Türkisch-syrische Grenze Bundeswehrverband besorgt über "Patriot"-Einsatz

Bis zu 200 deutsche Soldaten sollen an der türkisch-syrischen Grenze stationiert werden. Der Bundeswehrverband ist deshalb besorgt - und fordert die Bundesregierung auf, offene Fragen zu dem Einsatz schnell zu beantworten.


Berlin - Der Bundeswehrverband beurteilt den geplanten Einsatz von bis zu 400 deutschen Soldaten an der syrischen Grenze mit großer Sorge. Angesichts der Spekulationen über ein internationales Eingreifen bei einem Chemiewaffeneinsatz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad stelle sich die Frage, "ob da etwas herbeigeredet werden soll", sagte Verbandschef Chef Ulrich Kirsch der "Augsburger Allgemeinen".

"Eine Intervention wäre erst dann angemessen, wenn das Assad-Regime massiv Gift wie Sarin einsetzen würde", sagte Kirsch. Er warnte vor einem Automatismus der Krise. "Die Verhältnismäßigkeit muss gegeben sein", sagte der Oberst. Kirsch forderte eine offene Debatte über die Risiken des Einsatzes: "Die Bundesregierung muss die offenen Fragen, die der Einsatz mit sich bringt, sehr schnell beantworten."

Auch der Bundestag müsse sich mit allen Aspekten des Einsatzes der "Patriot"-Raketenabwehr beschäftigen. Er sollte sich auch mit der Frage befassen, in welcher Situation die Bundeswehr ihre Einheiten zurückziehen müsse, forderte Kirsch.

Das Bundeskabinett hatte am Donnerstag beschlossen, bis zu 400 Bundeswehrsoldaten zusammen mit dem "Patriot"-System zur Abwehr von Raketen oder Flugzeugen auf dem Territorium des Nato-Partners Türkei zu stationieren. Das geplante Mandat für den "Patriot"-Einsatz soll auch Überwachungsflüge mit Awacs-Flugzeugen umfassen, die routinemäßig bereits seit Jahren stattfinden. Die türkische Regierung und die syrische Opposition fordern seit Monaten eine Flugverbotszone in Syrien, um die Luftüberlegenheit der syrischen Armee zu beenden.

als/AFP/Reuters

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de-be 07.12.2012
1.
Können wir mit diesem Thema nicht noch zwei Jahre warten? Denn dann könnten wir zum 100sten sicherlich auf allen TV-Programmen ausgiebig das Lehrstück der Automatismen die zu einem Weltkrieg führten betrachten. Vielleicht würde der einen oder andere daraus ja noch was lernen. Wir sind auf dem besten Weg, ähnliche Automatismen erneut zu etablieren.
porkypork 07.12.2012
2.
Offensichtlich ist Verbandschef Kirsch jemand, der seinen Kopf noch zum Mitdenken benutzt.
mallorcafan 07.12.2012
3. Was
Zitat von sysopDPABis zu 200 deutsche Soldaten sollen an der türkisch-syrischen Grenze stationiert werden. Der Bundeswehrverband ist deshalb besorgt: Die Bundesregierung müsse offene Fragen zu dem Einsatz schnell beantworten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/tuerkisch-syrische-grenze-bundeswehrverband-besorgt-ueber-patriot-einsatz-a-871505.html
mich an dem Einsatz stört ist, dass ev. deutsche Soldaten sterben müssen, um den Islamisten zu ermöglichen, auch aus Syrien einen Gottesstaat zu machen. Ganz schön blöd.
H.Lorenz 07.12.2012
4. Soviel ehrliche Berichterstattung ...
... hätte ich dem Spiegel gar nicht zugetraut. Ein weiteres Mal bestätigt dieser Artikel eindrucksvoll, daß die Gewaltenteilung zwar grundsätzlich zu befürworten ist, die Besetzung von Entscheidungsträgern in militärischen Schlüsselpositionen, die über keinen militärischen Hintergrund verfügen, nicht ungefährlich ist. Kirsch erkennt wie jeder andere, auch ehemalige Militärangehörige, in welche Richtung die Reise gehen soll. Highlight dieses (wohl überlegten?) Spiegelakrtikels: ---Zitat--- ... Die türkische Regierung und die syrische Opposition fordern seit Monaten eine Flugverbotszone in Syrien, *um die Luftüberlegenheit der syrischen Armee zu beenden.* ---Zitatende--- Die Luftüberlegenheit beenden erfüllt *nicht* die Auflage des Verteidigungs- und auch nicht des Bündnisfalles oder Verteidigung/Sicherung der Territorialgrenzen eines Bündnispartners. Und das weiß auch der Luftwaffenoffizier Kirsch.
rsp1 07.12.2012
5. zu spät...
...die momentanen Entwicklungen waren schon vor Jahren abzusehen. Wie die ganze Geschichte weitergeht? Man kann sich seinen Teil denken. Wir können nur hoffen, dass jene "bewaffneten Konflikte >PC
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