Roland Nelles

TV-Duell Merkel gegen Steinbrück Das war 0:0

Angela Merkel zeigte sich im TV-Duell schwach - aber Peer Steinbrück war auch nicht besser. Die Wähler haben im Bundestags-Wahlkampf mehr verdient als solche müden Veranstaltungen.
TV-Duell Merkel gegen Steinbrück: Das war 0:0

TV-Duell Merkel gegen Steinbrück: Das war 0:0

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Duell, Zweikampf, es waren große Worte, mit denen die TV-Debatte zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück angekündigt wurde. Aber, ganz ehrlich, ein TV-Duell sieht anders aus. Da geht es um Emotionen, echten Streit, da wird auch mal richtig attackiert, geholzt.

Nichts davon war bei diesem freundlichen Geplauder zu sehen oder zu hören (lesen Sie den Live-Kommentar unserer Reporter hier und die Zusammenfassung hier).

Stattdessen: gepflegte Langeweile, Herunterbeten von Parteiprogrammen. Keine Leidenschaft, nirgends. Ein Null zu Null zwischen den Kontrahenten ist das Ergebnis. Das war's. Dieses TV-Duell war kein Beispiel für lebendige Demokratie, sondern eine Enttäuschung.

Angela Merkel hat das getan, was sie immer tut: Sie hat das Statistische Bundesamt zitiert. Sie hat schöne Worthülsen mit wenig Inhalt von sich gegeben. Kalendersprüche: "Jeder Mensch muss in Würde altern können." Oder: "Jeder Mensch bekommt die Gesundheitsversorgung, die er braucht." Ja, wer will da widersprechen?

Merkel merkelte, umarmte den Gegner, wich unangenehmen Fragen aus. Ihr Motto ist das immer gleiche: weiter so. Sie verwaltet das Land und seine Probleme, still, kompetent, nüchtern. Eine Vision, Ideen, ehrgeizige Reformpläne waren ihr nicht zu entlocken. Wie auch? Sie hat keine.

Steinbrücks Attacken prallten ab

Dagegen der Herausforderer Peer Steinbrück: Er wollte angreifen. Doch jeder Versuch prallte an Merkel ab. Zu zaghaft, zu technokratisch, zu unverständlich setzte Steinbrück seine Attacken. Er wolle "Überforderungstatbestände im EEG schnell beseitigen", versprach er. Das versteht vielleicht Umweltminister Peter Altmaier - aber was sollen die Wähler mit solchen Ankündigungen anfangen?

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TV-Duell: Merkel gegen Steinbrück

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Peer Steinbrücks Versprechen, für Mindestlöhne und generell für mehr soziale Gerechtigkeit einzutreten, war im Grundsatz eine wohlklingende Melodie. Doch es fehlte die Empathie, die Leidenschaft des Vortrags. Ja, er bot Angela Merkel sogar noch eine Angriffsfläche, als er den schnellen Anstieg von Pensionen in Frage stellte. Was werden wohl die Polizisten und Feuerwehrleute dazu sagen?

Beide Kandidaten blieben blass

Es spricht Bände, dass Steinbrück fast während des gesamten "Duells" weniger Redeanteile hatte als die Kanzlerin. Ein Herausforderer muss brennen, aus ihm müssten die guten Argumente nur so heraussprudeln. Doch es kam zu wenig.

So blieben beide Kandidaten blass. Das passt zum bisherigen Verlauf dieses Wahlkampfs. Angela Merkel geht entspannt in die Wahl, sie weiß um ihren großen Sympathievorsprung. Ihre CDU oder gar Programmatisches kommen kaum vor. Allein der Kanzlerbonus soll ihr den Sieg sichern.

Peer Steinbrück hat dem nichts entgegenzusetzen. Seine Partei wird nun nicht mehr auf Sieg spielen, sondern auf Platz. Damit es womöglich für eine Beteiligung an einer Großen Koalition reicht.