TV-Duell Umfragen sehen Schröder vorn

Nach ersten Umfragen hat Bundeskanzler Gerhard Schröder das erste Fernsehduell gegen seinen Herausforderer Edmund Stoiber knapp für sich entschieden. Auch wenn er manchmal in die Defensive gedrängt wurde.


Hatte wenig zu lachen: Kanzler Schröder wurde von Kontrahent Stoiber massiv attackiert
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Hatte wenig zu lachen: Kanzler Schröder wurde von Kontrahent Stoiber massiv attackiert

In einer telefonischen Forsa-Bliztumfrage im Auftrag von RTL sagten 57 Prozent der Befragten nach dem Streitgespräch, Schröder sei ihnen sympathischer gewesen. Nur 35 Prozent sagten, der bayerische Ministerpräsident Stoiber sei ihnen sympatischer aufgetreten.

Für kompetenter hielten 48 Prozent den Kanzler, hier kam Stoiber auf 41 Prozent. Bei der Glaubwürdigkeit waren Kanzler und Kandidat mit 51 beziehungsweise 49 Prozent nahezu gleichauf.

Eine Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest/dimap ergab nach Angaben der ARD einen deutlichen Vorsprung für Schröder, der auf 43 Prozent der Stimmen der befragten Zuschauer kam. Stoiber erreichte demnach dagegen nur 33 Prozent.

In der Steuer-, Arbeitsmarkt- und Zuwanderungspolitik warfen sich beide am Sonntag vor einem Millionenpublikum in den privaten TV-Sendern RTL und SAT.1 Versagen vor. Amtsinhaber Schröder und CSU-Chef Stoiber lehnten eine große Koalition nach der Wahl am 22. September ab. Schröder schloss eine Zusammenarbeit mit der PDS aus.

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In dem Fernsehduell flammte der Streit über die Finanzierung des Wiederaufbaus nach der Flut erneut auf. Während Schröder die Verschiebung der Steuerreform als richtiges Signal bezeichnete, nannte Stoiber sie falsch für die Konjunktur. "Der Bundeskanzler neigt dazu, bei Krisen sofort die Steuern zu erhöhen", sagte der bayerische Ministerpräsident. Er erneuerte dennoch das Unions-Angebot, die Verschiebung der Steuerreform zunächst mitzutragen, nach einem Wahlsieg aber einen anderen Weg der Finanzierung einzuschlagen.

Stoiber hielt Schröder vor, Schuld an der Arbeitslosigkeit seien vor allem Fehler von Rot-Grün. Schröder wies dies zurück und hielt Stoiber im Gegenzug vor: "Sie versprechen ja allen alles." Schröder wandte sich gegen Kritik Stoibers am rot-grünen Zuwanderungsgesetz. Damit sei die Möglichkeit geschaffen worden, Zuwanderung sinnvoll zu begrenzen. Stoiber entgegnete, das Gesetz bedeute mehr Zuwanderung.

Der Kanzler sagte, er halte eine militärische Intervention im Irak für falsch, und schloss eine Beteiligung deutscher Soldaten an einem US-Militärschlag aus. Stoiber warf Schröder dagegen vor, den Druck auf Iraks Machthaber Saddam Hussein verringert zu haben.

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering sagte unmittelbar nach Ende der Fernsehübertragung: "Ich bin sicher, die guten Umfragetrends der letzten Tage haben sich heute Abend bestätigt." Schröder habe deutlich gemacht, was die Bundesregierung erreicht habe. Dagegen habe Stoiber versucht, zu "kritteln" und das Land herunterzureden.

Für CDU-Wahlkampfmanager Michael Spreng hat dagegen Stoiber "die entscheidenden Punkte gemacht". Vor allem bei Fragen zur Flutkatastrophe und zur Arbeitslosigkeit habe er sich deutlich von Schröder abgesetzt. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer wertete den Auftritt Stoibers als positive Wendung für die Union. Stoiber sei "locker und mit guten Argumenten" aufgetreten, Schröder sei "die ganze Zeit in der Defensive" gewesen.

Schröder und Stoiber waren kurz vor 19.00 Uhr im Studio B in Berlin-Adlershof eingetroffen. Schröder kam direkt aus Dresden, wo er an einem ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken an die Hochwasserkatastrophe teilgenommen hatte.

In zwei getrennten Räumen stimmten sich beide Politiker auf das Streitgespräch ein. Gegen 20.30 Uhr betraten die Kontrahenten durch zwei verschiedene Türen das Studio. Aus Sicht der Fernsehzuschauer stand Schröder rechts, Stoiber links.

Schon im Vorfeld hatten sich die Sekundanten auf die Regeln für das Duell geeinigt: Für jedes Thema waren höchstens sieben Minuten vorgesehen. Schröder und Stoiber hatten für ihre Antworten je 90 Sekunden Zeit. Pro Antwort waren zwei Nachfragen möglich, die Antwort darauf durfte je Kandidat 60 Sekunden nicht überschreiten. Ein rotes Licht am Pult signalisierte zehn Sekunden zuvor den Ablauf der Redezeit.

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