Islamkonferenz Türkische Gemeinde will muslimischen Feiertag in Deutschland

"Es wäre ein wichtiges Signal an die Bevölkerung": Die Türkische Gemeinde in Deutschland plädiert dafür, einen islamischen Feiertag einzuführen. Auch muslimische Seelsorger bei der Bundeswehr sind im Gespräch.
Deutsche und türkische Flagge: Islamkonferenz ändert ihren Charakter

Deutsche und türkische Flagge: Islamkonferenz ändert ihren Charakter

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

Berlin - Die Türkische Gemeinde in Deutschland wünscht sich die Einführung eines gesetzlichen muslimischen Feiertags. "Das wäre ein wichtiges Signal an die muslimische Bevölkerung", sagte der Bundesvorsitzende Kenan Kolat der Nachrichtenagentur dpa. Als Beispiel nannte er das Opferfest, eines der wichtigsten islamischen Feste.

Über dieses und andere gesellschaftliche Themen solle eine künftige Islamkonferenz beraten, sagte Kolat. Die schon seit längerem existierende Runde soll völlig neu ausgerichtet werden. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will am Montag mit Vertretern muslimischer Verbände über die Zukunft der Islamkonferenz sprechen.

Wolfgang Schäuble (CDU), damals Bundesinnenminister, hatte die Deutsche Islamkonferenz 2006 ins Leben gerufen, um den Austausch zwischen Staat und Muslimen zu verbessern. Kritiker bemängelten jedoch, die Runde habe nach Fortschritten in der Anfangsphase auf der Stelle getreten. Hinzu kam der Vorwurf, Sicherheitsthemen seien zu sehr in den Vordergrund gerückt. Bei der jüngsten Konferenz 2013 mit de Maizières Amtsvorgänger Hans-Peter Friedrich (CSU) hatten sich muslimische Verbände darüber verärgert gezeigt und beklagt, im bisherigen Format habe die Runde keinen Sinn mehr.

De Maizière hat nun angekündigt, die Islamkonferenz nicht in alter Form fortzuführen, sondern mit den muslimischen Verbänden über die Zukunft der Runde und mögliche Themen zu reden. Geplant ist dazu am Montag ein Treffen mit sieben Organisationen - darunter die Türkische Gemeinde, der türkisch-islamische Dachverband Ditib, die Alevitische Gemeinde Deutschland und der Verband der Islamischen Kulturzentren.

Lob für de Maizière

Kolat begrüßte den Schritt. "Dass der Minister den Dialog sucht, ist wichtig." Mit Friedrich habe es keinen offenen Dialog gegeben. Der CSU-Politiker habe vieles unter Sicherheitsgesichtspunkten bereden wollen. Dabei müssten gesellschaftliche Fragen und das Leben der Muslime in Deutschland bei der Runde im Vordergrund stehen.

Als weiteres Thema für die künftige Islamkonferenz nannte Kolat den Einsatz muslimischer Seelsorger bei der Bundeswehr, in Gefängnissen, Krankenhäusern und Pflegeheimen. Ähnliches hatte auch der Zentralrat der Muslime gefordert. Kolat sagte, in diesen Einrichtungen sei es generell wichtig, mehr auf Muslime einzugehen, dort beispielsweise auch spezielles Essen anzubieten.

Auch andere muslimische Verbände lobten de Maizières Kurswechsel. Der Generalsekretär des Verbands der Islamischen Kulturzentren, Seyfi Ögütlü, sagte der dpa: "Es ist wichtig, dass der Minister ein neues Kapitel öffnet."

Ditib-Vorstandsmitglied Bekir Alboga bezeichnete de Maizières Schritt als "gutes Zeichen". Der Minister zeige eine angemessene Haltung gegenüber den islamischen Religionsgemeinschaften. "Es ist ein anderer Ton und eine andere Vorgehensweise als bei seinem Vorgänger."

Auch Yilmaz Kahraman von der Alevitischen Gemeinde Deutschland begrüßte das Vorgehen des Ressortchefs. "Die Islamkonferenz hat in den vergangenen Jahren nicht viel gebracht", sagte er der dpa. Außer "schönen Broschüren und Papieren" sei nur wenig Konkretes dabei herausgekommen. Wie bisher könne es nicht weitergehen.

Kahraman appellierte zugleich an Muslime, nicht nur zu fragen, was der Staat für sie tun könne. "Man muss auch schauen, was die Muslime machen können." Sie sollten sich in die Gesellschaft einbringen und nicht Parallelstrukturen aufbauen und "ihr eigenes Süppchen kochen".

wal/dpa