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Urlaub trotz Coronakrise Streit um Türkei-Reisewarnung spitzt sich zu

Die Türkei drängt auf eine rasche Aufhebung der deutschen Reisewarnung. Doch nach SPIEGEL-Informationen fürchtet die Bundesregierung, dass Urlauber bei Corona-Verdacht mit einem umstrittenen Malaria-Medikament zwangsbehandelt werden.
aus DER SPIEGEL 27/2020
Strand bei Antalya

Strand bei Antalya

Foto: SCHAPOWALOW

Im Streit mit der Türkei um eine Lockerung der Reisewarnung für Urlauber zeigt sich das Auswärtige Amt (AA) kompromisslos. Eingeweihten zufolge signalisierte die deutsche Seite der türkischen kürzlich, dass zunächst eine Corona-Vorschrift in der Türkei fallen müsse. Jeder mit dem Virus Infizierte muss dort umgehend in ein Krankenhaus, um sich mit dem für Covid-19 umstrittenen Medikament Hydroxychloroquin behandeln zu lassen.

DER SPIEGEL 27/2020

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Aus Sicht des AA kann die Bundesregierung die Reisewarnung wegen dieser Zwangsbehandlung nicht lockern. Das Medikament ist in Deutschland nicht zur Therapie von Covid-19-Patienten zugelassen, zudem sind die Wirkung der Behandlung und die Risiken für die Patienten unklar.

US-Behörden hatten bei dem Malariamittel, das Präsident Donald Trump vorbeugend eingenommen haben will, vorübergehend eine Sonderzulassung für Covid-19-Erkrankte erteilt.

Ein weiteres Argument des AA, es bei der Reisewarnung zu belassen, ist die Einstufung der Türkei als Risikogebiet durch das Robert Koch-Institut. Grund für die Klassifizierung sind die immer noch hohen Infektionszahlen, da durchschnittlich mehr als 50 Menschen pro 100.000 Einwohner in der Türkei positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden.

Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu zeigte sich "enttäuscht" über die Einschätzung des AA und bemängelte, es gebe für die anhaltende Reisewarnung "keinen objektiven und wissenschaftlichen Grund". Am Freitagabend erfuhr der SPIEGEL aus türkischen Regierungskreisen, dass der Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy und Çavuşoğlu am kommenden Donnerstag zu Gesprächen nach Berlin kommen sollen.

gf/mgb
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