TV-Auftritt des Bundespräsidenten "Bild" widerspricht Wulff

Nach dem TV-Interview von Christian Wulff ergeben sich neue Fragen: Hat der Bundespräsident darin womöglich nicht die Wahrheit gesagt? Er behauptet, dass er die Berichte über die Finanzierung seines Hauses nicht unterbinden wollte. Doch die "Bild" bleibt bei ihrer Darstellung.
TV-Übertragung des Wulff-Interviews: offene Fragen

TV-Übertragung des Wulff-Interviews: offene Fragen

Foto: Martin Schutt/ dpa

Berlin - Zur besten Sendezeit stellte sich Christian Wulff am Mittwochabend im deutschen Fernsehen einem Millionenpublikum. Um 20.15 Uhr strahlten ARD und ZDF das Interview aus, in dem sich der Bundespräsident Fragen zur Kredit- und Medienaffäre stellte. Nach vielen Vorwürfen und langem Schweigen wollte er sich nun selber äußern. Doch auch nach dem Gespräch (hier das komplette Interview im Videound im Wortlaut) bleiben Fragezeichen. Wulff stellte Ereignisse im Nachhinein anders dar, als andere Beteiligte es wahrgenommen haben - speziell den Anruf beim Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Kai Diekmann.

Er habe mit dem Telefonat lediglich eine Verschiebung des geplanten Artikels zu seinem privaten Hauskredit erreichen wollen, sagte Wulff im Fernsehen. Dem widersprach die "Bild" umgehend. Der stellvertretende Chefredakteur und Leiter des Hauptstadtbüros, Nikolaus Blome, sagte im Deutschlandfunk, "den Satz von Herrn Bundespräsident Wulff, 'ich wollte die Berichterstattung nicht verhindern', das haben wir damals deutlich anders wahrgenommen."

Blome bezeichnete demnach die auf Diekmanns Mailbox hinterlassene Nachricht als "große Dummheit". Blome erklärte: "Und es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden. Und wenn Sie das jetzt als Drohung bezeichnen oder auch nicht, das sei mal dahingestellt. Das ist vielleicht eine Geschmacksfrage. Aber klar war das Ziel dieses Anrufs, die Absicht und das Motiv - nämlich: Die Berichterstattung, diesen ersten Breaking-Bericht über die Finanzierung seines privaten Hauses zu unterbinden."

Wulff hatte in seinem Interview bei ARD und ZDF gesagt, er habe lediglich darum gebeten, die Veröffentlichung hinauszuzögern, bis er von seinem Besuch in der Golfregion zurückgekehrt sei. Er habe darum gebeten, in der Berichterstattung auch zu erwähnen, dass er selbst den Kreditvertrag und viele Details wie den Namen der Kreditgeberin offenbart habe. "Und ich habe dann gebeten, um einen Tag die Veröffentlichung zu verschieben, damit man darüber reden kann, damit sie sachgemäß ausfallen kann."

Wulff betonte am Mittwoch im TV, nichts Unrechtes getan zu haben. Er räumte aber ein, der Anruf bei "Bild"-Chefredakteur Diekmann sei "ein schwerer Fehler" gewesen. Einen Rücktritt lehnte Wulff jedoch ab.

Die "Bild"-Zeitung hatte vor drei Wochen zuerst über die Umstände des Kredits im Wert von einer halben Million Euro berichtet. Die Frau eines befreundeten Unternehmers hatte das Darlehen gewährt.

ler/dpa