TV-Duell Merkel vs. Steinbrück Endlich Wahlkampf

Es sieht nicht gut aus für Peer Steinbrück, der Kanzlerkandidat liegt abgeschlagen in der Wählergunst. Auch wenn die Deutschen ihm gegen Angela Merkel nur Außenseiterchancen einräumen, hofft der SPD-Mann auf die Wende im TV-Duell. Jetzt muss er liefern.

Fernsehstudio in Berlin Adlershof: Vielleicht der Ort der Vorentscheidung
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Fernsehstudio in Berlin Adlershof: Vielleicht der Ort der Vorentscheidung


Berlin - Dieser Sonntagabend soll endlich Spannung in den bislang müden Bundestagswahlkampf bringen - wenn es nach der SPD geht. Die Sozialdemokraten hoffen, dass das einzige TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem abgeschlagenen Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) genau drei Wochen vor der Bundestagswahl die Wende bringt.

Steinbrück will endlich in die Offensive kommen. "Dieses Duell wird kein Kaffeeklatsch", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann. "Peer Steinbrück wird Klartext reden, und Frau Merkel kann erstmals nicht mehr ausweichen." In den Umfragen liegt die SPD weit hinter der Union zurück. Doch schlägt Steinbrück sich gut, könnte das die eigenen Anhänger noch einmal mobilisieren und Unentschlossene ins SPD-Lager treiben, so das Kalkül der Genossen.

Um 20.30 Uhr wird es ernst. Vier Moderatoren von ARD, ZDF, RTL und ProSieben werden Merkel und Steinbrück 90 Minuten lang live zu den wichtigsten Politikfeldern befragen. Mit dabei ist erstmals der Entertainer Stefan Raab. Neben dem Syrien-Konflikt dürften der Euro-Rettungskurs sowie die Steuer- und Sozialpolitik im Zentrum des Schlagabtauschs stehen. Verfolgen Sie die Ereignisse ab 20 Uhr im Live-Kommentar auf SPIEGEL ONLINE.

"Frau Merkel hat Angst"

Steinbrück steht angesichts des Rückstands in den Umfragen unter Zugzwang. Es wird erwartet, dass er sich in der Rolle des Angreifers präsentiert, um einen Stimmungsumschwung herbeizuführen. Merkel genießt in der Bevölkerung großes Vertrauen, Wechselstimmung ist bislang nicht auszumachen. Steinbrück gilt jedoch als guter Redner (Lesen Sie hier eine detaillierte Analyse der Stärken und Schwächen von Steinbrück und Merkel).

Bevor es losgeht, machen sich die Sozialdemokraten Mut. Sie reden ihren Kandidaten stark und attackieren die Kanzlerin. "Frau Merkel hat offensichtlich Angst, sonst hätte sie sich einem zweiten TV-Duell nicht verweigert", sagte Oppermann. "Ich glaube, Peer Steinbrück wird inhaltliche Unterschiede deutlich machen und zeigen, dass es nicht egal ist, wie diese Wahl ausgeht." Mindestlohn, bessere Bildungschancen und mehr soziale Gerechtigkeit gebe es nur mit der SPD. Steinbrück habe in diesem Wahlkampf schon ein großes Kämpferherz bewiesen. "Das alles wird er in die Waagschale werfen."

Oppermann hatte Anfang August nach einer Umfrage, die Union und FDP eine Mehrheit prognostizierte, von der letzten guten Prognose für Schwarz-Gelb gesprochen. Danach ging es aber für Rot-Grün eher noch weiter bergab. Darauf angesprochen erwiderte Oppermann: "Die Aufholjagd hat begonnen. Die Umfragen spiegeln noch nicht wider, was in den nächsten drei Wochen noch an politischer Meinungsbildung erfolgen wird." Die meisten Wähler würden erst noch entscheiden, ob und wen sie wählen. "Frau Merkel hat Angst davor, dass bei ihren Umfragewerten mal wieder der Soufflé-Effekt eintritt", sagte Oppermann.

Schwarz-Gelb in jüngster Umfrage knapp vorn

In der aktuellsten Emnid-Umfrage kommt die schwarz-gelbe Bundesregierung wieder auf eine knappe Mehrheit. Zwar verliert die Union in dem wöchentlichen Stimmungsbild, das das Meinungsforschungsinstitut im Auftrag der "Bild am Sonntag" erhebt, einen Punkt auf 39 Prozent. Die FDP kann aber einen Punkt auf sechs Prozent zulegen.

Gleichzeitig büßen SPD und Grüne in der Wählergunst ein. Die Sozialdemokraten verlieren zwei Punkte auf 23 Prozent, die Grünen einen Punkt auf elf Prozent. Die Linkspartei kann zwei Punkte auf zehn Prozent gewinnen. Mit zusammen 45 Prozent liegt die Koalition damit hauchdünn vor der Opposition, die auf 44 Prozent kommt. Im Sonntagstrend der Vorwoche lagen beide Seiten noch gleichauf.

Gut die Hälfte der Deutschen wollen sich das TV-Duell anschauen. Allerdings rechnen laut Emnid 62 Prozent der Bundesbürger damit, dass Merkel den Schlagabtausch für sich entscheiden wird. Nur 16 Prozent erwarten einen Erfolg Steinbrücks. Selbst bei den SPD-Wählern sind demnach 42 Prozent davon überzeugt, dass Merkel als Gewinnerin aus der Fragerunde hervorgehen wird.

Mancher fürchtet, dass das Duell angesichts des engen Regelkorsetts keinen echten Schlagabtausch bieten kann. So wurde per Losentscheid festgelegt, dass Steinbrück auf die erste Frage antworten wird. Merkel dagegen hat mit ihrem Schlussstatement das letzte Wort. Für die Antwort hat jeder Duellant 90 Sekunden, die Redezeit wird exakt mitgestoppt, die Zeitkonten regelmäßig verglichen, damit niemand benachteiligt wird.

Das TV-Duell 2009 von Merkel und dem damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier sahen rund 14 Millionen Menschen. 2005 beim Duell der damaligen CDU-Kandidatin Merkel gegen Kanzler Gerhard Schröder (SPD) waren es knapp 21 Millionen Zuschauer. Beim Duell gegen Schröder war Merkel Kommentatoren zufolge unterlegen. Das änderte nichts daran, dass sie wenig später Kanzlerin wurde. 2009 war weder Merkel noch Steinmeier als Sieger hervorgegangen.

wit/phw/dpa/Reuters



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Seite 1
trude2004 01.09.2013
1.
Da kann er lange hoffen. Partei des sozial Raubbaus wird niemals gewählt. Alles schnacker. Insgesamt ist die Politik doch nur für Eigennutz der Politbonzen ausgerichtet. Kann man alles nachlesen. Der Steinbrück spielt da eine Sau gute schlechte Rolle die einen freut.
warndtbewohner 01.09.2013
2. Sein Problem---
er ist einfach unsympathisch, keine Ausstrahlung und kommt daher bei dem Menschen nicht an!
kurswechsler 01.09.2013
3. selber schuld
Zitat von sysopDPAEs sieht nicht gut aus für Peer Steinbrück, der Kanzlerkandidat liegt abgeschlagen in der Wählergunst. Auch wenn die Deutschen ihm gegen Angela Merkel nur Außenseiterchancen einräumen, hofft der SPD-Mann auf die Wende im TV-Duell. Ab 20.30 Uhr muss er liefern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/tv-duell-zwischen-steinbrueck-und-merkel-steht-bevor-a-919738.html
Wer sich das anguckt, ist selber schuld. Rettet eure Freizeit davor.
gesell7890 01.09.2013
4. mein gott,
sechs blabla-maschinen texten sich zu - und dieses geschwurbel läuft auch noch über alle gez-kanäle: geht es noch öder? hoffentlich kapieren alle, die sich das antun: alle beide unwählbar!
neu_ab 01.09.2013
5. Wahlkampf? Wohl eher Wrestling!
Wie beim Wrestling wird dieser "Wahlkampf" im Prinzip ein abgekartetes Spiel sein, das wenig Überaschungen zu bieten haben wird. Einfach zu ähnlich sind sich die Positionen der beiden Kontrahenten in den entscheidenden Punkten. Der Diskurs läuft im Prinzip auf die banale Frage hinaus, wer denn nun regieren wird, jedoch nicht auf eine wirkliche abweichende Politik, die den Namen Opposition verdient hätte. Ich sehe nebenbei bemerkt auch nicht einen Hauch einer Chance für den Fettnapf-Man, der sich einfach zu oft mit seiner Kavallerie in den Sumpf geritten hatte. Da wüsste ich aber ein wesentlich spannenderes Duell, dem sich die Kanzlerin stellen sollte.
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