Stefan Kuzmany

Schulz und Merkel im TV-Duell Legen wir uns wieder hin

Die Bundestagswahl wird dieses TV-Duell nicht entscheiden: Angela Merkel und Martin Schulz zeigten in ihrem einzigen direkten Aufeinandertreffen kaum Differenzen. Warum nicht gleich wieder Große Koalition?
Beobachter beim TV-Duell

Beobachter beim TV-Duell

Foto: Omer Messinger/ Getty Images

Nein, man kann nicht sagen, dieses TV-Duell zwischen der Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Martin Schulz (SPD) habe keine Erkenntnisse gebracht. Gut, niemand, der bisher Merkel zuneigte, wird sich danach anders entscheiden. Und niemand, der Martin Schulz als Kanzler favorisiert, wird das nun anders sehen. Die Millionen politikinteressierter Zuschauerinnen und Zuschauer haben auf vier Kanälen allesamt dasselbe gesehen: Eine sehr zivile, sachorientierte, man könnte auch sagen: stinklangweilige Debatte.

Bildungspolitik? Digitalisierung? Keine Fragen dazu

Aber immerhin: Keiner kann nach diesem TV-Duell noch behaupten, in Deutschland werde zu wenig über die Flüchtlingspolitik und Fragen der Integration von Muslimen geredet. Fast die gesamte erste Stunde dieser gut anderthalbstündigen Sendung ging es um kaum etwas anderes als diese Themen. Insbesondere getrieben von dem Sat.1-Moderator Claus Strunz ("Wann sind diese Leute endlich weg?") geriet dieses sogenannte Duell über weite Strecken zu einer Erklärungs- und Rechtfertigungspressekonferenz der Großen Koalition. Alles andere wirkte dann nur noch wie nachgeschoben - wir haben ja leider keine Zeit mehr. Die Stichworte "soziale Gerechtigkeit" fielen erstmals um 21.13 Uhr und waren schnell abgehandelt.

Welche Vorstellungen haben Merkel und Schulz von einer künftigen Bildungspolitik? Wie wollen sie die digitale Arbeitswelt gestalten? Wie sollen die steigenden Mieten in den Großstädten bezahlt, wie der Altersarmut vorgebeugt werden? Und hat Deutschland eigentlich ein Problem mit Rechtsradikalismus? Oder die Welt mit dem Klimawandel? An diesem Sonntag konnte man darüber von diesen Kandidaten nichts erfahren. Sie wurden schlicht nicht danach gefragt.

Stattdessen demonstrierten sie so viel Einigkeit, dass es offensichtlich kein Problem wäre, nahtlos in die nächste Große Koalition zu wechseln: Für eine härtere Gangart gegenüber der Türkei sind sie beide, die SPD (oder jedenfalls ihr Vorsitzender) ist jetzt auch dagegen, dass das Land in die EU aufgenommen wird. Im Gegenzug ist jetzt auch die CDU (oder jedenfalls ihre Vorsitzende) gegen die Rente mit 70.

Bei keinem Thema in die Enge getrieben

Anfangs profitiert die Kanzlerin von ihrem Amtsbonus, zückt mehrmals rhetorisch ihr mit allen wichtigen Nummern der Welt gefülltes Telefonbuch. Im Laufe des Abends schleift sich dieser Effekt ab: Martin Schulz kann als Mann ohne Staatsamt viel schärfer reden als Merkel, die ja ohnehin nicht für allzu kontroverse Thesen bekannt ist.

In die Enge treiben kann der Herausforderer die Kanzlerin trotzdem bei keinem Thema. Schulz hat sich zwar offenbar gut vorbereitet, er hat eine ordentliche Leistung abgeliefert, und wohl kaum jemand würde es für eine Katastrophe halten, wenn bald er anstelle Merkels dieses Land regieren würde. Das ist beruhigend angesichts der furchtbar verzwickten Weltlage, es ist eigentlich ein schöner Beleg der Stabilität dieses insgesamt ja doch noch recht gut funktionierenden Landes. Wenn es nur nicht so einschläfernd wäre.