Überfall auf Ermyas M. Potsdamer Verdächtiger wieder in U-Haft

Wende bei den Ermittlungen zum Überfall auf den Deutsch-Afrikaner Ermyas M. in Potsdam: Der beschuldigte Björn L. ist auf Antrag der Bundesanwaltschaft erneut in Untersuchungshaft.


Karlsruhe - Der Ermittlungsrichter habe auf Antrag von Generalbundesanwalt Kay Nehm erneut Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der gefährlichen Körperverletzung erlassen, hieß es. Neue Beweisergebnisse hätten den Verdacht gegen den 29-Jährigen erhärtet, an der Gewalttat gegen den Deutsch-Äthiopier am Ostersonntag beteiligt gewesen zu sein.

Die neuen Erkenntnisse seien erst gestern Abend nach der Haftentscheidung des Ermittlungsrichters bekannt geworden. Er hatte den Haftbefehl gegen die beiden Beschuldigten aufgehoben. Angesichts des "fortgeschrittenen Ermittlungsstadiums" sei der dringende Tatverdacht der gefährlichen Körperverletzung nicht mehr gegeben, hieß es als Begründung. Dabei spiele insbesondere eine Rolle, dass der Geschädigte sich bislang nicht an die Tat erinnern könne.

Nach Informationen der "Berliner Morgenpost" soll ein Mithäftling in der Untersuchungshaft jedoch angegeben haben, er habe gehört, wie L. sinngemäß gesagt habe: "Hätte ich mal richtig zugeschlagen."

Die Festnahme durch Beamte des Polizeipräsidiums Potsdam erfolgte nach Informationen von SPIEGEL ONLINE gegen 18 Uhr in der elterlichen Wohnung von L. Von dort aus wurde er in die Untersuchungshaft gebracht. Der zweite Beschuldigte Thomas M., 30, befindet sich jedoch weiter auf freiem Fuß.

Der Deutsch-Äthiopier Ermyas M. war am 16. April in Potsdam niedergeschlagen worden und hatte schwere Schädel-Hirn-Verletzungen erlitten. Nehm zog die Ermittlungen an sich, weil er von einem fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat ausging. Am 20. April wurden die beiden Tatverdächtigen dann festgenommen. Einen Tag später erließ der Ermittlungsrichter jeweils Haftbefehl und bestätigte diesen Anfang Mai in beiden Fällen.

als/AP/Reuters/dpa/ddp



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