Übergabe nahe der polnisch-ukrainischen Grenze Ukraine hat deutsches Luftabwehrsystem erhalten

Seit Monaten stellt die Bundesregierung der Ukraine ein modernes Luftverteidigungssystem in Aussicht. Jetzt wurde die deutsche Flugabwehrwaffe Iris-T nach SPIEGEL-Informationen an das ukrainische Militär übergeben.
Das deutsche Luftabwehrsystem Iris-T soll ukrainische Städte vor russischem Beschuss schützen

Das deutsche Luftabwehrsystem Iris-T soll ukrainische Städte vor russischem Beschuss schützen

Foto: Michele Tantussi / Getty Images

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Deutschland hat das erste von vier zugesagten Luftverteidigungssystemen vom Typ Iris-T SLM an die Ukraine übergeben. Nach Informationen des SPIEGEL erfolgte die Übergabe am Dienstag nahe der polnisch-ukrainischen Grenze.

Damit löst die Bundesregierung ein Versprechen ein, das Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bereits Anfang Juni im Bundestag gegeben hatte. Zuletzt hatte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) am Montag eine baldige Lieferung in Aussicht gestellt. Ursprünglich war die erste Übergabe für November vorgesehen.

Nach Angaben der Bundesregierung handelt es sich bei der Waffe um das modernste Flugabwehrsystem Deutschlands. Entwickelt wurde es vom deutschen Rüstungskonzern Diehl Defence aus Überlingen am Bodensee.

Das bodengestützte Flugabwehrsystem soll in erster Linie die Zivilbevölkerung schützen, indem es Luftangriffe der russischen Armee abwehrt. Laut Kanzler Scholz könnten damit auch Großstädte vor Luftangriffen geschützt werden.

Wie dringend solcher Schutz benötigt wird, zeigen die jüngsten russischen Angriffe in der Ukraine. Als Vergeltung für die Bombenexplosion auf der Krimbrücke am Samstag hatte Russland am Montag landesweit ukrainische Städte bombardiert. Am Dienstagmorgen setzte Moskau seine Angriffe fort und bombardierte vor allem Energieanlagen im Westen des Landes.

Das Luftabwehrsystem Iris-T SLM besteht aus drei Fahrzeugen: einer Abschussrampe auf einem Militär-Lkw mit Platz für acht Raketen, einem Radarfahrzeug und einem Führungsfahrzeug. Die Luftabwehrraketen können Ziele in bis zu 20 Kilometern Höhe und 40 Kilometer Entfernung treffen. Ihre Reichweite ist damit deutlich größer als etwa jene von schultergestützten Flugabwehrraketen wie den ebenfalls von Deutschland an die Ukraine gelieferten Stinger-Flugabwehrraketen.

Die Ukraine erhält mit der ersten Iris-T-Lieferung ein Verteidigungssystem, über das die Bundeswehr selbst noch nicht verfügt. Eigentlich war die erste sogenannte Feuereinheit für Ägypten vorgesehen, das mehrere Systeme bei Diehl Defence in Auftrag gegeben hat. Kairo trat nun ein System an die Ukraine ab.

Drei weitere Iris-T-Systeme sollen im nächsten Jahr in das ukrainische Kriegsgebiet geliefert werden. Wann genau, ist offen; die Flugabwehrwaffen müssen erst noch gefertigt werden.

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