TV-Duell in NRW Kraft gegen Laschet - klarer Sieg für keinen

Das TV-Duell im NRW-Wahlkampf hat keinen eindeutigen Gewinner: Ministerpräsidentin Kraft und Herausforderer Laschet kamen bei den Wählern gleich gut an, zeigt eine Umfrage für SPIEGEL ONLINE.

Armin Laschet und Hannelore Kraft
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Armin Laschet und Hannelore Kraft


Am 14. Mai wählt Deutschlands bevölkerungsreichstes Bundesland Nordrhein-Westfalen ein neues Parlament. Im einzigen TV-Duell des Wahlkampfs zwischen Armin Laschet (CDU) und Hannelore Kraft (SPD) konnte keiner der beiden Kandidaten eine Mehrheit der Zuschauer von sich überzeugen.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE meinen 36,9 Prozent der Zuschauer in NRW, dass Laschet sich in der Debatte besser geschlagen habe. 34,5 Prozent sehen Ministerpräsidentin Kraft im Vorteil. Die Unsicherheit liegt jedoch bei 3,8 Prozentpunkten, sodass die Werte nicht statistisch signifikant voneinander abweichen. 14,4 Prozent der Zuschauer fanden beide Kandidaten gleich gut, weitere 14,2 Prozent haben keine Meinung.

Das Ergebnis der NRW-Wahl gilt als wichtigster Stimmungstest vor der Bundestagswahl im September - CDU und SPD hoffen, mit einem guten Ergebnis in den bundesweiten Wahlkampf starten zu können. Laut aktuellen Umfragen ist in NRW von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und SPD bis zu einem klaren Sieg der SPD alles möglich. Die amtierende rot-grüne Landesregierung muss aber um ihre Mehrheit bangen.

Vor diesem Hintergrund waren am Dienstagabend im WDR-Fernsehen Kraft und Laschet aufeinandergetroffen. Der CDU-Mann griff die Ministerpräsidentin vor allem in der Sicherheitspolitik an. In den meisten großen Themen waren sich die Vertreter der beiden Volksparteien jedoch einig - und stritten vor den Kameras häufig nur um Details.

Überraschend ist, dass Laschet im TV-Duell vor allem bei jüngeren Wählern punkten konnte. Bei den 18- bis 29-Jährigen sagen rund 45 Prozent, der CDU-Kandidat habe sich besser geschlagen; bei den Zuschauern über 65 Jahren sind es nur rund 31 Prozent. Kraft kommt in allen Altersgruppen unter Berücksichtigung der statistischen Unsicherheit etwa gleich gut an.

Anmerkung zur Methodik: Für die repräsentative Umfrage hat Civey am 2. und 3. Mai 2197 Menschen befragt. Im Onlinetool konnte zunächst jeder die Frage beantworten - in der Auswertung wurden wurden jedoch nur die 2197 Befragten berücksichtigt, die in NRW wohnen und das TV-Duell gesehen haben.


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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

sep



insgesamt 5 Beiträge
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dwg 03.05.2017
1.
Daß bei 18 Millionen Einwohnern keine anderen Kandidaten zur Wahl stehen, die etwas weniger beliebig, fad und austauschbar sind, ist schon traurig. Andererseits - wer möchte sich die jahrelange Ochsentour über einen Ortsverband und durch eine Parteihierarchie schon antun, zumal Quereinsteiger hurtig weggebissen werden. Und so müssen wir halt die dünne Suppe auslöffeln, die wir uns selber eingebrockt haben.
i.dietz 03.05.2017
2. Gibt es wirklich keine echten Alternativen
zu diesen beiden eigentlich unwählbaren "Dauer"-Politikern mehr in diesem Land ? Wo haben sich die glaubwürdigen, vertrauenswürdigen und intelligenten Politiker alle versteckt ? Vielleicht hilft wirklich nur der radikale Einschnitt, die Amtszeiten endlich auf zwei Perioden zu begrenzen, damit auch der politische Nachwuchs eine Chance hat ! Ansonsten könnte man sich die Wahl eigentlich ersparen, wenn es nach der Wahl so weitergeht wie vor der Wahl !
Guck-und-horch 03.05.2017
3. den kenn ich doch
Hatte Hannelore etwa Besuch von François Hollande? Oder sind die alle austauschbar?
Andreas1979 04.05.2017
4. Würden dort wichtige Fragen gestellt?
Bildung steht bei jeder Partei auf der Agenda, doch was bringt die Bildungsoffensive, wenn diese dann nach München, Stuttgart, Frankfurt oder Hamburg gehen? Die können auch viel über Sicherheit reden, wenn man nicht konkret sagt was man gegen die Unsicherheit im Land tun möchte. Man kann viel über zukünftige Technologien reden, aber nichts geschieht.
peter.hummler 04.05.2017
5. Manchmal frage ich mich
warum diverse User die zu den Themen welche Politiker zu Wahl stehen immer wieder alle ablehnen und niemanden für wählbar halten , sich nicht selber politisch als Alternative anbieten ? Denn wenn niemand für mich wählbar ist, dann bin ich ja der Einzige der wer weiss wie man alles richtig macht und sollte somit auch Verantwortung übernehmen und sich zur Wahl stellen .. Dazu gehört natürlich das man sich von Unten an politisch engagiert und alle von seinen Fähigkleiten überzeugt bis man am Ende von allen auch als der "Favorit" und wählbaren erkannt wird !
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