eine lückenlose Aufklärung.

Der türkische Außenminister hatte am Mittwoch in Berlin Bundesaußenminister Sigmar Gabriel getroffen. Eines der Themen bei der Zusammenkunft im Hotel Adlon war auch die Untersuchungshaft des Journalisten Yücel.

Im Video: Die deutsch-türkischen Beziehungen - Chronologie der Ereignisse

REUTERS
Meinungskompass

asa/dpa

insgesamt 55 Beiträge
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hugahuga 08.03.2017
1.
Das verwundert doch hoffentlich niemanden, oder? Wer der Meinung ist, dass alle in Deutschland lebenden Türken nur friedfertig sind, versteht nichts von der Wahrscheinlichkeits-Berechnung. Man sollte es nicht über dramatisieren, denn die Presseleute können auch ganz schön penetrant sein. Allerdings - sollten sich türkische Politiker weiterhin unflätig gegenüber unserem Staat benehmen und sollten sich türkische Mitbürger hier in Deutschland bemüßigt fühlen, gegeen Andersdenkende vorzugehen, dann könnte es schon noch sehr ungemütlich auf unseren Strassen werden. Das hat dann allerdings auch mit der weichgespülten deutschen Politik gegenüber der Türkei zu tun.
ympertrymon 08.03.2017
2. Langsam ...
... sollte er mit einem Schild "demonstriert" haben, greift wohl kaum die Pressefreiheit - oder ist er dabei offiziell als Pressevertreter aufgetreten? Wohl kaum. Meinungsfreiheit? Sehe ich nur teilweise, er hat sich auf Privatgelände aufgehalten, Stichwort Hausrecht. Man kann gerne darüber streiten ob eine Gewaltanwendung angemessen war, aber daraus einen Skandal zu konstruieren? Bitte lasst die Kirche im Dorf, das hilft nicht weiter ...
dirk1962 08.03.2017
3. Es ist doch sinnlos
Freundschaft mit der Türkei? Das war vor Erdogan. Ich denke wir sollten akzeptieren, dass die Türkei keine Freundschaft zu Deutschland will. Also wozu noch? Vergessen wir die Türkei, vergessen wir die peinlichen Auftritte von Ministern, die offensichtlich nicht einmal Umgangsformen haben. Jeder dieser Auftritte beschleunigt den wirtschaftlichen Niedergang der Türkei, da sich sowohl potentielle Investoren wie auch Touristen mit Grauen abwenden. Also wozu noch?
rips55 08.03.2017
4. Bestätigung
Damit bestätigt sich doch, dass diese Veranstaltungen genau dazu führen, was alle Kritiker befürchten: Die türkische Innenpolitik wird nach Deutschland getragen und gefährdet die innere Sicherheit und Ordnung. Wenn es eines Grundes für ein Verbot dieser Veranstaltungen bedarf, so liegt er jetzt wohl vor.
kakadu 08.03.2017
5. Schlammschlacht Runde 2
Erdogan wird rufen "Lüge, Unterstellung, Vwrschwörung" und auch die liberalen Türken werden dadurch aufgefordert sich uneingeschränkt hinter Erdogan zu stellen, damit sie kein Hofverrat begehen. Na klasse. Der Gewinner steht bereits fest.
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