Bei Angriffen auf Atomkraftwerke Merz hält Eingreifen der Nato für möglich

»Es kann eine Situation geben, in der auch die Nato Entscheidungen treffen muss, Putin zu stoppen«: CDU-Chef Merz spricht sich unter bestimmten Umständen für ein Eingreifen der Allianz in den Ukrainekrieg aus.
CDU-Chef Friedrich Merz

CDU-Chef Friedrich Merz

Foto: Reiner Zensen / imago images/Reiner Zensen

Friedrich Merz hält eine Beteiligung der Nato am Ukrainekrieg für möglich, wenn es gezielte Angriffe auf Atomkraftwerke geben sollte. »Die Angriffe und die Art und Weise, wie dieser Krieg geführt wird, nehmen Formen an, die zum Nachdenken zwingen«, sagte der CDU-Chef dem Radiosender NDR info.

Es könne eine Situation geben, in der dann »auch die Nato Entscheidungen treffen muss, Putin zu stoppen«, sagte Merz. Soweit sei es aber nicht, betonte er. Wenn allerdings Atomkraftwerke angegriffen würden, »wenn möglicherweise sogar die Reaktorblöcke getroffen werden sollten, dann sind wir unmittelbar bedroht von den Auswirkungen dieses Krieges«. In diesem Fall müsse die Nato darüber nachdenken, ob das auch ein Angriff auf das eigene Territorium sei. Er gehe davon aus, dass in Regierungen, EU und Nato über dieses Szenario nachgedacht werde, sagte Merz.

Nach dem Vorrücken russischer Truppen bei Saporischschja war offenbar in der Nacht zu Freitag ein Feuer in einem Gebäude des Atomkraftwerks ausgebrochen. Am Morgen wurde es nach Angaben des ukrainischen Innenministeriums gelöscht. Gebrannt habe ein Trainingskomplex. Es sei keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden, teilte die ukrainische Aufsichtsbehörde mit. Russische Truppen hätten das Kraftwerk besetzt.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilte das Vorrücken russischer Truppen zu Europas größtem Atomkraftwerk scharf. Die Berichte über den Angriff auf die Kernkraftanlage zeigten die Rücksichtslosigkeit, mit der der Krieg geführt werde, und wie wichtig es sei, ihn zu beenden, sagte Stoltenberg am Freitag am Rande eines Sondertreffens der Außenminister der Bündnisstaaten in Brüssel. Russland müsse all seine Truppen zurückziehen und sich diplomatisch engagieren.

Auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock verurteilte zugleich den russischen Angriff auf das ukrainische Atomkraftwerk. Sie rief Kremlchef Putin auf, das internationale Recht zu achten: Die »Regeln gelten für alle, auch für den russischen Präsidenten, und das gilt insbesondere im nuklearen Bereich«, betonte sie.

als/dpa/AFP