Über Parteigrenzen hinweg Rente mit 70 findet neue Befürworter

Während die IG Metall für die Rente mit 60 plädiert, mehren sich unter Politikern gegensätzliche Stimmen. Nach dem Unionsfraktionsvorsitzenden Merz hat sich jetzt auch ein SPD-Politiker für eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit ausgesprochen.


Berlin - Auch der rheinland-pfälzische Sozialminister Florian Gerster plädierte für eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit. In einem Interview mit der "Zeit" sagte der SPD-Politiker, auf diese Weise könnten die Belastungen der gesetzlichen Rentenversicherung zumutbar verringert werden.

Nach Gersters Worten sollte das Renteneintrittsalter um zwei bis drei Jahr angehoben werden. Dabei müsse man allerdings nach Branchen unterscheiden. "Für einige akademische Berufe kann ich mir vorstellen, dass der Ausstieg erst mit 70 kommt", sagte der Minister, der für seine Partei an den Rentenkonsensgesprächen teilnimmt.

Der SPD-Politiker begründete seinen Vorstoß mit dem Hinweis, dass bereits die zurückgehenden Geburtenraten bald ein höheres Rentenzugangsalter nahelegten. Vertretbar sei dies, weil nach wie vor die Lebenserwartung steige. "Wer heute jung ist, wird allen Prognosen zufolge älter als die heutigen Rentner und bleibt auch länger gesund. Deshalb halte ich eine proportionale Anpassung des Renteneintrittsalters um zwei, drei Jahre für zumutbar und auch für gerecht", sagte Gerster.

Bereits am Wochenende hatte sich der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Merz, für die Erhöhung des Rentenalters auf 70 Jahre in den meisten Berufen ausgesprochen. Eine Verkürzung der Lebensarbeitszeit würde das Ende der Rentenversicherung bedeuten, sagte er in einem Zeitungsinterview. Für körperlich anstrengende Berufe sei allerdings ein Ruhestand vor dem 65. Lebensjahr weiter notwendig.

Eine Einigung mit der rot-grünen Bundesregierung über ein neues Rentengesetz hält Merz nach eigenen Angaben trotz Differenzen in Kernfragen für möglich: "Es gibt eine Chance, dass das neue Gesetz bis 2001 verabschiedet werden kann."



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