Waffen für die Türkei Kirchen werfen Merkel Wortbruch bei Rüstungsexporten vor

Zu Beginn der Syrienoffensive versprach Kanzlerin Merkel einen Exportstopp deutschen Kriegsgeräts in die Türkei. Es fanden jedoch noch mehrere Lieferungen statt, behauptet nun die Kirche.
Merkel am 17. Oktober im Bundestag: "Unter den jetzigen Bedingungen keine Waffen an die Türkei liefern"

Merkel am 17. Oktober im Bundestag: "Unter den jetzigen Bedingungen keine Waffen an die Türkei liefern"

Foto: Michael Kappeler/ DPA

Die Kirchen haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgeworfen, beim angekündigten Lieferstopp von Waffen an die Türkei nicht Wort gehalten zu haben.

In den ersten sechs Wochen nach einer entsprechenden Ankündigung Merkels im Oktober habe es vier Lieferungen gegeben, sagte Prälat Martin Dutzmann bei der Vorlage des Rüstungsexportberichts der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) in Berlin (hier als pdf ). Außerdem seien Rüstungsexporte an die Türkei für gut drei Millionen Euro genehmigt worden.

Wegen der türkischen Militäroperation in Syrien gegen die Kurdenmiliz YPG hatte die Bundesregierung zunächst angekündigt, keine Exporte von Waffen an die Türkei genehmigen zu wollen, die in dem Konflikt eingesetzt werden können. Merkel sagte dann Mitte Oktober im Bundestag darüber hinaus, die Militäroperation sei ein humanitäres Drama mit großen geopolitischen Folgen - "deshalb wird die Bundesregierung unter den jetzigen Bedingungen auch keine Waffen an die Türkei liefern".

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"Eine restriktive Rüstungspolitik sieht anders aus"

Dutzmann sagte, allein in den ersten acht Monaten des Jahres habe Deutschland an den Nato-Partner Türkei Kriegswaffen für gut 250 Millionen Euro geliefert. Der Einsatz deutscher Leopard-2-Panzer durch die Türkei zeige zudem, dass mit deutschen Waffen Krieg geführt werde. "Eine restriktive Rüstungspolitik sieht anders aus."

Der katholische GKKE-Vorsitzende, Prälat Karl Jüsten, zweifelte die Werte der Europäischen Union in ihrer Rüstungspolitik an. Die EU und ihre Mitgliedstaaten würden Ansprüchen einer verlässlichen, restriktiven Rüstungskontrollpolitik nicht gerecht. Mit Blick auf den andauernden Krieg im Jemen forderte Jüsten "ausdrücklich", keine Waffen an Länder zu liefern, die an diesem Krieg beteiligt sind. Dies schließe Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate mit ein.

Dem Bericht der Kirchen zufolge lagen die Rüstungsexporte mit gut 4,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr zwar um 1,4 Milliarden Euro unter denen des Jahres 2017. Allerdings habe es im ersten Halbjahr dieses Jahres einen deutlichen Anstieg auf 5,33 Milliarden Euro gegeben. Damit sei kein Trend zu einer restriktiven Rüstungsexportpolitik zu erkennen.

cht/AFP