Überfall auf Zeltlager Rechtsradikaler muss über zwei Jahre in Haft

Zwei schlafende Teilnehmer eines Jugendzeltlagers von Linken verletzte ein Rechtsradikaler in Nordhessen. Dafür wurde er jetzt von einem Gericht zu mehr als zwei Jahren Gefängnis verurteilt.


Kassel - Das Landgericht Kassel verurteilte den 19-Jährigen am Montag wegen zweifacher gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung. Der Mann hatte zugegeben, dass er im Juli 2008 in einem Zelt mit einer Glasflasche und der flachen Seite eines Klappspatens auf zwei Schlafende eingeschlagen hatte. Ein 13-jähriges Mädchen war dabei schwer verletzt worden, ihr zehn Jahre älterer Halbbruder erlitt Prellungen und Abschürfungen. Das Urteil entsprach der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Eine Verurteilung wegen versuchten Mordes lehnte das Gericht ab. Eine Tötungsabsicht könne dem jungen Mann nicht nachgewiesen werden. Er habe nicht mit aller Kraft zugeschlagen, Hinterlist und Vorsatz seien nicht bewiesen. "Selbst wenn man das außer Acht ließe, müsste das Ablassen von den Opfern nach dem Aufschrei des Mädchens als Rücktritt von einer versuchten Tötung gewertet werden", hieß es in der einstündigen Urteilsbegründung.

Er habe den beiden nach eigener Aussage Schmerzen zufügen wollen. "Als das erreicht war, ließ er von ihnen ab." Das Gericht würdigte auch, dass der 19-Jährige sofort bei der Polizei ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte.

Zweifel hatten die Richter hingegen an der Alkoholisierung des Mannes. Er habe zwar erheblich Bier, Apfelwein und Kräuterschnaps getrunken, das sei er aber gewohnt gewesen. Zudem habe er den 2,5 Meter hohen Zaun überwinden und sein Ziel sorgfältig aussuchen können. "Das ist überlegtes Handeln. Eine Enthemmung durch Alkohol war ohne Zweifel da, eine erhebliche Verminderung der Schuldfähigkeit aber nicht."

als/dpa



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