TV-Fünfkampf Jetzt dürfen die Kleinen ran

Im TV-Duell gaben sich Kanzlerin und Herausforderer großkoalitionär, wichtige Themen kamen nicht vor. Das ist die Chance für FDP, Linke, Grüne, CSU und AfD, die sich am Montagabend im TV-Fünfkampf messen.

Spitzenkandidaten Wagenknecht, Özdemir, Lindner, Weidel, Herrmann
imago; DPA (2); Getty Images (2)

Spitzenkandidaten Wagenknecht, Özdemir, Lindner, Weidel, Herrmann


So deutlich in den Umfragen der Abstand zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz einerseits ist, so knapp scheint andererseits das Rennen um den dritten Platz. Um den konkurrieren FDP, Grüne, Linke und AfD, sie alle schwanken in den Umfragen um die acht Prozent.

Am Montagabend richtet die ARD den "Fünfkampf nach dem TV-Duell" aus: Nachdem sich Merkel und Schulz am Sonntag 97 Minuten miteinander messen durften, sind nun die kleineren Parteien dran. Fünfkampf heißt das Format, weil auch die CSU als eigenständige Partei eingeladen ist.

Im Video: die Schlüsselszenen des TV-Duells

Zwei Moderatoren - Sonia Mikich vom WDR und Christian Nitsche vom BR - treffen in dem 75-Minuten-Format auf die fünf Spitzenkandidaten der Parteien: Joachim Herrmann (CSU), Christian Lindner (FDP), Sahra Wagenknecht (Linke), Cem Özdemir (Grüne) und Alice Weidel (AfD).

Im ZDF diskutieren kurz zuvor unter dem Titel "Schlagabtausch" zudem Vertreter der drei kleineren, bereits im Bundestag vertretenen Parteien miteinander: Dietmar Bartsch (Linke), Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Alexander Dobrindt (CSU). Moderator ist ZDF-Politikchef Matthias Fornoff.

Es steht zu erwarten, dass die Kandidaten in beiden Formaten versuchen werden, in die thematischen Lücken zu stoßen, die das TV-Duell von Merkel und Schulz gelassen hat. Zu Bildung und Digitalisierung etwa stellten die vier Moderatoren des Duells keine einzige Frage.

Die Kleinen mühen sich, den Fokus von den Kanzlerkandidaten weg und auf sich zu ziehen. Das wurde bereits in der massiven Kritik deutlich, die alle ihre Vertreter am Auftritt von Merkel und Schulz im TV-Duell äußerten. So twitterte der Grüne Özdemir: "Über 60 Minuten TV-Duell - Nix zu Klima, nix zu Bildung, nix zu Digitalisierung. Wann geht's eigentlich mal um die Zukunft?"

Linken-Spitzenkandidat Bartsch erklärte: "Das war kein TV-Duell, sondern 90 quälende Minuten GroKo-Therapiegespräch" und sprach von "kaum erträglicher Merkel-Schulz-Konsens-Soße".

FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner bedauerte ebenfalls die Themenauswahl: "Wieso gab es beim TV-Duell nichts zu Bildung, Digitalisierung, Euro, Energie, Klima, Innovation, Bürokratie?" Das Zusehen habe "sich angefühlt wie die Wartezeit beim Einwohnermeldeamt".

Das Duell zwischen Merkel und Schulz habe ihn an "Szenen einer alten Ehe" erinnert, "in der es mal knirscht, aber beide Seiten wissen, dass man auch künftig miteinander muss". Lindner weiter: "Jeder weiß, dass Frau Merkel Kanzlerin bleibt, das Rennen um die Plätze 1 und 2 ist gelaufen. Das Rennen um Platz 3 gewinnt dadurch weiter an Bedeutung."

In Blitzumfragen von ARD und ZDF lag Merkel am Sonntagabend vorn. Allerdings waren die Zahlen der Umfrageinstitute Infratest dimap und der Forschungsgruppe Wahlen sehr unterschiedlich. Nach ARD-Angaben lag Merkel mit 55 zu 35 Prozent klar vorne. Im ZDF war es viel knapper: Hier kam die Kanzlerin auf 32 Prozent Zustimmung, Schulz auf 29 Prozent. 39 Prozent der Befragten waren unentschieden. Die Forschungsgruppe sprach sogar von einem "Patt".

Im SPON-Wahltrend zeichnet sich ab, dass das Duell bei manchem Wähler eine Veränderung des Stimmverhaltens bringen könnte. Auf die Frage: "Haben Sie aufgrund des TV-Duells zwischen Merkel und Schulz Ihre Wahlabsicht bei der Bundestagswahl geändert?" antworteten 76,1 Prozent der Befragten, die Debatte habe keinen Einfluss auf ihre Stimmabgabe. 10,4 Prozent jedoch gaben an, ihre Wahlabsicht geändert zu haben - und ihre Stimme der SPD und Schulz geben zu wollen.

Merkel konnte hingegen nur 5,5 Prozent der Wählerinnen und Wähler zu ihren Gunsten beeinflussen. 6,6 Prozent aller Befragten gaben an, das Duell werde Einfluss auf ihr Wahlverhalten haben - sagten aber nicht, für welche Partei sie sich nun entscheiden werden. 1,4 Prozent hatten auf die Frage keine Antwort.

"Schlagabtausch - der TV-Dreikampf von Linken, Grünen und CSU", ZDF, Montag. 19.25 Uhr.

"Der Fünfkampf nach dem TV-Duell", ARD, Montag, 20.15 Uhr.



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sef/dpa/AFD



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
flesh 04.09.2017
1. Ich bin schon sehr gespannt, wie es...
... Alice Weidel und Joachim Herrmann gelingen wird, die Unterschiede in ihren Ansichten herauszuarbeiten.
vliege 04.09.2017
2. Duell?
Ein Duell Stelle ich mir anders vor als dieses Scheingefecht von gestern, das sowieso die GroKo hervorbringt. Für den Wähler wäre es interessanter und vor allem informativer wenn sich alle Beteiligten Spitzenkandidaten miteinander "duellieren" und die Moderatoren lediglich Stichworte geben und die Redezeit überwachen.
Epsola 04.09.2017
3.
Die CSU hat dort nichts zu suchen. Eine Regionalpartei sollte öffentlich-rechtlich auch nur in dem Bereich eine Bühne geboten werden, in der diese wählbar ist. So aber ist die CSU als quasi CDU-Vertreter mit am Tisch. Dann hätte fairerweise aber auch die SPD mit am Tisch sitzen sollen. Die Aufteilung in Kanzlerduell und (kleine) Elefantenrunde ist am Wahlsystem vorbei konzipiert. Das einzig richtige Vorgehen wären eine Fokussierung auf mehrfache große und lange Elefantenrunden. Ob dann abseits noch ein Kanzlerduell (am besten im Stile eines offenen direkten Schlagabtausches/Streigespräches, mit nur einem Moderator der keine Fragen stellt, sondern nur die Form kontrolliert) oder andere Formate platziert werden ist nicht relevant. Im Sinne des öffentlich rechtlichen Auftrages in Kombination mit unserem Wahlsystem haben einzig die Parteien im Fokus zu stehen und zwar alle mit Aussicht auf einen Bundestagseinzug. Wenn einer Partei das Format nicht liegt soll diese halt fern bleiben. Den Fokus auf die Parteien zu richten bedeutet auch das Moderatoren tatsächlich auch nur moderieren und nicht lenken oder interviewen. 1 x 2 x 60 Minuten taugt nicht zur Meinungs- & Willensbildung der Bürger. Besser wäre 4 x 6 x 180 Minuten.
themistokles 04.09.2017
4. Methodik
"Allerdings waren die Zahlen der Umfrageinstitute infratest dimap und der Forschungsgruppe Wahlen sehr unterschiedlich." Die Ergebnisse waren nicht nur unterschiedlich sondern in ihrer Ausprägung auch sehr erstaunlich, besonders das von infratest dimap. Vielleicht sollte man im Jahre 2017 auch mal seine Methodik in Frage stellen, nur Festnetzanschlüsse abzutelefonieren. Ich wette, dass man ganz andere (und validere) Ergebnisse bekommt, wenn man zum Beispiel auch Mobilfunknummern reinnimmt, Online- Pools bzw. Umfragen, etc. pp....
friedrich_eckard 04.09.2017
5.
Zitat von flesh... Alice Weidel und Joachim Herrmann gelingen wird, die Unterschiede in ihren Ansichten herauszuarbeiten.
Eine sehr hübsche und gelungene Bosheit, Chapeau! - wobei ich mich allerdings auch frage, wieso eine Partei, die gerade in einem von 16 Bundesländern zur Wahl steht, in einer solchen bundesweit ausgestrahlten Sendung vertreten sein muss. Übrigens wird es wohl ein "Mismatch" werden, weil niemand in der Runde mit Sahra Wagenknecht in derselben intellektuellen Liga spielt. Ein Biertischler aus Amigostan, ein Photomodell für Herrenkosmetik, Frau Konzessionsschulzin Weidel, der man nur immerzu raten kann, sich das Schicksal Max Naumanns zur Warnung dienen zu lassen, und Frau Katrin Göring-Farblos... Du meine Güte - dabei brauchte doch Wagenknecht, damit sie zeigen kann und muss, was sie wirklich "draufhat", Gegner und keine Opfer.
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