TV-Duell mit Merkel Steinmeier punktet bei den Wählern

Streit gab es vor allem mit den Moderatoren: Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier sind im TV-Duell eher zahm miteinander umgegangen, lobten die Zusammenarbeit in der Großen Koalition. Blitzumfragen von ARD und ZDF zufolge hat der SPD-Kandidat die Erwartungen der meisten Zuschauer übertroffen.

DPA / ARD

Von


Hamburg - Um Punkt 20.30 Uhr schalteten die vier Fernseh-Sender ARD, ZDF, RTL und Sat.1 zusammen. Auf allen Kanälen zu sehen: Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Frank-Walter Steinmeier, beide im schwarzen Anzug hinter grauen Stehpulten. Ihnen gegenüber die vier Moderatoren Frank Plasberg, Peter Limbourg, Maybrit Illner und Peter Kloeppel.

Der SPD-Kanzlerkandidat durfte wie vereinbart zuerst das Wort ergreifen - und Steinmeier tat das mit einem Lachen. Auf die Frage von Plasberg, warum Angela Merkel nach der Wahl nicht mehr im Kanzleramt sitzen sollte, sagte er: "Weil es eine bessere Alternative gibt, nämlich mich." Bei Merkels erster Antwort gab es gleich den ersten Schlagabtausch - allerdings nicht mit Steinmeier, sondern mit Maybrit Illner. Die Moderatorin wollte Merkel zu einem ersten Angriff provozieren. Doch die Kanzlerin wollte die Frage, warum Steinmeier der schlechtere Kanzler wäre, nicht direkt beantworten. "Ich beantworte die Fragen so, wie ich es mir vorgenommen habe." Sie beharrte darauf, dass sie in den vergangenen vier Jahren sehr gut in der Großen Koalition mit Steinmeier zusammengearbeitet habe. Allerdings sprach sie sich auch klar für ein Ende der schwarz-roten Koalition und einen Regierungswechsel aus.

Merkel gegen Steinmeier: ARD-Umfrage zum Duell

Merkel Steinmeier
überzeugender 42 43
überzeugender bei unentschiedenen Wählern 37 45
besser als erwartet 18 64
schlechter als erwartet 39 15
sympathischer 39 40
angriffslustiger 13 55
verständlicher 34 36
bessere Argumente 34 41
glaubwürdiger 42 37
fairer 30 9
kompetenter 51 31
ist/wäre guter Kanzler 78 56

Merkel gegen Steinmeier: ZDF-Umfrage zum Duell

Merkel Steinmeier
besser geschlagen hat sich... 28 31
...unter unentschiedenen Wählern 18 34
...bei Unionswählern 57 5
...bei SPD-Wählern 4 64
...bei Männern 24 37
...bei Frauen 33 26
...bei unter 35-Jährigen 34 37
...zwischen 35 und 59 26 34
...bei über 59-Jährigen 30 27
besser als erwartet 10 51
schlechter als erwartet 21 10
wie erwartet 69 38
Meinung verbessert 13 47
Meinung verschlechtert 10 8
Meinung unverändert 77 44
glaubwürdiger 33 25
sympathischer 33 30
zeigte mehr Sachverstand 30 23
kann besser Jobs schaffen 37 15
lieber als Kanzler - vor Duell 64 29
lieber als Kanzler - nachher 55 38

Angaben in Prozent, Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

In den ersten 20 Minuten blieb es dabei, dass Merkel sich immer wieder mit den Moderatoren beharkte. Sie wich in ihren Antworten häufiger aus und beharrte bei Nachfragen der Journalisten darauf, dass sie ausreden möchte. Zum Thema Finanzkrise forderte sie noch einmal Regeln für die internationalen Finanzmärkte. Der Staat sei der "Hüter der Ordnung", dies sei international "grob vernachlässigt" worden.

In dem weitgehend sachlich geführten Schlagabtausch betonten beide besonders ihre Unterschiede, wie mit der Finanz- und Wirtschaftskrise umgegangen werden soll. Merkel forderte, dass das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft möglichst international stärker Fuß fassen müsse. Steinmeier reklamierte dagegen einen Neustart der sozialen Marktwirtschaft. Er warf der Union vor, bei der Begrenzung von Managergehältern sowie von Boni und Abfindungen nur halbherzig zu handeln.

Eine deutliche Meinungsverschiedenheit zwischen beiden trat auch beim Thema Mindestlohn auf. Steinmeier breitete erneut die Position der SPD aus. Man müsse die Lohnspirale nach unten aufhalten. Die Praxis in anderen Ländern wie in Großbritannien habe gezeigt, dass über flächendeckende Mindestlöhne keine Arbeitsplätze verloren gehen. Merkel hielt dagegen. "Dadurch gehen Arbeitsplätze verloren", erklärte sie.

Die besten Zitate

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

Seinen ersten scharfen Angriff auf die Union führte Steinmeier beim Thema Opel. "Stellen Sie sich vor, Schwarz-Gelb hätte regiert - dann wäre Opel mausetot." Merkel billigte ihrem Herausforderer durchaus zu, bei der Opel-Rettung seinen Anteil gehabt zu haben: "Wie Sie das getan haben, Herr Steinmeier." Aber seinen Angriff wies sie zurück. Mehrere Landesregierungen aus Union und FDP hätten sich um die Rettung von Opel verdient gemacht.

Klare Unterschiede zeigten die Kontrahenten auch in Punkto Atomkraft. Merkel verteidigte die Kernenergie als "Brückentechnologie". Eine Zeit lang sei sie noch nötig. Energie müsse effizienter werden und die Preise akzeptabel. Steinmeier verwies dagegen auf die Pannen im Atomkraftwerk Krümmel und auf die in Salzlauge schwimmenden Fässer im maroden Atommülllager Asse. "Das ist alles der falsche Weg", hob er hervor und fügte hinzu: "Es muss beim Atomausstieg bleiben."

Die Reaktionen

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

Erst eine halbe Stunde vor Schluss ging Steinmeier erstmals Merkel direkt an - es war überhaupt der erste direkte Angriff in diesem Duell, Merkel hat, wie im gesamten Wahlkampf, darauf verzichtet. Steinmeier nannte die von der Union geforderten Steuersenkungen "nicht bezahlbar". Merkel habe hier ein "Glaubwürdigkeitsproblem". Die Pläne seien nicht finanzierbar.

Zehn Minuten vor Schluss sprach Merkel Steinmeier erstmals direkt an. Sie warf ihm vor, auf der einen Seite Schwarz-Gelb zu verteufeln und auf der anderen Seite nach der Wahl auch durchaus mit den Liberalen koalieren zu wollen.

Ein wirkliches Duell war es bis zum Schluss nicht. Eher eine sachliche Diskussion bei der man beiden Rednern durchaus Respekt für den anderen anmerkte. Persönliche Angriffe blieben aus, ebenso wie abschätzige Blicke für den jeweils anderen. Klare nüchterne anderthalb Stunden. Am Ende wunderte es nicht, dass Steinmeier zu Anfang der Runde erklärte, die beiden duzten sich auch nach vier Jahren gemeinsamer Arbeit nicht. Dafür zeigten sich beide zu zurückhaltend.



insgesamt 1084 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Orianus, 13.09.2009
1.
Zitat von sysopDas einzige TV-Duell des Bundestagswahlkampfs 2009 - Merkel gegen Steinmeier: Wer ist Ihrer Meinung nach vorn?
Das Duell hat zwar noch nicht begonnen, aber die Siegerin steht schon fest. Wir haben die Wahl zwischen Merkel und Merkel. Weil es die Merkel aber nur einmal gibt, muss eben Steinmeier als Double einspringen.
vonbraunfels 13.09.2009
2.
Zitat von OrianusDas Duell hat zwar noch nicht begonnen, aber die Siegerin steht schon fest. Wir haben die Wahl zwischen Merkel und Merkel. Weil es die Merkel aber nur einmal gibt, muss eben Steinmeier als Double einspringen.
Beide sind zwar im Stil gleich, nur FWS fühlt sich wichtiger und ist sicherlich nervöser, Frage bleibt wer ist glaubwürdiger?
Viva24 13.09.2009
3. Vorne ist doch der Zweiparteien Staat?
Das Duell erinnert an die DDR, dort gab es einen Einparteienstaat mit Ablegern. Nun haben wir die DDR wieder, danke CDU & SPD!.
Dominik Rübel 13.09.2009
4.
Zwei Freunde streiten, beißen aber nicht.
gloton7, 13.09.2009
5. Unfähige oder Korrupte?
Seit sechzig Jahren gibt es in der BRD die Wahl zwischen den Korrupten und den Unfähigen. Seit vier Jahren sind beide in einer Koalition. Nun werden die Probleme offensichtlicher und extremer. Haben wir das verdient? Soll das Demokratie sein? Das Belügen des Volkes sollte eine Disqualifikation für vier Jahre nach sich ziehen. Dann würde sich jeder Abgeordnete mehr überlegen, was er sagt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.