TV-Duell Merkel und Steinmeier debattieren um die Kanzlerschaft

Kanzlerin gegen Kandidat: Im einzigen großen TV-Streitgespräch des Wahlkampfs musste Frank-Walter Steinmeier seinen Rückstand auf Angela Merkel wettmachen. Wer überzeugte, wer gab sich Blößen? Lesen Sie hier den Duell-Blog von SPIEGEL-Redakteur Christoph Schwennicke.

DPA / ARD

[22.10] Wer hat gewonnen? Erste Umfrage

SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier hat nach einer ersten ZDF-Umfrage in dem Fernsehduell besser abgeschnitten als Bundeskanzlerin Merkel. In einer Befragung von 600 Personen zur Halbzeit der 90-minütigen Sendung sahen am Sonntag 31 Prozent Steinmeier vorne und nur 21 Prozent Merkel. 48 Prozent sahen ein Unentschieden. Mit 48 Prozent meinte fast jeder Zweite, Steinmeier habe besser abgeschnitten als erwartet. Nur 13 Prozent fanden ihn schlechter. Merkel übertraf die Erwartungen von nur zehn Prozent der Befragten. 24 Prozent meinten dagegen, sie sei schlechter gewesen als erwartet. (AP)

[22.00] Fazit: Eins zu Eins für Merkel/Steinmeier

Das war ein Eins zu Eins zwischen den beiden. Steinmeier fing wesentlich stärker an als Merkel, die gegen Ende besser in Form kam. Bei der ARD sollte man sich allerdings mal die Frage stellen, ob man die richtigen Leute ins Rennen geschickt hat.

[21.57] Finale: Die Schluss-Statements

Wir haben es überstanden! Zeit für die Schluss-Statements. "Wir sind noch nicht über den Berg", sagt Steinmeier, "aber wir können aus dieser Krise herauskommen." Der SPD-Kandidat verspricht sozialen Ausgleich und das Ende der Atomenergie. Steinmeier grenzt sich von Merkel an den entscheidenden Punkten ab. Kleiner Schönheitsfehler: "Das ist meine Weg" sagt er.

Merkel bedankt sich für das "Vertrauen der vergangenen Jahre". Sie wirbt für eine faire Familienpolitik und nachhaltige Arbeitsplätze. Auch Merkels Finale klappt. Allerdings wirkt ihr Appell etwas sehr auswendig gelernt, wie in ihrem wöchentlichen Video-Podcast.

[21.50] Merkel kämpft für Schwarz-Gelb

Wenn Merkel ihre Präferenz für Schwarz-Gelb begründen muss, dann wird es immer dünne, so auch hier. Sie begründet es diffus-inhaltlich, in Wahrheit möchte sie Schwarz-Gelb aus machtpolitischen Gründen. Eine Wiederauflage der Großen Koalition wäre für sie ungleich ungemütlicher als die vergangenen vier Jahre, weil die SPD mit Rot-Rot-Grün alsbald eine Ausstiegsoption hätte, spätestens nach den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen. "Der Redlichkeit halber" weist Merkel darauf hin, dass Schwarz-Gelb nicht viel beliebter ist als andere Konstellationen - das hat Größe.

[21.45] Steinmeiers Afghanistan-Dilemma

Dass Steinmeier jetzt erklären muss, warum er erst nicht und nun doch mit einer genauen Jahreszahl aus Afghanistan raus will, hat er sich selbst in diesem Wahlkampf eingebrockt. Er segelte immer am Wind und hat allmählich seine Position geändert. Das unterscheidet ihn von Gerhard Schröder, der mit einer klaren Ansage in einer solchen Frage in den Wahlkampf gegangen wäre - wenn es sein muss, in Abkehr von seiner eigenen Politik.

[21.41 Uhr] Moderatoren: Privat schlägt Öffentlich-Rechtlich

"Darf ich kurz ausreden?", sagt Peter Kloeppel und will Steinmeier zu Afghanistan befragen. Er lässt sich nicht beirren, als Steinmeier ihn abwürgen möchte. Vorläufig letzte Bemerkung zu den Moderatoren: Limbourg und Kloeppel sind besser als Illner und Plasberg. Die Privaten vor den Öffentlich-Rechtlichen - das ist doch auch mal eine interessante Erkenntnis.

[21.36 Uhr] Frank Plasberg klar übermotiviert

Das Problem bei solchen Veranstaltungen ist ja oft, dass man zu verbissen in die Sache geht. Frank Plasberg ist klar übermotiviert in diese Veranstaltung gegangen. Seine süffisant gemeinten Zwischenrufe wirken peinlich. Bei vier Moderatoren müssen sich die Befrager zurücknehmen und nicht Pfauenräder schlagen wie der gute Herr Plasberg. Er verteilt Schulnoten an Ulla Schmidt. "Ich finde auch...", sagt Plasberg zur Gesundheitspolitik. Kann man ihn nicht einfach sofort aus dem Studio zerren? Peter Limbourg schaut, als ob er sich genau das wünscht. Wie Merkel über das Gesundheitswesen redet - das ist kanzleresk.

[21.31 Uhr] Reizthema Steuerpolitik belebt Debatte

Steuern - endlich ein Thema, bei dem die beiden sich fetzen müssen. Die CDU sagt, sie will die Steuern senken, die SPD sagt, das geht nicht, nachdem man Milliarden-Proramme gegen die Wirtschaftskrise aufgelegt hat. Und siehe da: Es wird gleich lebendiger.

[21.27 Uhr] Merkels Handakrobatik

Handflächen, Finger, lockere Fäuste zur Bekräftigung der Argumente: Angela Merkel setzt ihre unverwechselbare Handakrobatik häufiger ein als zu Beginn der Sendung. Das deutet darauf hin, dass sie lockerer geworden ist im Laufe des Duells.

[21.25 Uhr] Kein verbaler Schusswechsel

Jetzt allmählich muss man sich in Erinnerung rufen, dass es sich hier um ein Duell handelt. Viel geschossen wird nicht aufeinander.

[21.23 Uhr] Zu viele Moderatoren

Vier Moderatoren gegen zwei Kandidaten - das muss vielleicht im deutschen Mediensystem so sein, aber das haut nicht hin. Es wird viel unterbrochen, man produziert sich. Die Kandidaten schießen oft scharf zurück, vor allem Merkel. Wenn es darum ginge, wer sich am meisten aufspielt, müsste Frank Plasberg Bundeskanzler werden.

[21.21] Stilfragen: Peter Kloeppels Krawatte

Die Krawatte von Herrn Kloeppel halte ich, gelinde gesagt, für gewagt.

[21.20] Treffer von Merkel bei Tobin-Steuer

Der Hinweis, dass Steinbrück die Tobin-Steuer noch vor kurzem als "Loch Ness" bezeichnet hat, ist ein guter Treffer von Merkel. Touché!

[21.15] Steinmeier will Merkel das Thema Finanzmarktkrise streitig machen

Steinmeier versucht, beim Thema Finanzmarktkrise das Wasser abzugraben. Das ist unfein. Merkel wird als Kanzlerin zum London-Nachfolgetreffen der G20 in Pittsburgh reisen, mit Peer Steinbrück als Finanzminister. Da wird Deutschland mit einem Konzept auftreten, und nicht mit einem SPD- und einem Merkel-Konzept.

[21.10] Merkel hält überzogene Manager-Gehälter für "unanständig"

"Sechs Monate Arbeit und für fünf Jahre Gehalt, das halte ich für unanständig", sagt Merkel mit Blick auf den bisherigen Chef des insolventen Arcandor-Konzerns, Karl- Gerhard Eick.

[21.05] Uhrenvergleich: Beide sprechen gleich lang

Die Moderatoren ziehen eine Zwischenbilanz: Wer hat bisher mehr geredet? Beide Duellanten liegen gleichauf. "Das haben wir geplant", wirft Steinmeier ein, Moderatorin Maybrit Illner bemerkt: "Oder Sie haben sich vorher abgesprochen."

[21.00] Steinmeier wirbt für Atomausstieg

Atomkraft als "Brückentechnologie" - Merkel schleift die Unterschiede in der Kernkraftfrage klein. Steinmeier bricht eine Lanze für den Atomausstieg, spricht fast zwei Minuten über alternative Energien. Merkel hört ihm zu.

[20.59] Merkel lobt Steinmeier für Opel-Rettung

"Wie Sie das getan haben, Herr Steinmeier" - Merkel billigt ihrem Herausforderer auch zu, bei der Opel-Rettung seinen Anteil zu haben. Das ist der Sound ihres ganzen Wahlkampfes: keine persönlichen Angriffe.

[20.51] Bildnachteil für Merkel

Es gibt einen regiebedingten Nachteil für Merkel. Sie wird sehr oft gezeigt, wie sie etwas sauertöpfisch schaut, wenn Steinmeier redet. Den gleichen "Schuss" von Steinmeier, wenn Merkel redet, gibt es kaum. Dafür passt sie besser auf als die Moderatoren - Merkel kommt von selbst auf das Thema Mindestlohn zurück.

[20.50] Die Kontrahenten debattieren über den Mindestlohn

Der Mindestlohn ist ein gutes Thema, um die (wenigen) Unterschiede von Merkel und Steinmeier zu erkennen. Die SPD wollte ihn immer schon, Merkel erst, seit sie Kanzlerin ist. Die Moderatoren verpassen allerdings die Chance, nach den Statements von Steinmeier und Merkel noch einmal nachzuhaken.

[20.46] Merkel spricht viel, Steinmeier wirkt mehr

Es wäre interessant, das Duell von einem Menschen sehen zu lassen, der nicht weiß, wer von den beiden Amtsinhaber ist. Mein Tipp: Nach den ersten knapp 15 Minuten würde dieser Mensch eher Steinmeier für den Amtsinhaber halten. Er hat den besseren Start in die Sendung. Aber was meinte Frank Plasberg bloß mit dem Wort "Sozialwirtschaft"?

[20.42] Limbourg fragt nach Merkels Grundwerten in der Krise

Moderator Peter Limbourg fragt die Kanzlerin nach möglicherweise veränderten Grundwerten Merkels in Zeiten der Krise - eine Antwort darauf wäre schön gewesen. Es verfestigt sich der Eindruck, dass Merkel einfach abspult, was sie sich vorgenommen hat. Steinmeier wirkt bislang spontaner und authentischer.

[20.39] Beide reklamieren Erfolge auf dem Arbeitsmarkt für sich

Die Kanzlerin verweist auf die Senkung der Arbeitslosenzahlen unter ihrer Kanzlerschaft - typisch für sie. Im Wahlkampf hat sie immer wieder, auf jedem Marktplatz für sich in Anspruch genommen, die Arbeitslosenzahl von fünf auf drei Millionen gesenkt zu haben. Steinmeier versucht, das Urheberrecht an dieser Entwicklung für Rot-Grün - also für sich - zu reklamieren.

[20.36] Merkel sperrt sich gegen Moderatoren-Frage

Merkel weicht der ersten Frage von Peter Limbourg - warum sie die Wahl gewinnen möchte - direkt aus und referiert erst einmal, was sie sich vorgenommen hat. Sie gibt eine Bilanz der Koalition unter ihrer Führung. "Ich beantworte Ihre Fragen so, wie ich mir das vorgenommen habe", sagt die Kanzlerin.

[20.32] Steinmeier wirbt, Merkel lobt

Steinmeier hat das erste Wort. Warum er Kanzler werden will? "Weil's 'ne Alternative gibt, nämlich mich". Angela Merkel lobt zunächst die Arbeit der Großen Koalition. Beide wirken ziemlich angespannt.

[20.30] Das Duell beginnt

Die Moderatoren Maybrit Illner, Frank Plasberg, Peter Kloeppel und Peter Limbourg begrüßen Zuschauer und Studiogäste. (amz)

[20.20] Müntefering rechnet mit "sachlichem Fernsehduell"

Kurz vor Beginn der Sendung hat SPD-Chef Franz Müntefering ein "sachliches Fernsehduell" zwischen der Kanzlerin und ihrem Herausforderer vorausgesagt. "Die Qualität eines Wahlkampfes hängt nicht an der Lautstärke", sagte Müntefering. "Die Menschen wollen nicht, dass man sich das Gesicht zerkratzt." Steinmeier werde noch deutlicher machen als bisher, dass Merkel "die Spitzenkandidatin von Schwarz-Gelb" sei. (AP)

[19.40 Uhr] Merkel und Steinmeier zu TV-Duell eingetroffen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sind am Sonntagabend zum Fernseh-Duell in Berlin-Adlershof eingetroffen. Als erster kam der Außenminister und Herausforderer in das Fernsehstudio, begleitet von Ehefrau Elke Büdenbender. Zehn Minuten später fuhr die Kanzlerin in Begleitung ihrer wichtigster Berater vor. Die 90-minütige TV-Debatte beginnt um 20.30 Uhr. (dpa)



insgesamt 1084 Beiträge
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Seite 1
Orianus, 13.09.2009
1.
Zitat von sysopDas einzige TV-Duell des Bundestagswahlkampfs 2009 - Merkel gegen Steinmeier: Wer ist Ihrer Meinung nach vorn?
Das Duell hat zwar noch nicht begonnen, aber die Siegerin steht schon fest. Wir haben die Wahl zwischen Merkel und Merkel. Weil es die Merkel aber nur einmal gibt, muss eben Steinmeier als Double einspringen.
vonbraunfels 13.09.2009
2.
Zitat von OrianusDas Duell hat zwar noch nicht begonnen, aber die Siegerin steht schon fest. Wir haben die Wahl zwischen Merkel und Merkel. Weil es die Merkel aber nur einmal gibt, muss eben Steinmeier als Double einspringen.
Beide sind zwar im Stil gleich, nur FWS fühlt sich wichtiger und ist sicherlich nervöser, Frage bleibt wer ist glaubwürdiger?
Viva24 13.09.2009
3. Vorne ist doch der Zweiparteien Staat?
Das Duell erinnert an die DDR, dort gab es einen Einparteienstaat mit Ablegern. Nun haben wir die DDR wieder, danke CDU & SPD!.
Dominik Rübel 13.09.2009
4.
Zwei Freunde streiten, beißen aber nicht.
gloton7, 13.09.2009
5. Unfähige oder Korrupte?
Seit sechzig Jahren gibt es in der BRD die Wahl zwischen den Korrupten und den Unfähigen. Seit vier Jahren sind beide in einer Koalition. Nun werden die Probleme offensichtlicher und extremer. Haben wir das verdient? Soll das Demokratie sein? Das Belügen des Volkes sollte eine Disqualifikation für vier Jahre nach sich ziehen. Dann würde sich jeder Abgeordnete mehr überlegen, was er sagt.
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