Deutsche Presse zum TV-Duell Von "hagerem Sprachpüree" und "Kuschel-Atmosphäre"

War das TV-Duell ein "Erfolg" für den SPD-Herausforderer? Oder gar der "Moment, als Martin Schulz die Bundestagswahl endgültig verloren hat"? Deutsche Medien berichten ganz unterschiedlich über den Schlagabtausch.

TV-Duell Merkel vs. Schulz
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TV-Duell Merkel vs. Schulz


Nach einem bisher wenig ereignisreichen Wahlkampf war das TV-Duell zwischen Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer von der SPD, Martin Schulz, ein mit Spannung erwarteter Höhepunkt - auch für die zahlreichen Zeitungen und Online-Nachrichtenseiten in Deutschland. Die Bewertungen fielen dabei jedoch teils sehr unterschiedlich aus.

  • "Münchner Merkur": "Nach wirklich spannenden Unterschieden in den Politikangeboten von Kanzlerin und Kandidat mussten die Zuschauer des TV-Duells mit der Lupe suchen. Ob ein gefühltes Patt für den Herausforderer aber reicht, um auf den letzten Metern noch so etwas wie Wechselstimmung herbeizuzaubern? Große Zweifel sind erlaubt." (Link zum Kommentar von "Merkur"-Chefredakteur Georg Anastasiadis)
  • "rp-online.de": "Eines muss man nach dem TV-Duell sagen: Deutschland hat zwei überzeugte und vernunftgesteuerte Demokraten, die sich für das Amt des Regierungschefs bewerben. Das ist angesichts der Populisten und Autokraten, die anderswo regieren, nicht das Allerschlechteste." (Link zum Kommentar von "RP"-Chefredakteur Michael Bröcker)
  • "Badische Zeitung": "Klare Kante, klare Aussagen - damit punktete Schulz mehrmals gegen eine wie immer abwägende Merkel. [...] Allerdings wirkte Schulz später ein wenig so, als feiere er innerlich bereits seine stramme Performance. Merkel blieb Merkel und machte gerade dadurch das Beste daraus: Sie dozierte, erklärte und vergaß nie den Hinweis, dass die SPD in der Koalition fast immer dabei war."
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Angela Merkel vs. Martin Schulz: Dröges Duell
  • "sueddeutsche.de": "Schulz ist eigentlich der viel bessere Redner. Aber das Eigentlich zählt nicht an so einem Abend; Schulz konnte es nicht zeigen, er kam zu selten in Fahrt, er konnte sich nicht entfalten, er konnte kaum Punkte sammeln, kaum Treffer landen. Merkel gelang das besser, auch deswegen, weil sie von den Moderatoren viel weniger unterbrochen wurde als Schulz." (Link zum Kommentar von "SZ"-Innenpolitikchef Heribert Prantl)
  • "faz.net": "So viel Dankbarkeit war selten bei einem TV-Duell. [...] In weiten Teilen ist das Duell denn auch eher ein öffentlicher Koalitionsgipfel unter Regierungspartnern als ein heftiger Schlagabtausch." (Link zum Artikel von Politikredakteur Oliver Georgi)
  • "n-tv.de": "Im Rückblick wird man vermutlich sagen: Das TV-Duell war der Moment, als Martin Schulz die Bundestagswahl endgültig verloren hat. [...] Schlechter noch als Schulz, das muss man leider sagen, war die Sendung insgesamt." (Link zum Kommentar von Politik-Ressortleiter Hubertus Vollmer)
  • Video: Die Schlüsselszenen des TV-Duells
  • "welt.de": "Was für eine vertane Chance, was für ein hageres Sprachpüree, weitgehend pointenfrei und ohne große Emotion. Angela Merkel hat dieses am Ende ziemlich glanzlose Duell gewonnen, und Martin Schulz hat es nach einem ziemlich beeindruckenden Anfang verloren, weil er nicht bei seinen intellektuellen Leisten blieb." (Link zum Kommentar von "WeltN24"-Chefredakteur Ulf Poschardt)
  • "t-online.de": "Ja, das war ein interessanter politischer Fernsehabend, nach dem sich die Frage stellt: Warum gibt es so was nicht öfter statt all der Durcheinanderrederei und dem Parolengeblöke in vielen Talkshows?" (Link zum Kommentar von Chefredakteur Florian Harms)
  • "Heilbronner Stimme": "Schulz sollte attackieren und die Kanzlerin in die Ecke drängen. Doch der Kandidat verzettelte sich und rutschte einige Mal auf dem glatten Duell-Parkett aus. [...] Merkel war insgesamt deutlich souveräner als in früheren Wahlduellen." (Link zum Kommentar von Chefredakteur Uwe Ralf Heer)
Die besten Zitate aus dem TV-Duell

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  • "Nordsee-Zeitung": "Schulz hat sich sehr wacker geschlagen. Aber neue Hoffnungen auf einen politischen Wechsel konnte er kaum wecken. [...] Für Schulz waren die 95 Minuten zur besten Sendezeit aber schon deshalb ein Erfolg, weil er sich erstmals einem Millionenpublikum präsentieren konnte. Merkel kennen alle Leute, Schulz viele nicht. Viele haben am Sonntagabend gelernt: Auch der könnte Kanzler."
  • "waz.de": "Spätestens das TV-Duell hat gezeigt, dass die Grenzen zwischen beiden Volksparteien längst komplett verwischt sind. Das macht die Profilierung der Spitzenleute so enorm schwer und erklärt die Kuschel-Atmosphäre beim angeblichen Duell, das über Phasen eher einem Duett glich." (Link zum Kommentar von Jörg Quoos, Chefredakteur der Zentralredaktion Berlin)

Artikel, Analysen, Fotostrecken und Videos von SPIEGEL ONLINE zum TV-Duell finden Sie hier.

aar/dpa



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